Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 14. September 2016
14.09.2016 17:40

BAYER KAUFT MONSANTO: Nach monatelangen Verhandlungen übernimmt der Chemiekonzern Bayer den US-Saatguthersteller Monsanto für knapp 66 Milliarden Dollar. Am Mittwoch sei eine bindende Fusionsvereinbarung unterzeichnet worden, erklärte der deutsche Konzern. Demnach zahlt der Chemieriese aus Leverkusen 128 Dollar pro Monsanto-Aktie. Es handelt sich um die bislang teuerste Übernahme durch ein deutsches Unternehmen im Ausland. Den Angaben zufolge beschlossen der Monsanto-Verwaltungsrat sowie Vorstand und Verwaltungsrat von Bayer das Vorhaben einstimmig. Nun müssen noch die Monsanto-Aktionäre zustimmen sowie die zuständigen Kartellbehörden. Der Abschluss des Geschäfts werde für Ende kommenden Jahres erwartet, erklärte Bayer.

LUXUSGÜTER: Auch Anbieter von teuren Uhren und Schmuck spüren die Krise. Die Richemont-Gruppe passt sich darum der gesunkenen Nachfrage an. Läden, die nicht rentieren, werden geschlossen. Von einem Stellenabbau will der Konzern aber absehen. Nach fünf Monaten seines laufenden Geschäftsjahres liegt der Umsatz um 14 Prozent tiefer. Konkrete Zahlen nannte Richemont nicht. Ohne die Rücknahmeaktion von Uhrenmodellen, die von den Händlern nur schleppend verkauft werden, wären die Verkäufe in Lokalwährungen um 10 Prozent zurückgegangen.

DESATRÖSER VW-RÜCKRUF: Die Rückrufaktion für VW-Autos mit der Abgas-Betrugssoftware verläuft in der Schweiz desaströs. Dieser Ansicht ist die Stiftung für Konsumentenschutz. Sie fordert weiterhin eine Pauschalentschädigung und setzt dabei auf eine Stiftung aus den Niederlanden. Die VW-Importeurin Amag bestätigte, dass bisher 16'000 Fahrzeuge mit neuer Software bestückt wurden. Für 46'000 Dieselwagen in der Schweiz gebe es neue Software. Bis alle rund 175'000 Fahrzeuge neu bestückt sind. dürfte es 2017 werden. Anfangs war 2016 vorgesehen.

CLARIANT AUF EINKAUFSTOUR: Der Spezialchmiekonzern Clariant kauft zwei Firmen für Ölfeldchemie in den USA. Das baut seinen Umsatz um etwa 200 Millionen Dollar aus. Alles ist bereits unter Dach und Fach, die Übernahmen erfolgen per 1. Oktober. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Zukäufe von Kel-Tech und X-Chem würden durch Eigenkapital finanziert, teilte Clariant mit. Die beiden Akquisitionen stärkten die laufenden Aktivitäten in Nordamerika und beschleunigten das Wachstum der Clariant-Sparte Oil & Mining Services als führende Anbieterin von Ölfeldchemikalien vor Ort.

MANOR SCHLIESST FILIALE: Die Warenhauskette Manor schliesst Ende Januar 2017 ihre Filiale in Viganello in der Gemeinde Lugano. Davon sind 37 Stellen betroffen. 20 Betroffene fanden Platz in einer anderen Filiale und vier gehen in den vorzeitigen Ruhestand. Der Entscheid sei wegen des seit fünf Jahren rückläufigen Umsatzes an dem Standort getroffen worden, bestätigte Manor Sprecherin Elle Steinbrecher eine Meldung der Tageszeitung "Corriere del Ticino". Zudem laufe der Mietvertrag Ende März 2017 aus.

INVESTIS VERDIENT MEHR: Die seit Ende Juni an der Börse SIX kotierte Immobiliengesellschaft Investis hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr 2016 auf 19,7 Millionen Franken gesteigert. Das sind 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Mieteinnahmen stiegen um 1 Prozent. Der Umsatz belief sich auf 79 Millionen Franken. Das waren 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Walliser Unternehmen mitteilte. Das Betriebsergebnis erreichte 29,7 Millionen Franken, 4,9 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die gehaltenen Immobilien hatten einen Wert von 875 Millionen Franken.

LASTMINUTE.COM MIT GEWINN: Der Online-Reiseanbieter Lastminute.com hat im ersten Halbjahr 2016 weiter die Früchte der teuren Umstrukturierung vom Vorjahr geerntet. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 5 Millionen Euro nach einem Verlust von 4,5 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz legte um 8,2 Prozent auf 133,2 Millionen Euro zu. Zustande gekommen sei das Resultat dank der Synergien aus der Integration von Lastminute.com. Die ehemalige Bravofly Rumbo Gruppe steigerte den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 14,7 Millionen Euro nach 0,8 Millionen in der Vorjahresperiode.

AUFTRAG FÜR STARRAG: Der Werkzeugmaschinenhersteller Starrag hat in den USA einen Grossauftrag an Land gezogen. Der Auftrag hat ein Volumen in zweistelliger Millionenhöhe und kommt von der Orizon Aerostructure, einem spezialisierten Zulieferer der Luftfahrtindustrie. Der Auftrag komme einem "signifikanten Durchbruch" im strategisch bedeutenden Abnehmermarkt Aerospace gleich, teilte Starrag mit. Mit mehreren Werkzeugmaschinen des Typs Ecospeed, welche bei diesem Auftrag zu einem flexiblen Fertigungssystem verbunden seien, werde der Kunde in der Lage sein, anspruchsvolle Flugzeugstrukturteile aus Aluminium deutlich wirtschaftlicher zu fertigen als mit herkömmlichen Technologien. Starrag hatte für das erste Halbjahr 2016 einen Auftragseingang von 231 Millionen Franken und einen Umsatz von 183 Millionen Franken gemeldet.

GESCHÄFTSVERBOT IN FRANKREICH: Der Genfer Bank Reyl droht in Frankreich ein fünfjähriges Geschäftsverbot. Ein solches hat die auf Finanzdelikte spezialisierte französische Staatsanwaltschaft am Mittwoch am Prozess gegen die Bank in Paris gefordert. Ausserdem beantragte sie eine Strafzahlung von 1,875 Millionen Euro wegen Verschleierung von Steuerbetrug. Zudem soll das oberste Management zu bedingten Gefängnisstrafen sowie zu Bussen verurteilt werden, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP bestätigte. Im Prozess geht es um die Rolle der Bank in der Affäre um den ehemaligen französischen Budgetminister Jérôme Cahuzac. Cahuzac hatte der Bank Reyl die Verwaltung eines geheimen Kontos im Ausland anvertraut. Er hatte den Besitz des Kontos 2013 zugegeben, nachdem er zuvor monatelang die Öffentlichkeit belogen hatte.

NEUE PLÄNE DER EU-KOMMISSION: Schnelles Internet für alle EU-Bürger mit mehr Inhalten und einem grösseren Urheberschutz für Künstler, Autoren und Medienhäuser: Das möchte die EU-Kommission mit neuen Vorschlägen erreichen, die sie in einem Telekompaket zusammengeschnürt hat. Am Mittwoch stellte sie ihre Pläne in Strassburg vor. "Es ist an der Zeit, dass wir uns zu einer Digital-Gesellschaft entwickeln und sicherstellen, dass alle Europäer, unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in Städten wohnen, Zugang zu qualitativ hochwertigen Internetverbindungen haben", erklärte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger zu den geplanten Massnahmen. Beim Urheberrecht schlägt die EU-Kommission eine teilweise Abschaffung des sogenannten Geoblockings und die dafür notwendigen rechtlichen Änderungen vor. TV-Inhalte, die im Internet ausgestrahlt werden, sollen so überall in der EU angeschaut werden können.

BRITISCHE BANKER IM BREXIT-BLUES: Banken in Grossbritannien fürchten, dass die Frist zur Umstellung der Geschäftsmodelle auf den "Brexit" zu knapp bemessen ist. Die für die Ausstiegsverhandlungen mit der Europäischen Union vorgesehenen zwei Jahre seien dafür nicht ausreichend. Mehrere Branchenvertreter klagten am Mittwoch vor einem Ausschuss des Oberhauses in London. "Es handelt sich um einen mehrjährigen Prozess, wenn er sicher abgeschlossen und die Finanzstabilität nicht in Gefahr geraten soll", sagte Top-Manager Alex Wilmot-Sitwell von der Bank of America Merrill Lynch Er veranschlage dafür bis zu drei Jahre. Auch Führungskraft Douglas Flint von der Grossbank HSBC stiess ins gleiche Horn: Ein Londoner Geldhaus brauche mehrere Jahre für die riesige Aufgabe, einen Ableger in der EU aus dem Boden zu stampfen.

DUNKLE WOLKEN ÜBER ATHEN: Zwischen Griechenland und seinen Geldgebern droht neuer Streit. Arbeitsminister George Katrougalos sagte Reuters am Mittwoch, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderten Arbeitsmarktreformen könnten so nicht umgesetzt werden. Sie seien ein Eingriff in die Tariffreiheit der Sozialpartner, die es zu bewahren gelte, sagte er. Katrougalos äusserte sich kurz vor Gesprächen mit Vertretern der Geldgeber in Athen. Der IWF hat die Forderung zur Bedingung für seine Beteiligung am dritten Hilfsprogramm gemacht. IWF und EU dringen darauf, dass der als verkrustet geltende Arbeitsmarkt aufgebrochen wird, da er ihnen als Wettbewerbshindernis für das schuldengeplagte Land gilt. Die Euro-Finanzminister haben sich Ende Mai grundsätzlich auf die Auszahlung der Gelder aus dem jüngsten, 86 Milliarden Euro schweren Hilfspaket für Griechenland geeinigt.

AUF WACHSTUMSKURS: Die irische Wirtschaft ist im zweiten Quartal auf Wachstumskurs zurückkehrt. Das Bruttoinlandprodukt legte gemäss dem Statistikamt in Dublin zwischen April und Juni um 0,6 Prozent zum vorangegangenen Quartal zu. Für positive Impulse sorgten vor allem Investitionen und höhere Staatsausgaben. Ein besseres Ergebnis verhinderten dagegen zurückhaltende Konsumenten: Sie steckten 0,5 Prozent weniger in ihren Konsum. Im ersten Quartal hatte es noch einen Rückgang von 2,1 Prozent gegeben. Viele Experten rechnen für 2016 insgesamt mit einem Wachstum um die 4 Prozent. 2015 hatte die irische Wirtschaft um 7,8 Prozent zugelegt.

MISSERFOLG MIT A380: Der Flugzeugbauer Airbus muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Singapore Airlines (SIA) will den im Oktober 2017 auslaufenden Leasingvertrag für seinen ersten Airbus A380 nicht zu verlängern. Über die Verträge der anderen vier A380-Maschinen, die SIA als Erstkunde 2007 übernahm, werde man später entscheiden, sagte ein SIA-Sprecher. Singapore Airlines hat derzeit insgesamt 19 Maschinen des Typs in seiner Flotte. Airbus hatte im Juli die Produktion des Grossraumflugzeugs um mehr als die Hälfte gedrosselt, sich aber optimistisch zu dessen langfristigen Aussichten geäussert. Nach 27 Maschinen im Vorjahr sollen ab 2018 jährlich nur noch 12 Exemplare des Fliegers ausgeliefert werden.

OHNE FAHRER UNTERWEGS: Der US-Fahrdienstvermittler Uber kutschiert seine Passagiere ab sofort auch mit fahrerlosen Autos. Die ersten vier entsprechend ausgerüsteten Wagen vom Typ Ford Fusion wurden in der US-Millionenstadt Pittsburgh in Betrieb genommen. Vorerst begleiten zwei Uber-Techniker jede Fahrt, um sicherzustellen, dass alles glatt läuft. In Pittsburgh sollen die mit Lasertechnik, Sensoren und Kameras ausgestatteten Autos gewöhnliche Kunden transportieren, die per Uber-App eine Fahrt bestellen. Ein Uber-Techniker sitzt auf dem Fahrersitz, so dass er jederzeit die Kontrolle übernehmen kann. Der andere überwacht das Verhalten des Autos. Bald sollen die Passagiere aber allein im Fahrzeug sitzen.

ROBOTER- UND ELEKTROAUTOS: Ford drückt bei der Entwicklung selbstfahrender Autos aufs Tempo - und zielt dabei vor allem auf den boomenden Markt der Fahrdienste. Bereits 2021 soll der erste vollautonome Roboterwagen für den gewerblichen Personentransport am Start sein, kündigte der zweitgrösste US-Autobauer an. Das Fahrzeug solle ohne Lenkrad, Gas- und Bremspedal auskommen und sei speziell für Taxi-Services gedacht. Ford geht davon aus, dass bis zu 20 Prozent der verkauften Neuwagen Ende des nächsten Jahrzehnts selbstfahrende Autos sein werden. Der US-Branchenriese bekräftigte zudem seine Pläne, in grossem Stil in Elektromobilität zu investieren. Ford will bis 2020 insgesamt 13 neue Modelle mit E- und Hybridantrieb auf den Markt bringen - das entspreche fast der Hälfte der Angebotspalette.

BÖSARTIGE ANDROID-APP: IT-Sicherheitsforscher haben eine Schadsoftware für Android-Smartphones in Googles App-Plattform Play Store entdeckt, die sich als Ratgeber für das populäre Spiel "Pokémon Go" tarnt. Die Anwendung "Guide for Pokémon Go" wurde bereits über 500'000 Mal heruntergeladen. Mindestens 6000 erfolgreiche Infektionen seien registriert worden, teilte die IT-Sicherheitsfirma Kaspersky Lab mit. Google habe die App inzwischen aus dem Store entfernt. Den Sicherheitsexperten von Kaspersky zufolge verschafft sich die Späh-Software weitreichenden Zugang zum Betriebssystem, kann Apps herunterladen oder geladene Anwendungen entfernen sowie unerwünschte Werbung anzeigen.

(AWP)