Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 15. September 2016
15.09.2016 17:38

GROSSEINKAUF: Grossübernahme in der Ostschweiz: Der Bauausrüster AFG kauft die Industriegruppe Looser und legt dafür eine halbe Milliarde Franken auf den Tisch. Aus dem Zusammenschluss soll ein führender europäischer Gebäudezulieferer entstehen. Gemeinsam würde das neue Unternehmen mit Namen Arbonia im laufenden Jahr einen Umsatz von 1,3 Mrd. Fr. und einen Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) von etwa 110 Mio. Fr. erzielen. Bis 2018 soll der Umsatz dann auf 1,4 Mrd. Fr. und der EBITDA auf rund 150 Mio. Fr. steigen. Interessant an Looser ist für AFG vor allem das Türengeschäft. Dieses ergänzt das AFG-Türengeschäft. Damit kann das neue Unternehmen Schweizer AFG-Türen in Deutschland verkaufen und umgekehrt deutsche Looser-Türen in der Schweiz. Der Zusammenschluss soll nur 5 bis 10 Stellen kosten. Das ist minimal angesichts eines Personalbestandes von etwa 8000 Leuten.

STELLENABBAU Der Zementkonzern LafargeHolcim vereinfacht seine Konzernstruktur und baut darum bis Ende des nächsten Jahres insgesamt 250 Stellen ab. In der Schweiz gehen damit 130 Stellen verloren. Die Stellen werden am LafargeHolcim-Standort in Holderbank AG abgebaut. Im französischen L'Isle d'Abeau streicht der Konzern 80 Arbeitsplätze. Den Rest des Abbaus verteilt laut sich über weitere Standorte der Konzernfunktionen in anderen Teilen der Welt. LafargeHolcim begründet den Abbau mit einer Anpassung der Unternehmensorganisation, die der Konzern nach dem Abschluss der Integration der früheren zwei Unternehmen vornimmt. Konkret plant der Konzern eine Vereinfachung der Struktur und eine Anpassung der technischen Supportfunktionen für die Ländergesellschaften.

GELDPOLITIK: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt keinerlei Änderungen an ihrer Geldpolitik vor: Das Zielband für den Leitzins Dreimonats-Libor bleibt unverändert bei -1,25 bis -0,25. Die Negativzinsen auf Giroguthaben betragen weiterhin minus 0,75 Prozent. Damit sind die geldpolitischen Entscheide der Nationalbank gemäss den Erwartungen ausgefallen. Fast ausnahmslos alle Experten sahen die Nationalbank diesmal bei ihrem geldpolitischen Entscheid nicht unter Druck. Die SNB selbst weist in ihrer Lagebeurteilung auf die fast unveränderte Situation am Devisenmarkt und die weiterhin bestehenden Abwärtsrisiken bei der Weltwirtschaft hin. Der Franken bleibt in der Beurteilung der Nationalbank deutlich überbewertet.

STABSÜBERGABE: Auf der Generalversammlung der Schweizerischen Bankiervereinigung hat am Donnerstag Patrick Odier sein Präsidentenamt an den Nachfolger Herbert Scheidt übergeben. Der ehemalige Präsident Odier zog als Fazit seiner Amtszeit, dass der Finanzplatz Schweiz erfolgreich einen Paradigmenwechsel vollzogen habe. Allerdings stünden für die Schweizer Bankenwelt bereits die nächsten Herausforderungen vor der Tür. Odier betonte in einer Rede vor den Medien, dass der Wandel hin zum automatischen Informationsausgleich positiv verlaufen sei und nicht wie vielerorts befürchtet zu einem Abfluss an Kundengeldern in grösserem Stil geführt habe. In nur sieben Jahren habe sich jede Infragestellung des Bankkundengeheimnisses in eine ganz natürliche Annahme des automatischen Informationsaustausches verwandelt, die mit dem neuen Prinzip einer allgemeinen Steuerkonformität einhergeht, sagte Odier. Sein Amtsnachfolger kann sich allerdings trotz Weichenstellung bei der Ausrichtung des Finanzplatzes zur Steuerkonformität nicht ausruhen. So müsse die Branche zahlreiche Herausforderungen wie die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, das Thema Geldwäscherei und eine steigende Regulierung bewältigen. Laut Odier braucht das Land auch dringend einen besseren Marktzugang in die EU.

REISELUST: Trotz Terrorangst bleibt die Reisefreude der Schweizer Bevölkerung ungebrochen und hat gar wieder etwas zugenommen. Im Durchschnitt werden dieses Jahr 2,8 Ausflüge respektive Ferien mit mindestens drei auswärtigen Übernachtungen gemacht. Das sind leicht mehr als im Vorjahr (2,6 Reisen), wie aus einer Umfrage des Reiseversicherers Allianz Global Assistance hervorgeht. 84 Prozent der gut 1000 befragten Personen unternehmen mindestens einmal pro Jahr eine private Reise mit wenigstens drei auswärtigen Übernachtungen. Im Vorjahr waren es lediglich 81 Prozent gewesen. Nur jeder Zehnte reist gar nicht. Der durchschnittliche Umsatz eines Schweizer Reisebüros sank 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 3,19 Millionen Franken. Die Netto-Rendite schrumpfte von 1,4 auf 1,2 Prozent, wie aus einer separaten Umfrage des Schweizer Reise-Verbandes (SRV) hervorgeht.

6,4 MILLIONEN NÄCHTE: Schweizer Ferienwohnungen und Kollektivunterkünfte haben in der ersten Jahreshälfte 6,4 Millionen Übernachtungen verbucht. Vor allem im ersten Quartal - in der Wintersaison - waren die Unterkünfte gefragt. Im zweiten Quartal wurden noch 1,7 Millionen Logiernächte gezählt. Schweizer Ferienwohnungen haben in der ersten Jahreshälfte 2016 rund 4 Millionen Logiernächte gezählt. Bei fast zwei Dritteln davon übernachteten inländische Gäste in den Wohnungen. Die Kollektivunterkünfte verbuchten 2,3 Millionen Übernachtungen. Dort gingen gar 80 Prozent auf das Konto der Inländer. Das geht aus der Parahotelleriestatistik hervor, die das BFS seit diesem Jahr wieder erstellt, nachdem sie 2003 eingestellt worden ist.

PROTESTAKTION: Die Organisation Public Eye, die besser als "Erklärung von Bern" bekannt ist, hat erneut mit einer Kampagne zugeschlagen. Diesmal trifft es die Schweizer Rohwarenkonzerne. Public Eye prangert in der neuesten Aktion an, dass Schweizer Rohstoffhändler und -produzenten für ihre Geschäfte lasche Standards in Afrika ausnutzten. So verkaufen die betroffenen Firmen, zu denen etwa Vitol, Trafigura oder auch Addax & Oryx gehören, stark schwefelhaltige und somit gesundheitsschädliche Treibstoffe auf dem schwarzen Kontinent. Damit trügen die Schweizer Firmen massgeblich zur rasant steigenden Luftverschmutzung in Afrika bei und gefährdeten die Gesundheit von Millionen von Menschen. Trafigura erklärte diesbezüglich gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass er in zahlreichen Märkten in Afrika tätig sei und die nationalen Vorschriften jeweils genauestens einhalte. Zudem könne ein einzelner Anbieter praktisch kaum von den Marktgegebenheit sowie den vorherrschenden Normen abweichen. Trafigura unterstützt laut einer Sprecherin ausserdem die Bestrebungen der Afrikanischen Raffinerievereinigung (African Refiners Association), den zulässigen Schwefelgehalt in Treibstoffen für afrikanische Märkte zu reduzieren und erachte dies als den geeigneteren Weg, um Abhilfe für das von Public Eye thematisierte Problem zu schaffen.

RÜCKZUG: Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat Anteile am IT-Distributor Also verkauft. Die Beteiligung sank von rund 28 auf knapp 10 Prozent. Schindler will bei Also weiter vollumfänglich aussteigen. Grund für den Rückgang ist der anhaltende Umtausch der durch Schindler emittierten Wandelanleihe in Also-Aktien, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Im Zug der Reduktion werde der Aktionärsbindungsvertrag zwischen Schindler und einer Tochterfirma der Droege International Group (Special Distribution Holding), die 51,3 Prozent an Also besitzt, nun aufgelöst, heisst es weiter. Zuletzt meldete die Gruppe noch einen gemeinsamen Anteil von gut 66 Prozent. Mit der Aufhebung des Aktionärsbindungsvertrag entfielen auch vertraglich vorgesehene Minderheits- und Vertretungsrechte von Schindler.

ABSCHLUSS: Der Hörsystemhersteller Sonova schliesst die angekündigte Übernahme von AudioNova ab. AudioNova werde ab September 2016 in den konsolidierten Abschluss von Sonova einfliessen. Im Geschäftsjahr 2016/17 werde die Akquisition voraussichtlich 210 Millionen Franken bis 220 Millionen Franken zum Umsatz und 25 Millionen Franken bis 30 Millionen Franken zum EBITA (vor Einmalkosten) beitragen. Die Übernahme dürfte in den kommenden zwei bis drei Jahren zu einmaligen Transaktions- und Integrationskosten in der Höhe 30 Millionen Franken bis 35 Millionen Franken führen, von denen die Hälfte im Geschäftsjahr 2016/17 anfallen werde.

VERLUST: Die grösste Bündner Bergbahn, die Weisse Arena in Laax, ist erstmals in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gerutscht. Das Defizit beträgt etwas über eine Million Franken bei einem Gruppenumsatz von 88,8 Mio. Franken. Den Umsatz konnte die Bahn zwar um 1,6 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr steigern. Unter dem Strich schaute aber ein Verlust von 1,1 Millionen Franken heraus. Die Weisse Arena Gruppe hatte sich 1996 aus den Bergbahnen Laax und Flims gebildet.

STILLHALTEN: Als Reaktion auf den Brexit-Schock hält sich die Notenbank in London eine weitere Senkung der Leitzinsen offen. Die Währungshüter beliessen den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bei 0,25 Prozent. Zugleich signalisierte die Bank of England (BoE) in den zeitgleich veröffentlichten Protokollen der Sitzung, dass sie ihn noch dieses Jahr kappen könnte. Die meisten Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses seien bereit, noch 2016 dafür die Hand zu heben. Dies gelte unter der Voraussetzung, dass sich die Konjunkturperspektiven eintrübten.

OPTIMISMISTICH: Bayer-Chef Werner Baumann ist Befürchtungen entgegengetreten, die lukrative Pharmasparte des Konzerns könne unter der fast 60 Milliarden Euro teuren Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto leiden. Die Pharmasparte "hat alles, was es braucht, um in den nächsten Jahren organisch weiterentwickelt zu werden", sagte Baumann dem "Manager Magazin". Ausserdem werde der Konzern die Sparte auch mit kleineren Akquisitionen weiterentwickeln. Die beiden Konzernlenker hatten am Mittwoch die grösste Übernahme verkündet, die ein deutsches Unternehmen je gewagt hat. Bayer will das umstrittene US-Saatgutunternehmen Monsanto kaufen und zahlt dafür inklusive Schuldenübernahme 66 Milliarden US-Dollar.

ZUNAHME: 2017 dürfte die Hälfte der globalen Bevölkerung online sein. Das ist zwar ein Jahr früher als von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) erwartet. Dennoch harzt die Verbreitung der Internetanschlüsse - Menschen in armen Ländern haben oft keinen Internetzugang. Das geht aus einem Bericht der ITU hervor, der in Genf vorgestellt wurde. Das Ziel der UNO-Sonderorganisation, 60 Prozent der Weltbevölkerung ans Internet anzubinden, dürfte erst 2021 erreicht werden. Unter den 48 ärmsten Ländern haben 85 Prozent noch keinen Zugang zum Internet. Vor einem Jahr waren es noch 90 Prozent. Ende 2016 hatten insgesamt 3,9 Milliarden Menschen keinen Internetanschluss, das sind 53 Prozent der Bevölkerung weltweit. Immerhin: 2017 dürfte dieser Anteil auf noch die Hälfte sinken.

VERBESSERUNG: Die Arbeitslosenquote in Griechenland geht zurück. Sie sank im zweiten Quartal auf 23,1 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es noch 24,9 Prozent. 1,11 Millionen Griechen sind allerdings nach wie vor ohne Job - fast drei Viertel davon länger als ein Jahr. Besonders hoch ist die Arbeitslosigkeit zudem weiterhin bei Jugendlichen bis 24 Jahre: Nahezu jeder Zweite findet hier keine Beschäftigung.

SPERRUNG: 40 Prozent der Onlinehändler in der EU benutzen das sogenannte Geoblocking, um den Verkauf ihrer Waren in ein anderes EU-Land über das Internet zu unterbinden. Dabei sind nur elf Prozent der Händler vertraglich dazu verpflichtet, wie die EU-Kommission in Brüssel bekannt gab. Am häufigsten werde der Online-Verkauf von Schuhen, Kleidern und Unterhaltungselektronik durch Geoblocking beschränkt. Bei der Verbreitung digitaler Inhalte wie Filme, Sportereignisse oder Nachrichten ist Geoblocking den Angaben zufolge noch weiter verbreitet. Fast 60 Prozent der Anbieter dieser digitalen Inhalte haben mit den Rechteinhabern Geoblocking vereinbart. Die Inhalte könnten dann meist nur in einem einzigen EU-Land im Internet angeschaut werden.

RETTER: Die italienische Traditionsbank Monte Paschi will mit einem alten Bekannten an der Spitze aus der Krise kommen. Der frühere Finanzchef Marco Morelli soll als neuer Chef bei der ältesten Bank der Welt das Ruder herumreissen, wie das Institut aus der Toskana mitteilte. Der 54-Jährige leitete zuletzt das Italien-Geschäft der Bank of America Merrill Lynch. Bei Monte Paschi - der Nummer drei in Italien - ersetzt er nun Fabrizio Viola, der ins Visier der Justiz geraten ist und das Vertrauen wichtiger Aktionäre verloren hatte. Morelli muss nun rasch den Rettungsplan umsetzen, der unter anderem eine Kapitalerhöhung von bis zu fünf Milliarden Euro vorsieht.

UNINTERESSANT: Die Spekulationen über ein Interesse von Apple an dem Musikstreaming-Dienst Tidal des Rapstars Jay Z haben sich endgültig zerschlagen. "Wir sind nicht auf den Kauf irgendeines Streaming-Dienstes aus", sagte Apple-Manager Jimmy Iovine der Website "Buzzfeed" in einem Interview. "Wir laufen unser eigenes Rennen." Im Sommer hatte unter anderem das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen von Gesprächen zwischen Apple und Tidal berichtet. Jay Z versucht, seinen Streaming-Dienst mit einem Exklusiv-Angebot bekannter Künstler wie seiner Ehefrau Beyoncé attraktiver zu machen und nimmt dafür auch hohe Kosten in Kauf.

EXTRAKOSTEN: Passagiere auf Airberlin-Flügen aus oder in die Schweiz müssen seit Donnerstag all ihre Getränke und Snacks bezahlen. Die angeschlagene Fluggesellschaft streicht die kostenfreie Verpflegung an Bord. Ab Samstag gilt dieses neue Regime auf allen Airberlin-Flügen. Ab dann gelte auf allen Airberlin-Flügen das sogenannte Buy-on-Board-Konzept, sagte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Laut der neuen Menükarte kosten ein Sandwich und ein Softdrink nun sieben Euro.

SUPERREICH: Starinvestor Warren Buffett kommt seine Beteiligung an der von einem Skandal um Scheinkonten erschütterten US-Grossbank Wells Fargo teuer zu stehen. Der Kursrutsch der Aktien liess Buffett im Reichen-Ranking auf den vierten Platz zurückfallen. Amazon-Gründer Jeff Bezos, den das US-Magazin auf 65,8 Milliarden Dollar taxierte, steht nun auf Rang drei. Nach Schätzung von "Forbes" ist Buffetts Vermögen durch den Skandal um mehr als 1,3 Milliarden Dollar auf 65,5 Milliarden Dollar gesunken. An der Spitze der Reichen-Charts steht weiterhin Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen Vermögen "Forbes" zuletzt auf 79,1 Milliarden Dollar schätzte. An zweiter Stelle folgt wie schon im März Zara-Modemagnat Amancio Ortega mit 76,9 Milliarden Dollar.

(AWP)