Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 12. September 2016
12.09.2016 17:30

MEHR LEERE WOHNUNGEN: In der Schweiz stehen so viele Wohnungen und Einfamilienhäuser leer wie seit rund 15 Jahren nicht mehr. 56'518 oder 1,30 Prozent aller Wohnungen waren am 1. Juni, dem Stichtag der Leerwohnungszählung des Bundesamts für Statistik, unbesetzt. Dieses Niveau sei zuletzt zur Jahrtausendwende erreicht worden, heisst es in einer Mitteilung des BFS. Im Vergleich zum Vorjahr standen etwas über 5400 Wohnungen mehr leer, was einem Anstieg um 11 Prozent gleichkommt. Die Leerstandsquote ist seit dem Tiefstand von 0,9 Prozent im Jahr 2009 kontinuierlich angestiegen. Insbesondere in den vergangenen drei Jahren beschleunigte sich die Tendenz in Richtung einer immer höheren Ziffer. Die höchste Leerwohnungsziffer war mit 3,63 Prozent im Kanton Appenzell Innerrhoden zu beobachten. Die tiefste meldete der Kanton Zug (0,34 Prozent).

SINKENDE PREISE: Die Postfinance muss in den kommenden zwei Jahren mit geringeren Erträgen von mindestens 3,5 Millionen respektive 4 Millionen Franken rechnen. Der Grund dafür ist eine Preissenkung für Unternehmen bei Transaktionen, die mit der Postfinance Card an elektronischen Terminals durchgeführt werden. Das ist das Ergebnis einer einvernehmlichen Regelung zwischen dem Preisüberwacher und der Postfinance, wie einer gemeinsamen Medienmitteilung zu entnehmen ist. Die Margen der Postfinance beim bargeldlosen Bezahlen mit einer Postfinance Card an EFT/POS-Terminals am Verkaufspunkt seien bisher übermässig hoch gewesen, heisst es darin weiter. Der Preisüberwacher habe diese Transaktionspreise daher in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 im Detail analysiert. Basierend auf diesen Ergebnissen sei nun eine Vereinbarung zur Senkung der Preise auf den 1. Januar 2017 ausgehandelt worden.

WC-MIETSERVICE: Die Industrieholding Looser verstärkt ihre Marktstellung bei den mobilen WC-Anlagen. Sie übernimmt über ihre Tochter Condecta die Nummer 3 im Markt, die WMS WC-Mietservice GmbH. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. WMS Mietservice mit Sitz in Reichenburg SZ beschäftigt rund 25 Mitarbeitende und erwirtschaftete in den letzten Jahren einen Umsatz von rund 3,3 Millionen Franken. Durch die Akquisition baut Condecta die Präsenz in der Zentral- und Ostschweiz aus und rückt näher zum Marktführer ToiToi auf. ToitToi hat einen geschätzten Marktanteil von rund 45 Prozent. Looser vermietet über die Firma Condecta/Mobi-Toil mobile WC-Häuschen und ist bisher die Nummer 2 im Markt. Wie eine Unternehmenssprecherin erklärte, deckt Mobil-Toil damit rund 26 Prozent des Schweizer Marktes ab. Der Marktanteil von WMS liegt gemäss Mitteilung bei rund 14 Prozent.

VERTIEFTE ZUSAMMENARBEIT: Die Schweiz und Singapur wollen verstärkt in der Finanztechnologie (Fintech) zusammenarbeiten. Gespräche zwischen den Aufsichtsbehörden fanden in Bern statt. Eine neue Vereinbarung soll es Fintech-Firmen der beiden Länder ermöglichen, im jeweils anderen Markt zu expandieren. Der Finanzdialog wurde von Botschafter René Weber, Leiter der Abteilung Märkte im Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF), mit Vertretern der Finanzmarktaufsicht (Finma) sowie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geleitet, wie das Eidgenössische Finanzdepartement am Montag mitteilte. Die Delegation aus Singapur wurde angeführt von Jacqueline Loh, von der Finanzaufsichtsbehörde von Singapur (MAS).

GEPLANTER BÖRSENGANG: Das Tessiner Pharma- und Biotechunternehmen Adienne will an die Schweizer Börse, wie Adienne mitteilte. Zum Zeitpunkt und Umfang des Börsengangs werden allerdings noch keine Angaben gemacht. "Ich freue mich sehr, einen Börsengang von Adienne an der SIX Swiss Exchange zu beantragen, mit dem das Unternehmen seine weltweite Präsenz noch ausweiten kann", lässt sich Firmenchef und Verwaltungsratspräsident Antonio Francesco Di Naro in einem Communiqué zitieren. Er plane, weiterhin eine deutliche Mehrheit am Unternehmen zu halten und wolle Adienne in die nächste Etappe der unternehmerischen Entwicklung führen, so der Firmenchef. Den geplanten Börsengang begründet der Manager damit, dass er die Internationalisierung des Unternehmens vorantreiben wolle, etwa durch die Gründung einer Tochterfirma in den USA. Ein weiterer Grund seien die Kosten für die aktuell laufenden Studien.

TAG HEUER ERHÖHT PRODUKTION: Die Uhrenmarke Tag Heuer will ihr erfolgreiches Geschäft mit Smartwatches im kommenden Jahr ausbauen. Der Chef der Uhrendivision des Luxusgüterkonzerns LVMH, Jean-Claude Biver, peilt 2017 eine Produktion von 100'000 Smartwatches an. "Der Image-Effekt ist riesig. Die Marke wurde von einem Tag auf den anderen um 20 Jahre verjüngt", sagt Biver in einem Interview in der Westschweizer Wirtschaftszeitung "L'Agefi. Mit 56'000 Stück war die Produktion der Tag Heuer Connected, die zunächst auf 20'000 Stück veranschlagt worden war, fast dreimal so hoch wie erwartet. Indes ist der Anteil am Gesamtumsatz mit insgesamt 700'000 Uhren noch begrenzt.

STABILISIERUNG DER PREISENTWICKLUNG: Die Swiss Re rechnet mit einer Stabilisierung der seit einiger Zeit unter Druck stehenden Preise für Rückversicherungsdeckung. Das zweite Quartal 2016 habe gezeigt, dass Naturkatastrophen in einer gewissen Häufung auftreten können, teilte Swiss Re anlässlich des Branchentreffens "Les rendez-vous de September" in Monte Carlo mit. Mit Blick auf die seit einigen Jahren rückläufigen Preise dürfte aber die Talsohle der Preisentwicklung im laufenden Versicherungszyklus wohl nicht mehr allzu weit entfernt sein. So erwartet Swiss Re etwa bei der Rückversicherung zu Naturkatastrophen eine Verlangsamung des Preisrückgangs. Nach Geschäftsfeldern betrachtet sei im Property-Geschäft mit stabilen Raten zu rechnen, während der Preisdruck im Haftpflicht-Teil nachlassen werde. In der Haftpflicht-Rückversicherung dürften wohl breit abgestützte Preiserhöhungen möglich sein, da die Reservepolster der Branche an Wert verloren hätten.

MEHRHEITS-ÜBERNAHME: Die Messebetreiberin MCH Group beteiligt sich an der jährlich stattfindenden Messe für moderne und zeitgenössische Kunst in Indien, der India Art Fair. Über ihre Gesellschaft MCH Messe Schweiz (Basel) erwirbt die MCH Group dazu 60,3 Prozent der Aktien der Organisatorin der Art Fair, der Seventh Plane. Zu den finanziellen Details wurden keine Angaben gemacht. Die Gründerin und Direktorin der India Art Fair, Neha Kirpal, bleibt mit 10 Prozent am Unternehmen beteiligt. Weitere 29,7 Prozent hält der Messe- und Eventveranstalter Angus Montgomery Ltd. Indien sei damit der erste Markt, in den die MCH Group im Rahmen ihrer Strategie, ein Portfolio mit führenden regionalen Kunstmessen aufzubauen, eintrete, teilte die Messebetreiberin mit. Die 2008 gegründete India Art Fair ist gemäss Mitteilung die führende Plattform für moderne und zeitgenössische Kunst in Südasien.

HP KAUFT SAMSUNG-DRUCKER: Der Computer-Konzern HP will mit dem Kauf der Drucker-Sparte von Samsung für gut eine Milliarde Dollar das Geschäft mit Kopiergeräten umkrempeln. Durch die Kombination mit Samsungs Technologien komme man in eine bessere Position, um Kopierer durch Multifunktionsdrucker zu ersetzen. Mit dem Drucker-Geschäft von Samsung kämen auch rund 1300 Entwickler und mehr als 6500 Patente aus dem Bereich in den Konzern, erklärte HP. Der südkoreanische Technologie-Konzern werde nach Abschluss des Deals zudem 100 bis 300 Millionen Dollar in HP-Aktien investieren. Die Unternehmen wollen die Transaktion binnen zwölf Monaten in trockene Tücher bringen.

KEIN VERKAUF: Deutsche-Bank-Chef John Cryan will beim Umbau von Deutschlands grösstem Institut an der Vermögensverwaltung festhalten. In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb er, diese sollten sich nicht von Fusions- und Verkaufsspekulationen verunsichern lassen. Dem Gerücht, die Bank könne die Vermögensverwaltung verkaufen, "möchte ich entgegentreten und hier klarstellen: Die Deutsche Asset Management ist und bleibt ein essenzieller Bestandteil unseres Geschäftsmodells."

SAMSUNG-AKTIENKURS TAUCHT: Das Debakel um überhitzte Akkus in Samsungs neuem Vorzeigemodell Galaxy Note 7 belastet nun auch den Aktienkurs des Smartphone-Marktführers. Nach dem Ratschlag des Konzerns, die Geräte sicherheitshalber am besten gar nicht mehr zu benutzen, sackte der Kurs um sieben Prozent ab. Samsung hatte das Smartphone am 2. September zurückgerufen, nachdem die Akkus mehrerer Geräte beim Aufladen explodiert waren. Seither forderten mehrere Fluggesellschaften weltweit ihre Passagiere auf, das Galaxy Note 7 nicht an Bord zu benutzen. Am Freitag warnte auch die US-Konsumentenschutzbehörde CPSC vor der Nutzung des Smartphones. Wegen potenzieller Überhitzung sollten die Kunden das Gerät am besten gar nicht mehr benutzen, riet Samsung am Wochenende.

ÄNDERUNGEN AM AUTOPILOT: Tesla hat rund vier Monate nach dem ersten tödlichen Unfall mit seinem Fahrassistenz-System "Autopilot" eine neue Version der Software mit tiefgreifenden Änderungen angekündigt. Zum einen werde sich die Technik stärker auf Radar statt Kameras verlassen. Zum anderen sollen die Fahrer deutlicher gedrängt werden, die Hände auch bei eingeschaltetem System am Lenkrad zu lassen, erklärte der Elektroauto-Anbieter in einem Blogeintrag. Nach mehrfacher automatischer Aufforderung dazu schaltet sich "Autopilot" ab und kann erst wieder aktiviert werden, wenn das Fahrzeug zwischenzeitlich geparkt wurde. Bei dem Todescrash in Florida im Mai war ein Tesla unter einen Lastwagen-Anhänger gerast, der die Strasse überquerte.

DIABETES-ALLIANZ: Der französische Pharma-Riese Sanofi verbündet sich mit Google im milliardenschweren Markt der Diabetes-Behandlung. Zusammen wollen sie rund 500 Millionen Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen investieren, wie die Google-Biowissenschaftsfirma Verily Life Science und Sanofi mitteilten. Die beiden Unternehmen halten an dem Joint Venture mit dem Namen Onduo je die Hälfte. Onduo soll Lösungen für Diabetes-Patienten entwickeln, die Software und Medizin verbinden sollen. Denkbar sind nach Angaben von Sanofi beispielsweise Geräte, die nach der Messung von Blutzuckerwerten automatisch die passende Menge Insulin verabreichen.

NEUER BRANCHENGIGANT: Auf dem weltweiten Düngemittelmarkt kommt es zu einer Milliardenfusion: Die kanadischen Hersteller Potash und Agrium schliessen sich zu einem neuen Branchengiganten mit einem Börsenwert von rund 36 Milliarden Dollar zusammen. Der neu geschmiedete Konzern käme auf einem Jahresumsatz von knapp 21 Milliarden Dollar sowie annähernd 20'000 Beschäftigte. Potash und Agrium hatten Ende August ihre Fusionsgespräche publik gemacht. Im Agrarmarkt kommt es damit zu einem weiteren Mega-Deal. Dort ist bislang vor allem die Pflanzenschutz- und Saatgutbranche massiv in Bewegung. So will der chinesische Staatskonzern ChemChina den Basler Agrochemiekonzern Syngenta für 43 Milliarden Dollar übernehmen.

(AWP)