Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 26. August 2016
26.08.2016 17:44

Jackson Hole (awp/sda/reu) - ALPIQ RAPPELT SICH AUF: Die Restrukturierung beim Alpiq trägt erste Früchte. Der Energiekonzern hat im ersten Halbjahr 2016 den Reinverlust deutlich auf 2 Millionen Franken verringert. In der Vorjahresperiode hatte noch ein Minus von 886 Millionen Franken zu Buche geschlagen. Dieses war von hohen Abschreibungen geprägt. Trotz weiter gesunkenen Grosshandelspreisen konnte sich Alpiq jedoch auch geschäftlich verbessern. Während im Vorjahreszeitraum Alpiq noch einen operativen Verlust melden musste, schrieb das Unternehmen im ersten Semester 2016 einen Gewinn. Der mögliche Verkauf von Anteilen am eigenen Wasserkraftwerkspark läuft wie bereits früher mitgeteilt nach Plan. Die erste Angebotsphase wurde im Juli abgeschlossen. Die Entscheide sollen in den nächsten Monaten fallen.

GUTER GEWINN: Die Übernahme der Fondsgesellschaft Swisscanto hat die Geschäftserträge der Zürcher Kantonalbank (ZKB) im ersten Halbjahr angetrieben. Unter dem Strich konnte die viertgrösste Bank der Schweiz wieder den guten Vorjahresgewinn von 393 Mio. Fr. erreichen, der von Immobilienverkäufen profitiert hatte. Damit hat die ZKB deutlich mehr verdient, als sie selber erwartet hatte. Insgesamt stiegen die Erträge der ZKB um 4,6 Prozent auf 1,15 Mrd. Franken. Das Plus ist insbesondere auf das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zurückzuführen, das seine Erträge erneut um 14,5 Prozent auf 360 Mio. Fr. steigern konnte. Hier half der Kauf von Swisscanto. Hauptertragsquelle bleibt Prozent weiterhin das Zinsgeschäft, das einen stabilen Erfolg von 582 Mio. Fr. einfuhr. Der Erfolg im Handelsgeschäft nahm um 1,6 Prozent auf 183 Mio. Fr. zu.

GEBÜHRENERHÖHUNG DROHT: Kleinsparern in der Schweiz drohen wegen der Negativzinsen der SNB in absehbarer Zeit zwar keine Strafzinsen. Jedoch zeichnet sich laut Postfinance-Chef Hansruedi Köng branchenweit eine Gebührenerhöhung ab. In der Vergangenheit habe eine Bank die anfallenden Kosten dank der höheren Zinsmarge decken können, sagte Köng in einem Interview mit der "Berner Zeitung". Das sei im heutigen Zinsumfeld nicht mehr möglich. "Ich glaube deshalb, dass branchenweit weitere Preiserhöhungen kommen werden, auch bei uns", sagte er. Beschlossen sei zwar noch nichts, aber der Aufwand für erbrachte Dienstleistungen müsse gedeckt sein. Zudem habe sich der Aufwand für die Eröffnung und Führung einer Kundenbeziehung in den letzten Jahren auch aufgrund zunehmender regulatorischer Vorschriften spürbar erhöht.

MEHR PLEITEN: In der Schweiz sind in der ersten Jahreshälfte deutlich mehr Unternehmen pleite gegangen. Von Januar bis Juli stieg die Zahl der Firmenkonkurse um 5 Prozent auf 2648 Fälle. Am stärksten war der Anstieg in der Südwestschweiz (+16 Prozent) und im Tessin (+11 Prozent). In der Ostschweiz und in Zürich gab es je 6 Prozent mehr konkursite Unternehmen, wie die jüngsten Zahlen des Wirtschaftsinformationsdienstes Bisnode D&B zeigen. Am höchsten ist das Konkursrisiko im Baugewerbe: 2,8 Mal höher als der Durchschnitt. Auch bei Restaurants und Hotels sowie Handwerksbetrieben müssen Lieferanten besonders häufig damit rechnen, dass ihre Kunden die Rechnungen nicht mehr zahlen können.

GEWINNMINUS BEI PICTET: Die Genfer Privatbankengruppe Pictet hat in der ersten Jahreshälfte weniger Geld eingenommen. Der Betriebsertrag sank um 1,3 Prozent auf 1,033 Milliarden Franken. Noch stärker ging der Geschäftserfolg mit einem Minus von 14,3 Prozent zurück. Er betrug 244 Millionen Franken. Unter dem Strich blieb ein um 15,5 Prozent kleinerer Gewinn von 191 Millionen Franken, wie Pictet mitteilte. Senior-Teilhaber Nicolas Pictet zeigte sich aber in der Mitteilung gelassen. Dank der Teilhaberstruktur und der soliden Bilanz sowie hohen Kapitalquoten könne sich Pictet auf die langfristige Wertschöpfung konzentrieren. Die Bank mit 3900 Mitarbeitern wird ausschliesslich von derzeit sechs Eigentümern geführt.

EDISUN POWER VERDIENT MEHR: Der Solarstromspezialist Edisun Power hat im ersten Halbjahr 2016 dank Zukäufen den Umsatz gesteigert. Unter dem Strich verdiente die Gruppe mit 34 Solarstromanlagen in der Schweiz, in Deutschland, Spanien und Frankreich deutlich mehr. Der Gesamtertrag erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent auf 3,99 Millionen Franken. Das Wachstum sei massgeblich auf die im letzten Jahr übernommenen Anlagen in Spanien und Frankreich zurückzuführen. Dank tieferen Kosten stiegen die Gewinnzahlen überproportional: Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA legte um 11 Prozent auf 2,79 Millionen Franken und der EBIT um 6,0 Prozent auf 1,29 Millionen Franken zu. Unter dem Strich verblieb nicht zuletzt dank tieferer Finanzierungskosten ein 61 Prozent höherer Reingewinn von 0,27 Millionen Franken.

STAGNATION BEI ADVAL TECH: Der Automobilzulieferer Adval Tech leidet unter der schwierigen Wirtschaftslage in Ländern wie Brasilien und Thailand. Den Umsatz konnte die Berner Industriegruppe in der ersten Jahreshälfte 2016 aber mit Zukäufen und Währungseffekten auf Vorjahresniveau halten. So steuerte die Konsolidierung der Fischer IMF rund 10 Millionen Franken zum Umsatz bei. Von Januar bis Juni setzte Adval Tech so insgesamt 110,5 Millionen Franken um. Der Betriebsgewinn (EBIT) schrumpfte um eine Million Franken auf 3,3 Millionen Franken. Hingegen schrieb Adval Tech unter dem Strich wieder schwarze Zahlen. Der Gewinn belief sich auf 2,2 Millionen Franken, nach einem Verlust von 2,8 Millionen Franken im Halbjahr 2015 nach dem Frankenschock.

GEWINNSPRUNG BEI BACHEM: Das Biochemieunternehmen Bachem hat im ersten Halbjahr 2016 unter dem Strich über einen Drittel mehr verdient als im Vorjahreshalbjahr. Der Reingewinn zog auf 17,1 Millionen Franken an. Der Betriebsgewinn (EBIT) legte um 18,1 Prozent auf 20,8 Millionen Franken zu. Damit wuchsen die Profite bei dem Baselbieter Unternehmen stärker als der Umsatz. Der Umsatz stieg um 13,9 Prozent auf 113,4 Millionen Franken. Die hohe Marktnachfrage, gute Auftragssituation sowie kontinuierlich steigende Nutzung und Auslastung der neuen Kapazitäten liessen ein sehr gutes Geschäftsjahr 2016 erwarten, schreibt das Unternehmen. Bachem kündigte deshalb den Ausbau der Kapazitäten und die Schaffung von 50 Stellen an.

GELDPOLITIK: Die Argumente für eine Zinsanhebung haben nach Einschätzung von Fed-Chefin Janet Yellen in den vergangenen Monaten an Zugkraft gewonnen. Es gebe Verbesserungen auf dem US-Arbeitsmarkt, zudem werde ein moderates Wirtschaftswachstum erwartet, sagte Yellen in einer Rede auf der Notenbanker-Konferenz der Fed in Jackson Hole in Wyoming.Yellen signalisierte in ihrer Rede nicht, wann genau die US-Zentralbank den nächsten Zinsschritt wagen will. Ihre Bemerkungen verstärkten aber die Sichtweise, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen anheben könnte.

KREDITVERGABE ZIEHT AN: Die Europäische Zentralbank (EZB) erreicht mit ihrer Geldschwemme allmählich auch die Unternehmen im Währungsraum. Im Juli vergaben Banken im Währungsraum 1,9 Prozent mehr Kredite an nicht zur Finanzbranche zählende Firmen als vor Jahresfrist, wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte. Im Juni hatten sie 1,7 Prozent mehr Darlehen ausgereicht. Privathaushalte erhielten im Juli 1,8 Prozent mehr Kredite als vor Jahresfrist. Die Frankfurter Währungshüter fluten seit März 2015 das Finanzsystem über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren mit Zentralbankgeld. Das in Deutschland umstrittene Programm soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen und dann ein Volumen von 1,74 Billionen Euro erreichen.

REZESSION WEGEN TRUMP: Ein Wahlsieg des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump im November könnte nach Einschätzung der Analysten der Citigroup eine weltweite Rezession verursachen. Die Präsidentschaftswahl sei ein grosser Unsicherheitsfaktor für die globale Wirtschaft, erklärte der Chefökonom der US-Bank, Willem Buiter. Ein Sieg Trumps könnte das Weltwirtschaftswachstum um 0,7 bis 0,8 Prozentpunkte mindern. Eine Rezession liegt der Citigroup-Analyse zufolge vor, wenn die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale um weniger als zwei Prozent wächst. Citibank rechnet aber damit, dass Hillary Clinton gewinnt.

SIEG FÜR GM: Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat erneut einen juristischen Sieg in Zusammenhang mit den Folgen defekter Zündschlösser erzielt. Eine Jury in Texas entschied, dass ein tödlicher Unfall vor fünf Jahren nicht auf den Defekt zurückzuführen sei. Damit scheiterte der Kläger, der mit seinem Auto einen Zusammenstoss verursacht hatte, bei dem der Fahrer des anderen Wagens starb. Der Kläger Zach Stevens hatte angeführt, dass er wegen des Zündschlossdefekts die Kontrolle über sein Auto verloren habe. GM hatte im Februar 2014 den Rückruf von insgesamt rund 2,6 Millionen Autos weltweit eingeleitet, weil die Zündschlösser während der Fahrt in die Aus-Position springen und so neben dem Motor auch die Elektronik ausschalten können.

STELLENABBAU NACH FUSION: Nach der milliardenschweren Übernahme von SABMiller durch den weltgrössten Braukonzern Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) sollen Tausende Stellen wegfallen. Durch die Fusion werden rund 3 Prozent aller Arbeitsplätze überflüssig, wie AB Inbev mitteilte. Dies entspricht laut Angaben von Eingeweihten etwa 5500 Stellen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Der Abbau erfolgt laut dem Unternehmen über einen Zeitraum von drei Jahren. Angesetzt werden soll der Rotstift vor allem in der Verwaltung und im Vertrieb, wo es Überlappungen gibt. Aber auch durch den geplanten Verkauf von Töchtern soll sich die Belegschaft reduzieren.

TIEFERER BETRIEBSERTRAG: Zug Estates hat im ersten Semester 2016 einen tieferen Betriebsertrag erzielt. Unter dem Strich hat das Immobilienunternehmen aber mehr verdient, wenn der tiefere Neubewertungserfolg ausgeklammert wird. Der Betriebsertrag ging um 2,2 Prozent auf 30,3 Millionen Franken zurück. Aufgrund des markant tieferen Neubewertungserfolgs (14,4 Millionen Franken nach 32,8 Millionen Franken im Vorjahr) schrumpfte das Ergebnis auf Stufe EBIT um 34 Prozent auf 32,8 Millionen Franken und der Reingewinn um 37 Prozent auf 24,7 Millionen Franken. Unter Ausklammerung des Neubewertungserfolgs resultiert unter dem Strich allerdings eine Zunahme um 5,6 Prozent auf 12,1 Millionen Franken.

EIN VIERTEL MEHR GEWINN: Der Halbleiter-Hersteller U-blox hat in der ersten Jahreshälfte 2016 fast einen Viertel mehr Gewinn gemacht. Der Reingewinn erhöhte sich auf 18,5 Millionen Franken. Auch Betriebsgewinn und Umsatz stiegen an. Analysten hatten allerdings mehr erwartet. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte um 12,3 Prozent auf 27,8 Millionen Franken. Der Umsatz wuchs um 11 Prozent auf 179,7 Millionen Franken, wie der Hersteller von Modulen und Chips mitteilte.Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz von 192,9 Millionen Franken, einem EBIT von 28,8 Millionen Franken und einem Reingewinn von 22,2 Millionen Franken gerechnet.

STAGNATION IN FRANKREICH: Das Wachstum der französischen Wirtschaft ist im zweiten Quartal zum Erliegen gekommen. Das Bruttoinlandprodukt blieb zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorquartal unverändert, bestätigte das Statistikamt Insee eine frühere Schätzung. Zu Jahresbeginn hatte es noch zu einem Wachstum von 0,7 Prozent gereicht. Die nach Deutschland zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone erwies sich damit als Bremse für die Währungsunion, die im Frühjahr um 0,3 Prozent zulegte. Ein Grund für das schwache Abschneiden waren zurückhaltende Konsumenten.

IPHONES AUSSPIONIERT: Experten sprechen von der "ausgeklügeltsten Attacke", die sie je auf einem Gerät gesehen haben: Ein Spionage-Programm verschaffte sich dank Software-Schwachstellen weitreichenden Zugang zu iPhones. Ein Rückschlag für Apple, das mit der Sicherheit seiner Geräte wirbt. Der IT-Sicherheitsfirma Lookout zufolge konnte das Programm dank drei bisher unbekannten Software-Schwachstellen unter anderem Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers verfolgen. Nach Erkenntnissen von Experten wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS am Donnerstag - rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht.

(AWP)