Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 8. September 2016
08.09.2016 17:20

ZUG UND ZÜRICH SPITZE: Die Kantone Zug und Zürich sind in einer Rangliste der Credit Suisse erneut die attraktivsten Standorte der Schweiz für Unternehmen. Der Zentralschweizer Kanton kann mit seiner steuerlichen Attraktivität sowie mit der Verfügbarkeit von Fachkräften und Hochqualifizierten überdurchschnittlich punkten. Dahinter liegt der Kanton Zürich, der bei der Erreichbarkeit noch attraktiver ist als der Kanton Zug dank der Zentrumslage und der Nähe zum Flughafen. Bei den Fachkräften ist der relativ heterogene Kanton Zürich im Durchschnitt aber weniger attraktiv als der Kanton Zug. Negativ fällt bei Zürich die Besteuerung von Unternehmen ins Gewicht. Hinter Zürich hat sich der Aargau dank einer Steuersenkung für Unternehmen auf Platz drei vorgeschoben und damit Basel-Stadt verdrängt. Am Ende der Rangliste liegen wie im Vorjahr Graubünden und Wallis vor dem Schlusslicht Jura.

SCHWEIZ IST WACHSTUMSSTARK: Die Schweiz gehört beim Anteil wachstumsstarker Unternehmen international zu den führenden Ländern. Auf 100'000 Einwohner kommen hierzulande rund 400 stark wachsende Unternehmen. Das hat eine Ecoplan-Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ergeben. Die Schweiz sei damit ein Standort, der auch im Quervergleich stark von rasch wachsenden jungen und bestehenden Unternehmen geprägt sei, heisst es in der Medienmitteilung des Seco.

BURHALTER BRUMMT: Die Elektroinstallations-Gruppe Burkhalter hat im ersten Halbjahr ihren Gewinn steigern können. Der Umsatz blieb dabei in etwa gleich. Der Zusammenschluss von über 40 Installationsfirmen profitierte von der anhaltend hohen Bautätigkeit. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 16,2 Millionen Franken. Das sind 8,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte um 8 Prozent auf 19,7 Millionen Franken zu. Der Konzernumsatz stagnierte. Er belief sich auf 244,4 Millionen Franken.

OFFENLEGUNG AN DER BÖRSE: Die Offenlegungsstelle der Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange hat 2015 weniger Offenlegungsmeldungen erhalten. Dabei stellte sie auch klar weniger Meldepflichtverletzungen fest. Die Zahl der Offenlegungsmeldungen reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um knapp 8 Prozent auf 1'267, wie die Offenlegungsstelle in ihrem Jahresbericht ausweist. Gleichzeitig ging die Anzahl der Verdachtsfälle von Meldepflichtverletzungen um knapp ein Fünftel auf 70 zurück. Dies sei auf die verstärkte Durchsetzung der Bestimmungen zurückführen, schreibt die Stelle.

BAUSCHWUNG SCHWINDET: 2016 dürfte für den Hochbau in der Schweiz ein Jahr mit angezogener Handbremse werden. Die Konjunkturforscher von Bakbasel erwarten nur ein Wachstum von 0,6 Prozent nach 2 Prozent 2015. Schwungvoller soll es mit einem Wachstum von 1,7 Prozent 2017 weitergehen. Im laufenden Jahr bremsen etliche Faktoren die Baukonjunktur. In vielen Regionen dämpfen die mittlerweile hohen Preise die Wohnungsnachfrage und die Zuwanderung hat nachgelassen. Im Firmenbau bremsen politische Unsicherheiten und die Frankenstärke. Im Infrastrukturbau ist der Boom der Vorjahr vorbei.

ROMANDE ENERGIE ERHOLT: Der Energiekonzern Romande Energie hat im ersten Halbjahr 2016 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Möglich wurde das, weil der Verlust der assoziierten Gesellschaft Alpiq wegfiel. Dieser hatte im Jahr zuvor zu einem deutlichen Minus geführt. Der Reingewinn stieg auf 55 Millionen Franken nach einem Verlust von 53 Millionen im Vorjahr, wie der Konzern mitteilte. Der Anteil am Reingewinn von Alpiq belief sich dabei auf 3 Millionen Franken. Im Vorjahressemester hatte Romande Energie hier einen Verlust von 81 Millionen Franken einstecken müssen. Dieser Verlust war Folge hoher Wertberichtigungen bei Alpiq.

STELLENABBAU IN DER WESTSCHWEIZ: Der Freiburger Fenster- und Storenfabrikant Favorol Papaux konzentriert seine Aktivitäten am Hauptsitz in Treyvaux. Mit der Schliessung der Standorte Crissier VD, Acacias GE und Sitten führt das zum Abbau von 30 Stellen. Favorol Papaux begründet den Schritt mit dem Rückgang der Bestellungen in einem hart umkämpften Markt. Die Gewerkschaft Unia Freiburg bestätigte am Donnerstag eine Meldung der Zeitung "La Liberté". Von 25 Millionen Franken 2015 dürfte der Umsatz im laufenden Jahr auf 24 bis 25 Millionen Franken fallen.

KEINE ZUSÄTZLICHEN MASSNAHMEN: Europas Währungshüter legen vorerst nicht nach - obwohl das viele billige Geld die Teuerung nicht wie gewünscht anschiebt. Das Anleihenkaufprogramm wird entgegen der Erwartung vieler Ökonomen zunächst nicht über März 2017 hinaus verlängert. Auch an der Zinsschraube drehte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner Sitzung in Frankfurt nicht. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Die seit März 2015 laufenden Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren will die EZB zunächst unverändert fortsetzen. 80 Milliarden Euro fliessen derzeit monatlich, insgesamt sollen es 1,74 Billionen Euro werden. Gut eine Billion ist bereits investiert.

FORMEL 1 WIRD AMERIKANISCH: Der US-Medienriese Liberty Media übernimmt die Formel 1. Das Geschäft hat ein Volumen von acht Milliarden Dollar, wie der Konzern des Kabelfernseh-Moguls John Malone mitteilte. Der Brite Bernie Ecclestone bleibt demnach auch nach dem Verkauf Chef der Rennsportserie. Der 85-Jährige führt das Sportunternehmen seit fast 40 Jahren. Inzwischen beträgt der Jahresumsatz rund 1,9 Milliarden Dollar. Liberty Media teilte mit, zunächst einen Anteil in Höhe von 18,7 Prozent vom Formel-1-Hauptgesellschafter CVC zu übernehmen, bevor bis zum ersten Quartal 2017 dann der Rest folgen solle. Der Internationale Automobil-Dachverband FIA muss dem Geschäft noch zustimmen, ebenso wie die europäischen Wettbewerbshüter.

BREXIT BREMST KONJUNKTUR: Die deutsche Wirtschaft schaltet nach Ansicht des DIW-Instituts wegen des Brexit-Votums im nächsten Jahr spürbar einen Gang zurück. Nach einem Anstieg von 1,9 Prozent in diesem Jahr werde das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2017 nur um 1,0 Prozent zulegen, teilten die Forscher und Regierungsberater mit. 2018 dürfte es mit 1,6 Prozent wieder stärker bergauf gehen. Die Wirtschaft werde wohl im kommenden Jahr einen deutlichen Dämpfer erhalten. So bremse das Brexit-Votum das Wachstum 2017 in Deutschland um 0,3 Prozentpunkte, die geringere Anzahl von Arbeitstagen dämpfe das BIP um 0,4 Prozentpunkte. Bisher hatten die Ökonomen das Wachstum in diesem Jahr mit 1,7 Prozent veranschlagt und im nächsten Jahr mit 1,4 Prozent. Das

DUBLIN GEGEN BRÜSSEL: Das irische Parlament unterstützt rechtliche Schritte der Regierung gegen die Entscheidung der EU-Kommission zum Steuerdeal des Landes mit Apple. Das entschieden die Abgeordneten in Dublin nach einer zehnstündigen Debatte mit 93 zu 36 Stimmen. Die EU-Kommission hatte Ende August angeordnet, dass Apple 13 Milliarden Euro an Steuern in dem Land nachzahlen muss. Die irische Regierung hatte Widerspruch gegen die Entscheidung aus Brüssel angekündigt. Mit der Abstimmung vom Mittwoch stellte sich nun auch die Mehrheit der Parlamentarier hinter die Regierung von Ministerpräsident Enda Kenny. Der zeigte sich erneut unbeeindruckt von der Entscheidung der EU-Kommission. Die sei "so grundlegend falsch und schädlich, dass es einer unmittelbaren, klaren und deutlichen Reaktion bedürfe", zitierte ihn die "Irish Times".

UMSTRITTENE ÖLFÖRDERUNG: Nach jahrelangen Querelen hat Ecuador mit der Erdölförderung in einem geschützten Gebiet im Yasuní-Nationalpark begonnen. Vize-Präsident Jorge Glas sprach von einer "neuen Ära, einem neuen Ölhorizont" für alle Ecuadorianer, als der Staatskonzern Petroamazonas mit der Förderung begann. Die gewonnene tägliche Menge an Rohöl liege derzeit bei 23'000 Barrel, bis 2022 sollen es 300'000 Barrel sein. Die Ölförderung in dem Nationalpark ist äusserst umstritten. Im Yasuní-Gebiet liegt das Ölfeld ITT, das ausserhalb der geschützten Areale bereits ausgebeutet wird. Dort sollen mehr als 40 Prozent der Rohölreserven Ecuadors liegen. Das Gebiet in der Amazonas-Region gilt aber als eines der artenreichsten der Erde. Um das Ökosystem zu schützen, erklärte die UNO den Nationalpark 1989 zum Biosphärenreservat. In dem Park wohnen auch mehrere Ureinwohner-Stämme.

JAPAN WÄCHST: Die japanische Wirtschaft ist im ersten Quartal des laufenden Fiskaljahres etwas stärker gewachsen als gedacht. Nach revidierten Berechnungen der Regierung legte das Bruttoinlandsprodukt der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt zwischen April und Juni um eine hochgerechnete Jahresrate von 0,7 Prozent zu. Zunächst hatten die amtlichen Statistiker ein Wachstum von 0,2 Prozent errechnet. Die Unternehmensinvestitionen seien nicht um 0,4 Prozent gesunken, sondern nur um 0,1 Prozent. Die privaten Konsumausgaben, die in Japan zu 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, waren um unverändert 0,2 Prozent gestiegen.

MEHR IMPORTE: China hat im August überraschend erstmals seit fast zwei Jahren wieder mehr Waren importiert. Zugleich gingen die Exporte gemäss offiziellen Zahlen nicht so stark zurück wie erwartet. Sie fielen auf das Jahr gesehen um 2,8 Prozent. Experten hatten einen Rückgang um vier Prozent erwartet - und bei den Importen ein Minus von 4,9 Prozent. Stattdessen aber stiegen diese um 1,5 Prozent. Die Daten deuten auf eine Erholung der Nachfrage im In- und Ausland und ein Aufhellung der Konjunkturaussichten für die nach den USA zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt. China wächst zwar noch immer schneller als die meisten anderen Länder der Welt. Mit 6,7 Prozent lag das Wirtschaftswachstum der zweitgrössten Volkswirtschaft im ersten Halbjahr jedoch so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

GNADENFRIST FÜR REEDEREI: Nach der Pleite von Hanjin Shipping hat ein Gericht in den USA den Weg für die Entladung einiger der festsitzenden Schiffe der grössten südkoreanischen Reederei freigemacht. In den USA könne Hanjin die Häfen nutzen, ohne zu fürchten, dass sie festgesetzt werden, teilte eine Firmensprecherin mit. Einen genauen Zeitplan gebe es aber noch nicht. Ein US-Konkursgericht hatte demnach der weltweit siebtgrössten Container-Reederei vorläufigen Gläubigerschutz gewährt. Ein Insolvenzantrag Hanjins in der vergangenen Woche in Südkorea hatte weltweit in der Industrie für Verunsicherung gesorgt, zahlreichen Schiffen wurde der Zugang zu Häfen verweigert.

WEITERER RÜCKRUF: Honda hat in Japan weitere 668'000 Autos zurückgerufen. Sie sind Teil ausgeweiteter Massnahmen aus dem Frühjahr. Ersetzt werden müssen Airbags des krisengeplagten japanischen Anbieters Takata. Betroffen sind nach Honda-Angaben von 2009 bis 2011 produzierte Modelle wie Civic und Accord. Der Fahrzeughersteller aus Japan hat damit insgesamt bereits rund 51 Millionen Airbags zurückrufen müssen. Das ist in etwa die Hälfte im Takata-Skandal.

MARKT NUMMER EINS: Der weltgrösste Automarkt China bleibt einer Studie zufolge auch der grösste Absatzmarkt für Elektrofahrzeuge. In den ersten acht Monaten des Jahres 2016 sind in der Volksrepublik rund 240'000 E-Autos und Kleinbusse verkauft worden. Dies geht aus einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hervor. Damit hat sich die Zahl der Neuzulassungen von Elektroautos in dem Land im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Sie hatten einen Marktanteil von 1,7 Prozent. Bis zum August wurden auch schon mehr E-Autos in China verkauft als im gesamten Jahr 2015 und gut zweieinhalb Mal so viele wie in den USA. In den Vereinigten Staaten kamen 93'440 Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb neu auf die Strasse.

500 MILLIONEN DOWNLOADS: Das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" ist seit dem Start vor rund zwei Monaten über 500 Millionen Mal heruntergeladen worden. Es ist die erste konkrete Zahl zum Ausmass des Erfolgs der App, mit der man virtuelle Monster in realen Umgebungen einfangen kann. Zugleich machte der Chef der Entwicklerfirma Niantic Labs, John Hanke, bei seinem Auftritt auf der Apple-Präsentation am Mittwoch keine Angaben dazu, wie viele Spieler bei "Pokémon Go" aktiv seien. Er sagte lediglich, dass sie 4,6 Milliarden Kilometer mit eingeschalteter App zurückgelegt hätten.

(AWP)