Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 9. September 2016
09.09.2016 17:53

ARBEITSMARKT: Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist im August leicht angestiegen. Bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) waren 142'858 Personen eingeschrieben. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,1 Prozent im Vormonat auf 3,2 Prozent. Überraschend ist das nicht, denn gegen Ende Sommer steigt die Arbeitslosigkeit meistens. Charakteristisch für den Monat August ist auch der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. Sie stieg gegenüber Juli um mehr als ein Fünftel auf 20'640 Jugendliche. Im Vergleich zum Vorjahresmonat blieb die Zahl mit einem Plus von 0,4 Prozent aber fast konstant.

KONSTANZ BEI SWISS: Die Fluggesellschaft Swiss hat im Ferienmonat August mit rund 1,6 Millionen Fluggästen gleich viele Passagiere wie im Vorjahr befördert. Auch die Zahl der Flüge blieb bei Swiss mit 13'285 Bewegungen im Vorjahresvergleich konstant. Das Angebot, gemessen in Sitzkilometern, stieg dagegen um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Auslastung sank als Folge des Kapazitätsausbaus um 3 Prozentpunkte auf 86,8 Prozent. Allerdings stieg die Zahl der verkauften Sitzkilometer um 6 Prozent. Bei der gesamten Lufthansa-Gruppe, zu der die Swiss gehört, nahm die Zahl der Passagier um 1,3 Prozent auf 10,7 Millionen Personen ab. Die angebotenen Sitzkilometer erhöhten sich um 2,1 Prozent auf 27,1 Milliarden. Die Verkäufe gingen allerdings um 1,4 Prozent auf rund 23 Milliarden Sitzkilometer zurück. Die Auslastung der Flugzeuge über den Gesamtkonzern gesehen nahm im August um 3 Prozentpunkte auf 84,7 Prozent ab.

PERSONALAUFBAU: Der Wind hat gedreht: Nachdem im Vorjahr die überwiegende Zahl der befragten Banken mit einem Stellenabbau in den nächsten fünf Jahren gerechnet hatte, erwartet nun ein grosser Teil der Institute eine Zunahme der Arbeitsplätze. Insgesamt rechnen 43 Prozent der befragten 56 Geldhäuser mit einem Personalaufbau, wie aus einer Studie des Arbeitgeberverbandes der Banken in der Schweiz hervorgeht. Das sind beinahe doppelt so viele wie im Vorjahr. Demgegenüber gehen 27 Prozent der Banken von einem Stellenabbau aus. 28 Prozent schätzen, dass es zu keiner Veränderung kommt. Dabei erwarten rund 40 Prozent der Banken eine Erhöhung des Personalbestandes um bis zu 50 Arbeitsplätze. Im Gegenzug rechnen weniger als 20 Prozent der Institute mit einer Reduktion in dieser Grössenordnung.

BERUFSVORSORGE: Lebensversicherer sind immer weniger bereit, Geschäfte der beruflichen Vorsorge zu zeichnen. Das geht aus dem neuesten Bericht der Finanzmarktaufsicht Finma zur zweiten Säule der Altersvorsorge hervor. Demnach stieg das Prämienvolumen der acht von der Finma beaufsichtigten Lebensversicherer im Jahr 2015 mit 0,7 Prozent auf 24,8 Milliarden Franken nur noch sehr geringfügig. Das Wachstum war laut der Aufsichtsbehörde nicht einmal halb so stark wie noch im Vorjahr.

TWINT STARTET: Twint, das mobile Zahlsystem der Schweizer Banken und des Finanzdienstleisters SIX, hat grünes Licht von der Wettbewerbskommission (Weko) erhalten. Damit nimmt die Twint AG ihre Tätigkeit auf und handelt ab sofort Konditionen und Verträge mit dem Handel und den Banken aus. Die Zusammenlegung der heute noch einzeln am Markt auftretenden Systeme Twint und Paymit könne damit planmässig erfolgen, teilten die beiden Unternehmen am Freitag mit. Bis November werden die Funktionen unter dem Namen Twint zusammengelegt. Ab Mitte Januar werden die Nutzer auf das neue Twint-System umgestellt.

UMSTRUKTURIERUNG: Der Detailhandelsriese Coop organisiert zwei seiner Marken neu. Die Bereiche Import Parfumerie und Christ Uhren & Schmuck werden künftig in eigenständigen Organisationen mit separater Geschäftsleitung geführt. Das Unternehmen verspricht sich von der Massnahme, dass Abläufe vereinfacht werden und sich Entscheidungswege verkürzen. Mit der Neuausrichtung erfolgten gleichzeitig einige Führungswechsel.

RÜCKZIEHER DER EU-KOMMISSION: Nach heftiger Kritik von Konsumentenschützern kippt die EU-Kommission ihre Pläne, das Verbot von Roaming-Gebühren auf 90 Tage im Jahr zu beschränken. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat laut der Behörde in Brüssel eine Überarbeitung angeordnet. Eigentlich sollen Roaming-Gebühren in der EU ab Mitte 2017 ganz entfallen; die nun verworfenen Pläne der Kommission sahen aber doch eine zeitliche Einschränkung vor. Diese Pläne waren am Montag bekannt geworden. Die Kommission rechtfertigte sie vor allem damit, dass sie Missbrauch verhindern wolle. Zudem sei die Abschaffung der Roaming-Gebühren vor allem für Reisende gedacht, die überwiegend weniger als 90 Tage im Jahr in der EU unterwegs seien.

BRUCHLANDUNG DES AUSSENHANDELS: Die deutschen Exporte sind im Juli so kräftig eingebrochen wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Die Warenausfuhren fielen laut dem Statistischen Bundesamt um 10,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 96,4 Milliarden Euro. Der Wert der Importe ging im Juli um 6,5 Prozent auf 76,9 Milliarden Euro zurück. "Einen grösseren Rückgang des Aussenhandels gab es zuletzt im Oktober 2009", sagte ein Statistiker der Nachrichtenagentur Reuters. Damals sorgte die Finanzkrise für einen Einbruch des Welthandels. IIm ersten Halbjahr waren die deutschen Exporte leicht gewachsen. Von Januar bis Juni wurden Waren im Wert von 603,2 Milliarden Euro ins Ausland geliefert, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Importe stiegen minimal um 0,2 Prozent auf 472,4 Milliarden Euro.

ZÖGERN SCHADET: Das US-Notenbank-Führungsmitglied Eric Rosengren hat vor den Risiken einer zu zögerlichen Zinspolitik gewarnt. Die amerikanische Wirtschaft könne sogar überhitzen, wenn die Währungshüter zu lange mit einer Anhebung warteten, sagte der Chef des Fed-Ablegers in Boston. Allerdings bleibe die Gefahr einer Konjunkturabkühlung in Übersee eine Sorge. "Wenn wir sicherstellen wollen, dass es bei Vollbeschäftigung bleibt, ist eine schrittweise Straffung der Geldpolitik wohl angebracht", fügte Rosengren hinzu. Er äusserte sich jedoch nicht dazu, ob er noch für dieses Jahr eine Erhöhung erwarte.

ABSATZZAHLEN NICHT VERÖFFENTLICHT: Überraschung zum Start der Vorbestellungen des neuen iPhone 7: Apple hat angekündigt, künftig keine Absatzzahlen vom ersten Verkaufswochenende mehr zu veröffentlichen. Die Zahl habe keine Aussagekraft mehr, weil sie nicht von der Nachfrage, sondern von den verfügbaren Stückzahlen bestimmt werde, "Wir sind an einem Punkt, an dem wir vor der ersten Vorbestellung wissen, dass das iPhone 7 ausverkauft sein wird", erklärte der Konzern. Die Zahlen vom ersten Wochenende galten bisher als erster Indikator für die Verkaufsaussichten der neuen iPhones - schwankten aber auch zum Teil angesichts der Verfügbarkeit in einzelnen Ländern. Die iPhone-Verkäufe gehen in diesem Jahr erstmals seit dem Marktstart 2007 zurück. Im zweiten Quartal etwa gab es einen Absatzrückgang von 15 Prozent auf 40,4 Millionen Geräte. Einige Analysten rechneten für das Startwochenende des diese Woche angekündigten iPhone 7 mit rund zehn Millionen verkauften Geräten.

RÜCKRUFAKTION BEI BMW: BMW ruft in Japan 110'000 Autos wegen möglicher Probleme mit Airbags des japanischen Zulieferers Takata zurück. Betroffen sind 44 Modelle wie der 116i oder der 320i, wie aus einem Dokument des japanischen Verkehrsministeriums vom Freitag hervorgeht. Die Fahrzeuge wurden zwischen 2004 und 2012 hergestellt. Manche Airbags von Takata können bei anhaltend hoher Feuchtigkeit und hohen Lufttemperaturen bei einem Aufprall mit zu viel Kraft explodieren, wodurch Fahrzeuginsassen von Splittern getroffen werden können. Weltweit stehen mindestens 14 Todesfälle und mehr als 150 Verletzte mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata in Verbindung. Die Probleme haben die grösste Rückrufaktion in der Geschichte der Automobilindustrie ausgelöst. Weltweit wurden bereits mehr als 50 Millionen Airbags von Takata zurückgerufen.

RISIKO IN FLUGZEUGEN: Nach der Rückrufaktion für das Samsung-Smartphone Galaxy Note 7 hat die US-Luftverkehrsaufsicht davor gewarnt, das Gerät in Flugzeugen zu nutzen. Passagieren wird dringend davon abgeraten, das Telefon einzuschalten oder zu laden sowie in ihrem Gepäck aufzugeben. Samsung hatte vor einer Woche eine Rückrufaktion für sein neues Vorzeigemodell wegen Brandgefahr gestartet. Der Smartphone-Marktführer räumte ein, dass das Telefon beim Aufladen des Akkus überhitzen könnte. Samsung bestätigte damals 35 Schadensfälle. Das Modell wurde zwei Wochen lang in mehreren Ländern ausgeliefert. Es soll um rund 2,5 Millionen Geräte gehen, die umgetauscht werden müssen. In der Schweiz hätte das neue Smartphone am (heutigen) Freitag in den Handel kommen sollen.

(AWP)