Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 8. August 2016
08.08.2016 17:25

PURZELNDE PREISE: Der Ausverkauf im Bekleidungssektor sowie günstigere Preise für Hotelübernachtungen, Erdölprodukte und für Flugtickets haben im Juli zu einem niedrigeren Preisniveau geführt. Der Landesindex für Konsumentenpreise sank um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat gaben die Preise aber nur um 0,2 Prozent nach. Die Verkaufspreise in der Kategorie Bekleidung und Schuhe reduzierten sich im Juli um 8,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Allerdings mussten die Konsumenten im Juli für Pauschalreisen rund 2 Prozent und für neue Automobile 0,9 Prozent tiefer in die Taschen greifen. Während im Juli die Preise der Inlandgüter im Vergleich mit dem Monat Juni sowie gegenüber dem Vorjahr weitestgehend konstant blieben, sank das Preisniveau beim Import von Waren und Dienstleistungen um 1,6 beziehungsweise um 0,9 Prozent.

LIEGENSCHAFT VERKAUFT: Die Grossbank Credit Suisse (CS) hat eine namhafte Immobilie veräussert. Bei dem Objekt handelt es sich um den "Leuenhof" an der Zürcher Bahnhofstrasse in der Nähe des Paradeplatzes. In diesem Gebäude befand sich ursprünglich der Hauptsitz der Bank Leu, bevor diese in die CS integriert wurde. Käufer ist die Swiss Prime Anlagestiftung. Die Transaktion, die ein Sale-and-Lease-back-Geschäft für zwei Jahre einschliesst, ist im dritten Quartal durch die Holding des Kreditinstituts, der Credit Suisse AG, erfolgt. Der Preis für den Verkauf soll in dreistelliger Millionenhöhe liegen. Dieser wurde aber nicht bestätigt.

ZUVERSICHT: Chinesische Kunden sind für die Schweizer Uhrenindustrie wichtig. Doch im Moment sinken die Verkaufszahlen. Dennoch ist Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) zuversichtlich. Er rechnet mit Stabilisierung. Grund dafür sieht er in der wachsenden chinesischen Mittelschicht. Das Geschäft mit chinesischen Touristen in Europa werde zudem momentan vom Terrorismus gebremst. Potential für die Uhrenindustrie sieht Pasche in Ländern wie Indonesien, Vietnam oder auch in den Philippinen.

VERGLEICH: Der Schweizer Milliardär und Synthes-Gründer Hansjörg Wyss sowie seine ehemalige Firma haben sich von Klagen um nicht bewilligte Wirbelsäulenoperationen freigekauft, die tödlich endeten. Die Details des Vergleichs bleiben unter Verschluss. Wyss und seinem Führungsstab wurde vorgeworfen, Menschenversuche mit Norian-Einspritzung bei Wirbelsäulen-Operationen vorangetrieben zu haben, obwohl es dafür keine behördliche Zulassung gab. In einem Zivilverfahren um eine der Operationen befanden die Geschworenen am vergangenen Freitag in Seattle einen Arzt für nicht schuldig. Mit 10 zu 2 Stimmen entschied die Jury, dass der Tod der 67-jährigen Patientin nicht durch eine Fahrlässigkeit seitens des Chirurgen oder seines Arbeitgebers, der Universität des Staates Washington, verursacht wurde.

ATTRAKTIVER IMMOBILIENMARKT: Für die grosse Mehrheit der Immobilienexperten ist erwartungsgemäss der Kauf von Immobilien attraktiver als Investitionen in Aktien. Für Immobilienkäufe würden höhere Renditen und/oder geringere Risiken sprechen. Laut einer Umfrage des Hypothekenvermittlers Moneypark bei 80 Branchenexperten im ersten Quartal 2016 gehen diese insgesamt von konstanten bis leicht sinkenden Preisen bei Wohneigentum aus. Fast die Hälfte der Befragten spricht von einer preislichen Konsolidierung des Marktes mit konstanten Preisen und rechnet mit keiner Überhitzung.

MEHR GELD: Die Chefs der 100 grössten Unternehmen an der Londoner Börse haben einer Umfrage zufolge im vergangenen Jahr mehr als zehn Prozent mehr verdient. Die Vergütung sei auf durchschnittlich 5,5 Millionen Pfund (7 Millionen Franken) gestiegen, teilte das Institut High Pay Centre zu seiner Erhebung mit. Damit erhielten die Vorstandsbosse im Schnitt 140-mal mehr Geld als ihre Mitarbeiter. Spitzenreiter in der Verdienstrangliste ist Martin Sorrell von der weltgrössten Werbeagentur WPP. Sein Vergütungspaket von 70 Millionen Pfund (90 Millionen Franken) ist eines der höchsten in der britischen Geschichte.

ERMITTLUNGEN: Beim europäischen Flugzeugkonzern Airbus gibt es den Verdacht unsauberer Geschäftspraktiken: Wegen Hinweisen auf Betrug, Bestechung und Korruption leitete die britische Anti-Korruptions-Behörde Ermittlungen gegen Airbus ein. Die Anschuldigungen beträfen "Unregelmässigkeiten" bei der Beratung durch Dritte in der zivilen Luftfahrtsparte des Konzerns, teilte das Serious Fraud Office (SFO) mit. Das Unternehmen selbst habe den Anstoss zu den Ermittlungen gegeben, sagte ein Airbus-Sprecher. Die Anti-Korruptions-Behörde startete die Ermittlungen im Juli. Details würden erst genannt, wenn Anklage erhoben werde - oder die Ermittlungen fallen gelassen würden.

BILLIGER: Die Talfahrt beim Pfund nach dem Brexit-Votum hat für die britische Wirtschaft auch ihre positiven Seiten. Nach dem Anti-EU-Votum vom 23. Juni hat sich die Zahl der Flugbuchungen auf die Insel bis zum Stichtag 21. Juli zum Vorjahr um 4,3 Prozent erhöht, wie die Reisedatenfirma ForwardKeys mitteilte. Insbesondere Touristen aus Übersee - etwa aus Hongkong, USA und Kanada - wählten in diesem Zeitraum das Vereinigte Königreich verstärkt als Reiseziel. Seit dem Referendum ist der Pfund-Kurs um mehr als zwölf Prozent zum Dollar gefallen.

ZUGEKAUFT: Der weltgrösste Detailhändler Wal-Mart will sein Online-Geschäft mit einem milliardenschweren Zukauf stärken. Der Web-Konkurrent Jet.com werde für rund 3,3 Milliarden Dollar übernommen, kündigte Wal-Mart an. Ziel sei es, durch die Transaktion besser mit Amazon und anderen Online-Händlern konkurrieren zu können. Jet.com ging erst im vergangenen Juli online. Das Unternehmen wirbt mit hohen Rabatten auf Produkte. Laut Wal-Mart soll die Marke Jet.com erhalten bleiben.

ABWÄRTSTREND: Der chinesische Aussenhandel ist im Juli erneut deutlich geschrumpft. Der Wert der Exporte lag laut der veröffentlichten Zahlen der Zollverwaltung bei 184,7 Milliarden Dollar. Das waren 4,4 Prozent weniger als im Juli 2015. Noch stärker brachen die Importe ein, und zwar um 12,5 Prozent auf 132,4 Milliarden Dollar. Es handelte sich um den vierten Monat in Folge, in dem die Exporte zurückgingen. Bei den Importen war es sogar das 21. Monatsminus in Folge.

(AWP)