Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 6. September 2016
06.09.2016 17:40

AUF ERHOLUNGSKURS: Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker gewachsen. Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs um 0,6 Prozent, nach 0,3 Prozent im ersten Quartal. Analysten hatten ein Wachstum zwischen 0,2 und 0,5 Prozent erwartet. Die Erholung nach dem Frankenschock gewinnt damit an Fahrt. Das Wachstum habe sich breit über die meisten Sektoren verteilt, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mit. Die stärksten Wachstumsimpulse kamen aus dem Energiesektor sowie den privaten und staatsnahen Dienstleistungen. Während sowohl Staatsausgaben als auch Exporte anzogen, stagnierte der private Konsum.

BKW TROTZT TIEFEN PREISEN: Der bernische Energiekonzern BKW konnte sich im ersten Halbjahr trotz Gegenwind durch die tiefen Strompreise steigern. So erhöhte sich die Gesamtleistung um 7 Prozent auf 1,4 Milliarden Franken. Der Gewinn stieg um knapp ein Prozent auf 124 Millionen Franken. Damit ist es dem Stromkonzern gelungen, in den ersten sechs Monaten die negativen Effekte der tiefen Strompreise zu kompensieren. Erreicht hat das die BKW mit einem Sparprogramm im Energiegeschäft, höheren Handels- und Netzleistungserträgen sowie einem Ausbau der Dienstleistungen. Für das Gesamtjahr zeigt sich die BKW darum auch zuversichtlich. So soll der Stromkonzern trotz tieferen Stromhandelspreisen 2016 ein gleich hohes operative Betriebsergebnis erzielen wie im Vorjahr.

ANKLAGE GEGEN EX-BANKER: Im Zusammenhang mit dem Verkauf von Kundendaten der UBS an deutsche Steuerermittler hat die Schweizer Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen Ex-Angestellten der Grossbank beim Bundesstrafgericht eingereicht. Dem Mann wird unter anderem die Verletzung des Bankgeheimnisses vorgeworfen. Zudem wirft die Bundesanwaltschaft (BA) dem einstigen Banker wirtschaftlichen Nachrichtendienst, Geldwäscherei, verbotenen Munitionsbesitz und die Verletzung des Geschäftsgeheimnisses vor. Die Klage wurde Ende Juli eingereicht. Der Ex-UBS-Banker soll Informationen über schwerreiche Kunden der Grossbank im Jahre 2012 ans deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen verkauft haben. Mit den Daten konnten 772 Stiftungen mit Kontoverbindungen zur UBS und weitere 550 Privatpersonen identifiziert werden. Die UBS hat an Nordrhein-Westfalen 300 Millionen Euro Busse bezahlt.

VERZÖGERTE LIEFERUNG: Die Swiss bekommt 2016 wegen Lieferschwierigkeiten von Bombardier wohl weniger Mittelstreckenflugzeuge des Typs C-Series zugestellt als geplant. Die Übergabe und Inbetriebnahme der Maschinen verzögert sich - auch wegen Lieferproblemen bei den Triebwerken. Das sagte am Dienstag ein Sprecher der Swiss, die Erstkunde für die C-Series-Flugzeuge ist und bisher mit der Übernahme von neun Maschinen in diesem Jahr gerechnet hat. Kurz zuvor hatte der kanadische Hersteller Bombardier erklärt, er werde 2016 wohl nur sieben statt 15 Flieger vom Typ CSeries ausliefern. Bombardier begründete dies mit Lieferproblemen beim Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. Die Swiss hat insgesamt 30 C-Series-Maschinen bestellt.

VON ROLLE NACH PARIS: Der japanische Autokonzern Nissan wird aus seiner Europazentrale in Rolle im Kanton Waadt rund 90 Arbeitsplätze in die Nähe von Paris verlagern, wo sich sein operatives Zentrum befindet. Mit dieser Massnahme will der Autohersteller die Abläufe im Konzern straffen und Synergien stärken. Derzeit sind an dem Standort Rolle rund 220 Personen beschäftigt. Nach der Umstrukturierung sollen am Ufer des Genfersees noch rund 130 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig sein, wie ein Sprecher am Dienstag eine Medienmeldung gegenüber der Nachrichtenagentur sda bestätigte. Stellenstreichungen soll es laut Firmenangaben aber nicht geben. Allerdings würden aus persönlichen Gründen vielleicht nicht alle betroffenen Mitarbeiter an den neuen Standort mitgehen. Für diesen Personenkreis versucht Nissan, eine andere Beschäftigung in der Schweiz zu finden.

PREISE LEICHT GESUNKEN: Die Schweizer Konsumenten haben im August dank günstigeren Flugreisen und Erdölprodukten sparen können: Pauschalreisen, Flugtickets, Benzin und Diesel sowie stationäre Behandlungen in Spitälern wurden billiger. Auch für Autos mussten die Konsumenten weniger hinblättern. Dagegen wurden Hotelübernachtungen, Bekleidung und Schuhe teurer. Deutlich zogen auch die Preise für Teigwaren und Kaffee in den Läden an, nachdem Aktionen ausgelaufen sind. Insgesamt sind die Konsumentenpreise um 0,1 Prozent gesunken, nachdem sie bereits im Juli nachgegeben hatten. Auch im Vergleich zum Vorjahr fielen die Preise um 0,1 Prozent. Der Landesindex der Konsumentenpreise gab auf 100,2 Punkte nach. Damit ist fast der ganze Preisanstieg von Februar bis Juni wieder weg.

FRIST VERLÄNGERT: Der chinesische Chemieriese ChemChina verlängert die Frist zur Annahme der Offerte für den Basler Agrochemiekonzern Syngenta bis am 8. November. Ohne die erneute Verlängerung wäre die Frist am 13. September abgelaufen. Das 43 Milliarden Dollar schwere Kaufangebot wurde zuvor bereits zweimal verlängert. Offenbar warten die Aktionäre mit dem Verkauf ihrer Aktien noch zu, bis die ausstehenden Genehmigungen zahlreicher Aufsichtsbehörden vorliegen. Wettbewerbsbehörden rund um den Globus müssen den Deal erst noch absegnen. Bis am 2. September wurden Syngenta 17,9 Millionen Aktien angedient, wie ChemChina mitteilte. Das entspricht etwa einem Fünftel aller Syngenta-Aktien.

AUF TOUREN: Mit seinem ersten Medikament Raxone kommt das Baselbieter Pharmaunternehmen Santhera langsam auf Touren. Der Verlust des 2004 gegründeten Firma stieg aber dennoch im ersten Halbjahr von 6,4 Millionen auf 18 Millionen Franken. Mit dem Medikament Raxone, das vorerst in in Europäischen Union zur Behandlung der seltenen Augenkrankheit Lebersche Optikusatrophie (LHON) zugelassen ist, hat Santhera gemäss einer Mitteilung in den ersten sechs Monaten einen Umsatz von 7,2 Millionen Franken erzielt. Bis Ende 2016 sollen es 16 bis 18 Millionen sein. Noch wartet Santhera auf die Zulassung seines Erstlings auch für die Anwendung bei der Erbkrankheit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD). Im Hinblick auf das grüne Licht hat das Unternehmen den Aufbau der Geschäftstätigkeit in den USA aufgenommen. Verpflichtet wurde dafür Todd Bazemore, der in der Santhera-Geschäftsleitung Einsitz nimmt.

AUSLAGERUNG AN HUAWEI: Das Telekomunternehmen Sunrise lagert einen Teil der Informatikdienste an Huawei aus. Der Leistungsumfang umfasse alle IT-Basisdienstleistungen vom Hardwarebetrieb bis zur Datenbankebene zum Betrieb der Applikationsservices, heisst es in einer Mitteilung. Die Vertragsdauer beträgt fünf Jahre. Im Zuge dieser Auslagerung werden im November 31 Beschäftigte zu Huawei wechseln. Es werde keine Entlassungen geben. Die betroffenen Mitarbeitenden erhielten eine Beschäftigungsgarantie von 12 Monaten mit vergleichbaren Bedingungen, heisst es in der Mitteilung der beiden Unternehmen weiter. Zugleich betont Sunrise, dass die IT-Strategie, das Projektmanagement und die Entwicklung nicht Bestandteil des Vertrags seien und beim Unternehmen verblieben.

ÜBERNAHME: Der Handels- und Dienstleistungskonzern DKSH baut seine Onlineaktivitäten weiter aus. DKSH übernimmt zunächst einen 51 Prozent-Anteil an Shanghai Sweets International (eSweets) in Shanghai mit der Option, die restlichen 49 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre zu übernehmen. Über die finanziellen Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart, wie DKSH mitteilte. eSweets beschäftige rund 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weise eine "solide Profitabilität" auf. eSweets wurde 2007 in Shanghai gegründet und ist laut Mitteilung ein stark wachsender Dienstleister für hochwertige Konsumgüter in China. Das Unternehmen ist auf den Onlinevertrieb hochpreisiger Marken spezialisiert - darunter Lindt, Storck, Bahlsen, Barilla, Illy Coffee sowie die in China populären Schokoladentrüffel von De Fei Si.

MCH: Die Messe Schweiz (MCH Group) hat im ersten Semester 2016 einen Umsatz von 335,5 Millionen erzielt. Der Konzerngewinn beläuft sich auf 56,1 Millionen Franken. Damit konnte das Unternehmen in Basel nicht ganz an das vergleichbare Ergebnis des ersten Halbjahres 2014 anknüpfen. Vorjahresvergleiche sind bei der MCH Group aufgrund des Zyklus der Mehrjahres-Messen nur bedingt aussagekräftig, So findet namentlich die Baumesse als eine der wichtigsten nur in den geraden Jahren statt. Im Vergleich zu 2014 ist der Halbjahresumsatz praktisch stabil. Der Konzerngewinn ging jedoch um 1,1 Prozent zurück.

TEMPO GEDROSSELT: Die Wirtschaft in der Eurozone wächst deutlich langsamer als zu Jahresbeginn. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte in den 19 Ländern der Währungsgemeinschaft im zweiten Quartal nur noch um 0,3 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Damit wurde eine vorläufige Schätzung vom August bestätigt. Von Januar bis März war der Zuwachs mit 0,5 Prozent noch weit grösser. Deutschland schaffte im Frühjahr mit 0,4 Prozent ein überdurchschnittliches Plus. In Italien stagnierte das BIP hingegen ebenso wie die Wirtschaftsleistung Frankreichs. In Spanien legte die Wirtschaft um 0,8 Prozent zu, in den Niederlanden immerhin um 0,6 Prozent.

MEGA-ZUKAUF: Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius stemmt die grösste Übernahme seiner Geschichte. Für 5,76 Milliarden Euro übernimmt er Quironsalud, den grössten privaten Klinikbetreiber Spaniens. Stephan Sturm, der erst seit gut zwei Monaten an der Spitze von Fresenius steht, schliesst damit seinen ersten Mega-Deal als Vorstandschef. "Zwei in Qualität und Grösse führende Unternehmen schliessen sich zusammen", sagte Sturm. Für die Fresenius-Kliniktochter Helios, die bisher nur in Deutschland tätig ist, sei die Übernahme ein wichtiger strategischer Schritt. Die Tochter, die bereits der grösste private Klinikbetreiber in Deutschland ist, bekommt dadurch ein zweites Standbein ausserhalb der Bundesrepublik und baut ihre Position als grösster privater Krankenhausbetreiber in Europa aus.

ÜBERNAHME-POKER: Kommt Bayer bei Monsanto doch noch zum Zug? Bisher war den Amerikanern das Angebot aus Deutschland zu niedrig, jetzt wird es noch einmal nachgebessert. Eine feindliche Übernahme soll es nicht geben - aber das Geschäft mit der Agrarchemie ist hart umkämpft. Bayer hat sein Übernahmeangebot für den umstrittenen Agrarchemie- und Biotechnologie-Konzern Monsanto noch einmal aufgestockt. Statt 125 US-Dollar wollen die Deutschen nun 127,50 US-Dollar pro Anteilsschein zahlen, wie der Konzern mitteilte. Sollte es zu einem Zusammenschluss mit Monsanto kommen, würde der deutsche Chemie- und Pharmakonzern zur weltweiten Nummer eins im Geschäft mit Agrarchemie aufsteigen. Es wäre zudem die bislang grösste Übernahme durch einen deutschen Konzern im Ausland überhaupt.

ZWEIFEL AN ETHIK-REGELN: Der Einstieg des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso bei der US-Investmentbank Goldman Sachs wirft Fragen auf. Die europäische Bürgerbeauftragte Emily O'Reilly hat eine Reform des Verhaltenskodex' der Behörde angeregt. Die Ombudsfrau forderte in einem Brief an den heutigen Kommissionschef Jean-Claude Juncker eine Reihe von Klarstellungen der Position der Behörde zu der Personalie - insbesondere auch mit Blick auf die anstehenden Brexit-Verhandlungen. Die Anstellung Barrosos durch die US-Bank habe in der Öffentlichkeit "weitverbreitete Bedenken" ausgelöst, schrieb O'Reilly. "Dieses öffentliche Unbehagen wird durch die Tatsache verstärkt, dass Herr Barroso öffentlich erklärt hat, dass er als Berater zu der Entscheidung des Vereinigten Königreichs tätig sein wird, die EU zu verlassen." Die Kommission müsse deshalb erklären, ob es Leitlinien dafür gebe, wie ihre Brexit-Verhandlungsführer mit Barroso umgehen dürften.

LEGO MACHT MEHR UMSATZ: Der dänische Spielzeugriese Lego hat nach dem Rekordergebnis 2015 zuletzt etwas weniger verdient, aber mehr Umsatz erzielt. Unter dem Strich standen für das Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 rund 3,49 Milliarden dänische Kronen (rund 512 Mio. Franken). Im Vorjahreszeitraum waren es noch rund 3,55 Milliarden Kronen gewesen. Seinen Umsatz konnte der Bauklötzchenhersteller dagegen weiter von 14,14 auf 15,7 Milliarden Kronen. Vor allem bei den Verkäufen der Serien "Lego City", "Lego Ninjago" sowie der neuen Reihe "Lego Nexo Knights" legten die Dänen zu.

ALLIANZ BESIEGELT: Volkswagen arbeitet im Lastwagengeschäft künftig mit dem amerikanischen Rivalen Navistar zusammen. Mit VW sei eine weitreichende strategische Allianz vereinbart worden, teilten beide Unternehmen mit. Um die Partnerschaft zu untermauern, werde sich die VW-Tochter Truck & Bus im Zuge einer Kapitalerhöhung bei Navistar mit 16,6 Prozent beteiligen. Damit investiere VW 256 Millionen Dollar in Navistar. VW habe sich verpflichtet, die Aktien mindestens drei Jahre lang zu halten. Anders als Daimler und Volvo ist Volkswagen mit seinen beiden LKW-Marken MAN und Scania auf diesem wichtigen Markt für Schwerlaster in den USA bisher nicht aktiv.

TRÜBE AUSSICHTEN: Die deutsche Chemiebranche kommt angesichts der schleppenden Weltwirtschaft nicht in Fahrt. Im zweiten Quartal dieses Jahres gingen Produktion, Preise und Umsatz in Deutschlands drittgrösstem Industriezweig zurück, wie der Branchenverband VCI mitteilte. Auch in der zweiten Jahreshälfte dürfte das Chemiegeschäft ohne Dynamik bleiben, erklärte VCI-Präsident Marijn Dekkers. Weder im Inland noch im Ausland seien nachhaltige Wachstumsimpulse erkennbar. Belastend wirkten sich zudem die anhaltende Wachstumsschwäche der Schwellenländer sowie der absehbare Austritt Grossbritanniens aus der EU aus. Für 2016 rechnet der Verband unverändert mit einem Umsatzminus von 1,5 Prozent auf rund 186 Milliarden Euro. Die Produktion soll um 0,5 Prozent zulegen, die Preise werden voraussichtlich um zwei Prozent sinken.

ENBRIDGE KAUFT SPECTRA: Milliardenschwere Übernahme im nordamerikanischen Energiesektor: Kanadas grösster Pipeline-Betreiber Enbridge kauft für 28 Milliarden Dollar den US-Rivalen Spectra Energy und steigt damit zum Branchenprimus in der Region auf. Enbridge hat sein Netzwerk in Nordamerika zuletzt bereits stetig erweitert, um das in Kanada gewonnene Rohöl in die USA zu transportieren. Das Geschäft soll den Angaben vom Dienstag zufolge in Aktien abgewickelt werden. Am Ende sollen Enbridge-Aktionäre 57 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten.

REEDEREI IN DER KRISE: Die südkoreanische Hanjin-Gruppe will der in Existenznot geratenen Reederei-Tochter Hanjin Shipping 100 Milliarden Won (87 Millionen Franken) zur Verfügung stellen. Um den Betrieb der zahlungsunfähigen Container-Reederei aufrechtzuerhalten, will Konzernchef Cho Yang Ho allein 40 Milliarden Won aus seinem Privatvermögen zahlen. Um sich weitere 60 Milliarden Won beschaffen zu können, will der Konzern, zu dem auch die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air gehört, seine Anteile an Hafenterminals im Ausland als Sicherheit anbieten. Die Regierung in Seoul hatte den Konzern zuvor aufgerufen, mehr für die Rettung der weltweit siebtgrössten Linienreederei zu tun.

(AWP)