Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 13. September 2016
13.09.2016 17:29

OPTIMISTISCHER: Die Schweizer Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr überraschend dynamisch entwickelt. Die Konjunkturforscher der Bakbasel haben daher ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr deutlich erhöht. Neu gehen sie von einem BIP-Wachstum von 1,6 Prozent aus, statt wie bisher von 1,0 Prozent. Im vergangenen Jahr belief sich das Wirtschaftswachstum hierzulande noch auf 0,8 Prozent. Laut der aktuellen Prognose von Bakbasel wird die Schweiz im laufenden Jahr auf einen steileren Wachstumspfad zurückkehren. Gespannt dürfte man daher auf die in einer Woche anstehenden Prognosen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und die Herbstprognosen der anderen Prognoseinstitute sein. Vor allem die Exporte hätten sich im ersten Halbjahr spürbar beschleunigt, schreibt Bakbasel. Der Grund dafür seien vor allem die stark expandierenden Pharmaexporte gewesen. Aber auch in anderen Bereichen habe eine zaghafte Erholung eingesetzt.

GEWINNEINBRUCH: Der Westschweizer Versicherer Vaudoise hat im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch erlitten. Der Nettogewinn sank innert Jahresfrist um rund ein Drittel auf noch 60,2 Millionen Franken. Der Grund dafür ist unter anderem die aussergewöhnlich hohe Schadensbelastung im Monat Juni. Betroffen waren vor allem die Sachhaftpflicht, die Motorfahrzeugversicherung und die Unfallversicherung. Der Schaden-Kosten-Satz (Combined Ratio) verschlechterte sich im Semester von 94,2 auf 99,9 Prozent. Werte von unter 100 Prozent bedeuten, dass das Geschäft versicherungstechnisch profitabel ist. Zudem fiel das Anlageergebnis niedriger aus als im Vorjahr. Im Gesamtjahr rechnet die Vaudoise mit einem guten Ergebnis. Der Gewinn dürfte 2016 jedoch mit Sicherheit unter dem Vorjahresergebnis bleiben. An der Schweizer Börse knickte die Aktie ein.

ZUVERSICHT: Schweizerinnen und Schweizer zeigen sich in Bezug auf ihre finanzielle Situation im Alter optimistisch. Zwei Drittel gehen davon aus, dass sie sich nach der Pensionierung nicht einschränken müssen. Das ist das Resultat einer Umfrage der UBS bei 1200 Personen in der ganzen Schweiz. Dabei gibt es jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Landesteilen. So sind die Tessiner und die Westschweiz merklich zuversichtlicher als die Deutschschweizer. Insbesondere im Tessin klaffen jedoch die Zuversicht und die Bemühungen, im Alter tatsächlich über die Mittel zu verfügen, weit auseinander. So sparen in der Südschweiz nur gerade ein Viertel der Befragten. In der übrigen Landesteilen ist der Anteil der Sparer mit rund 45 Prozent markant höher.

STELLENABBAU: Um Kosten zu senken baut das Schweizer Medienunternehmen AZ Medien konzernweit 26 Stellen ab. Sechs Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen wird gekündigt. Der restliche Abbau erfolge im Wesentlichen durch natürliche Fluktuation und freiwillige Pensenreduktion, wie das Unternehmen mitteilte. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der AZ Medien wurden gleichentags informiert. Als Grund für den unter Kostensenkungsmassnahmen laufenden Stellenabbau nennt das Unternehmen die weiterhin angespannte Wirtschaftslage, einen rückläufigen Umsatz und verminderte Werbeeinnahmen.

ARBEITSMARKT: Mehr als neun von zehn Arbeitgebern in der Schweiz rechnen im vierten Quartal 2016 mit keiner Veränderung ihrer Personalbestände. Nach vier eingetrübten Quartalen in Folge sind allerdings die Personalverantwortlichen im Gastgewerbe und im Handel wieder etwas zuversichtlicher. Über die Sommermonate habe der Schweizer Arbeitsmarkt stagniert. Die Arbeitgeber zeigten sich auch im Hinblick auf das kommende Quartal zurückhaltend, heisst es im Arbeitsmarktbarometer des Arbeitsvermittlers Manpower. Die Beschäftigungsaussichten dürften in den kommenden drei Monaten stabil bleiben. 92 Prozent der 750 zwischen dem 20. Juli und dem 2. August 2016 für das Arbeitsmarktbarometer befragten Arbeitgeber rechnen mit keiner Veränderung ihrer Personalbestände. 4 Prozent gehen von einem Anstieg aus und 3 Prozent von einem Rückgang.

AUFSPALTUNG: Der schwedische ABB-Aktionär Cevian fordert die Zerlegung des Elektrokonzerns. "Die Ausgliederung der Netzwerktechnik ist der einzige rationelle und logische Geschäftsentschluss", sagte Cevian-Co-Chef Christer Gardell der Zeitung "Svenska Dagbladet" . Die Aktien der Netzwerktechnik sollten dann in Zürich und Stockholm an die Börse gebracht werden. Der Hedgefonds Cevian ist mit einem Anteil von über fünf Prozent der zweitgrösste Aktionär von ABB nach der schwedischen Investor AB. Cevian argumentiert, das Stromnetzgeschäft und die übrige ABB würden durch die Trennung jeweils profitieren. "Durch eine Abspaltung würde keine der beiden Einheiten ihre Wachstumsperspektiven verlieren. Im Gegenteil: Sie wären von den Nachteilen eines Konglomerats befreit", erklärte ein Cevian-Sprecher. Es könnten sogar Verwaltungskosten gespart werden.

TRENDUMKEHR: Der langjährige Aufwärtstrend bei den Deckungsgraden von Schweizer Pensionskassen ist im vergangenen Jahr gebrochen worden. Die Werte sanken 2015 für den Gesamtmarkt um 1,7 Prozentpunkte auf 104,1 Prozent. Damit gab es gemäss einer Untersuchung der Beratungsfirma Complementa erstmals seit 2011 eine Trendumkehr bei der wichtigen Kennzahl, denn seither gingen die Deckungsgrade von 96,2 Prozent eigentlich nur nach oben. Allerdings sei der Rückgang im vergangenen Jahr von 1,7 Prozentpunkten nicht mit den Einbrüchen während des Platzens der Dotcom-Blase 2001 sowie der Finanzkrise 2008 zu vergleichen. Damals ging es mit den Deckungsgraden von Schweizer Pensionskassen innerhalb kürzester Zeit nämlich um 26,7 Prozentpunkte beziehungsweise 17,4 Prozentpunkte nach unten. Allerdings zeigt eine Simulation per August 2016, dass die Werte bereits wieder um 1,1 Prozentpunkte auf 105,2 Prozent steigen würden.

RÜCKGANG: Tiefere Preise für Mineralölprodukte und pharmazeutische Spezialitäten haben im August die Grosshandelspreise in der Schweiz gedrückt. Die Produzenten- und Importpreise gaben im Vergleich zum Juli um 0,3 Prozent nach. Der Produzenten- und Importpreisindex des Bundesamts für Statistik (BFS) erreichte den Stand von 99,5 Punkten (Basis Dezember 2015=100). Bei den Produzentenpreisen sank das Preisniveau um 0,2 Prozent. Neben Mineralölprodukten und pharmazeutischen Spezialitäten verbilligten sich Fleisch, Schrott und ätherische Öle. Steigende Preise gab es hingegen bei pharmazeutischen Grundstoffen, Anstrichmitteln, Druckfarben und Kitten, wie das BFS mitteilte.

AUFSCHWUNG: Die anziehende Konjunktur treibt die Beschäftigung in der Euro-Zone auf das höchste Niveau seit Ende 2008. Zwischen April und Juni hatten laut der Statistikbehörde Eurostat 153,3 Millionen Menschen eine Stelle. Dies war ein Plus um 0,4 Prozent im Vergleich zum Jahresanfang. Die steigende Erwerbstätigkeit dürfte dabei helfen, dass der Währungsraum die Unsicherheit nach dem britischen Anti-EU-Votum besser wegsteckt. Europa-Chefökonom Howard Archer vom Finanzdienstleister IHS geht davon aus, dass solides Wachstum bei der Beschäftigung und die sehr niedrige Inflation die Kaufkraft der Konsumenten stützen wird. "Dies schürt Hoffnungen, dass die Konsumenten in den kommenden Monaten spürbar zum Wachstum in der Euro-Zone beitragen." Die Wirtschaft in den 19 Euro-Ländern hatte im abgelaufenen Quartal um 0,3 Prozent zugelegt.

KORREKTUR: Wegen der wirtschaftlichen Stagnation muss Italien seine Wachstumsprognose nach unten korrigieren. Die Regierung erwartet im kommenden Jahr nur noch ein Wachstum von 1,2 Prozent statt wie bis anhin 1,4 Prozent. "Die italienische Wirtschaft wächst zwar, allerdings nicht so wie wir es gern hätten. Die Wachstumsprognosen werden nach unten revidiert werden", sagte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoanin Mailand. Premier Matteo Renzi bestätigte am Dienstag, dass Italiens Wirtschaft langsamer wachse, als die Regierung gehofft hatte. "2012 hatten wir ein Minus von 2,3 Prozent und 2013 von 1,9 Prozent. Jetzt wächst Italiens Wirtschaft wieder, aber das Wachstum liegt noch unter unseren Erwartungen. Daher müssen wir mehr tun und verstärkt auf Innovation und Forschung setzen", erklärte Renzi.

STREIT: In Frankreich ist ein offener Streit über den geplanten Stellenabbau in einem Werk des Siemens -Rivalen Alstom entbrannt. Die Alstom-Führung sollte jede Idee zu einer teilweisen Schliessung des Standorts Belfort vergessen, sagte Ministerpräsident Manuel Valls. Auch Präsident François Hollande betonte auf einer Rumänien-Reise: "Es wird alles getan werden, dass Belfort erhalten bleibt und das bedeutet für die nächsten Jahre." In einer Mitteilung an die Belegschaft hatte Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge zuvor das geplante Aus für die Zugproduktion in dem Werk verteidigt. Damit würden Jobs an anderen Standorten gesichert. Der Hersteller des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV hatte vergangene Woche angekündigt, wegen ausbleibender Bestellungen bis zum Jahr 2018 die Zugproduktion in Belfort auslaufen zu lassen. Den 400 betroffenen Arbeitern an der unweit der Schweizer Grenze liegenden Produktionsstätte soll an anderen Standorten eine Stelle angeboten werden.

STEIGERUNG: Der schwedische Möbelriese Ikea hat im Geschäftsjahr 2016 (per Ende August) weltweit fast 8 Prozent mehr Waren verkauft. In der Schweiz legte der Umsatz mit gut 3 Prozent auf 1,06 Milliarden Franken deutlich weniger stark zu. Ikea-Schweiz-Chefin Simona Scarpaleggia zeigte sich in einer Medienmitteilung dennoch erfreut über das Wachstum. Tatsächlich konnte der Möbelriese damit in der Schweiz beim Umsatz deutlich zulegen. Hatte Ikea doch im Geschäftsjahr 2015 hierzulande noch einen Umsatzrückgang um 1,3 Prozent vermelden müssen. Die Investitionen in E-Commerce und in das Kundenerlebnis hätten sich ausgezahlt, heisst es bei Ikea Schweiz zur aktuellen Entwicklung. Ein grosser Teil des Wachstums sei auf den Onlinehandel zurückzuführen. Hier legten die Verkäufe um 47 Prozent zu. Im E-Commerce sieht Ikea Schweiz auch künftig Wachstumschancen.

KLAGE: Aktionäre haben den VW-Grossaktionär Porsche SE wegen des Abgasskandals auf Schadensersatz verklagt. Von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth seien bereits zwölf Klagen eingegangen, erklärte ein Sprecher der Porsche SE. Von der schon mit Klagen gegen VW stark engagierten Kanzlei Tilp seien es bisher drei. Beide hätten für die kommenden Tage weitere Klagen angekündigt. "Wir halten alle Klagen für unbegründet", erklärte der Sprecher weiter. Die Holding Porsche SE habe kein eigenes operatives Geschäft und sei auch grundsätzlich nicht in das operative Geschäft von VW involviert. Die Kläger - Besitzer von Vorzugsaktien der Porsche SE - werfen der Holding vor, sie hätte über die finanziellen Risiken des Dieselskandals vor gut einem Jahr nicht informiert. Deshalb sei ihnen Schaden durch den Kurssturz von Porsche-SE-Aktien entstanden, zu dem es nach Bekanntwerden der Manipulation von Dieselabgaswerten in den USA kam.

ÖLFELD: Trotz sinkender Einnahmen setzt der norwegische Rohstoffkonzern Statoil weiter aufs Öl. Bis zu 60 Milliarden Kronen (7,1 Milliarden Franken) sollen in den Ausbau des Ölfelds "Johan Castberg" in der Barentssee investiert werden. Die endgültige Entscheidung soll 2017 fallen. Das Ölfeld befindet sich im nördlichen Sektor der Barentssee, 240 Kilometer nordwestlich von Hammerfest. Es hat eine Ausdehnung von 130 Quadratkilometern, das Meer ist hier bis zu 405 Meter tief. Die Ölmenge wird auf 450 bis 640 Millionen Barrel geschätzt. Seit dem Fall des Ölpreises hat Statoil wie auch andere Unternehmen der Branche enorme Einnahmeverluste hinnehmen müssen. Im letzten Quartal brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent ein.

ÜBERANGEBOT: Die Ölschwemme auf den Weltmärkten wird sich nach Ansicht der Internationalen Energiebehörde IEA bis weit ins nächste Jahr hinziehen. Dafür sei auch das gedrosselte Wachstum der weltweiten Nachfrage nach dem Rohstoff verantwortlich. Das Angebot dürfte damit weiterhin die Nachfrage übersteigen, zumindest bis in das erste Halbjahr 2017, schrieb die Behörde am Dienstag in ihrem Monatsbericht. Der Bericht belastete den Ölpreis: Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 0,9 Prozent auf 47,39 Dollar je Fass (159 Liter). Der Agenturbericht lässt aufhorchen, da die IEA noch vor wenigen Wochen für die zweiten Jahreshälfte 2016 ein Ende des Überangebots vorausgesagt hatte.

SPARKURS: Die britische Grossbank Barclays hat unter ihrem neuen Chef Jes Staley binnen neun Monaten rund 13'600 Stellen oder jeden zehnten Arbeitsplatz gestrichen. Staley nannte die Zahl auf einer Investorenkonferenz in New York. Er sitzt seit Ende 2015 im Chefsessel der krisengeplagten Bank und hatte bei Amtsantritt deutliche Kostensenkungen angekündigt, um wieder höhere Gewinne zu erwirtschaften. Barclays leidet - wie andere Banken auch - unter schwächelnden Einnahmen im Handelsgeschäft mit Aktien und Anleihen sowie den Auswirkungen der weltweit sehr niedrigen Zinsen.

ATTACKE: Kurz vor der erwarteten Präsentation der Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des Urheberrechts greift die Musikindustrie erneut YouTube an. Laut einer Umfrage nutzten 82 Prozent die Google-Videoplattform wegen der Musik, erklärte der globale Branchenverband IFPI. "Die Studie unterstreicht die dominierende Position von YouTube unter den Musikdiensten", betonte IFPI-Chefin Frances Moore. Die Musikkonzerne und zahlreiche Künstler werfen YouTube vor, mit einem breiten kostenlosen Song-Angebot Musik zu entwerten und gemessen an der Nutzerzahl zu wenig Geld an die Branche zu überweisen. YouTube kontert, man gebe gemäss dem Geschäftsmodell mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen an die Rechteinhaber weiter und gebe ihnen mit Hilfe von Software zum Erkennen geschützter Inhalte genug Kontrolle auch bei von Nutzern hochgeladenen Songs. Die Plattform weigert sich zugleich, Geld für Song-Abrufe ohne begleitende Werbung zu bezahlen.

PLASTIKGELD: Die Briten erhalten eine neue Fünf-Pfund-Note. Sie ist aus Plastik und trägt das Abbild von Ex-Premier Winston Churchill. Die neuen Scheine seien sauberer, sicherer und hätten eine viel längere Lebensdauer als herkömmliche Papierscheine, lobt die Bank of England. "Das dünne, flexible Plastik ist schmutz- und feuchtigkeitsresistent", heisst es auf der Webseite der Zentralbank. Der neue Fünfer, der am Dienstag im Umlauf komme, werde daher mit der Zeit "nicht so schäbig wie Papiernoten". "Wie Churchill wird auch die neue Polymer Note den Test der Zeit bestehen", sagte Notenbankchef Mark Carney.

(AWP)