Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 16. September 2016
16.09.2016 18:40

ABBAU: Der niederländische Konsumgüterkonzern Unilever greift in der Schweiz erneut zum Rotstift. In Schaffhausen werden 100 Arbeitsplätze abgebaut. Betroffen ist die Logistikabteilung, die nach Rotterdam verlegt wird. Der Abbau wird gemäss Unternehmensangaben bis zum nächsten Sommer umgesetzt. Man gehe jetzt in die Einzelgespräche mit den Mitarbeitern, unter denen viele Expats seien, die internationale Arbeitsverträge hätten. Es würden sozialverträgliche Lösungen gesucht. Der Standort Schaffhausen bleibe trotz der Stellenverlagerung mit erhalten. Dort würden künftig 200 Personen beschäftigt. Nicht betroffen ist der Standort in Thayngen SH, von dem aus das Schweizer Geschäft gesteuert wird.

NEUES GRUNDANGEBOT: Nach jahrelanger Kritik will die Kabelnetzbetreiberin UPC weg von den Grundgebühren, die in den Wohnnebenkosten oder Mieten versteckt sind. Dazu lanciert UPC ein neues Grundangebot, das viel höhere Surfgeschwindigkeiten bietet als das bisherige. Für die bisherige Grundgebühr von 33,95 Fr. erhalten die Kunden eine Internetgeschwindigkeit von 2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), einen Festnetzanschluss sowie über 80 TV-Sender. Nun lanciert UPC Ende September ein neues Grundangebot, bei dem die Internetgeschwindigkeit auf mindestens 40 Mbit/s steigt. Dieses kostet 49 Fr. pro Monat. Die gleiche Leistung ist heute allerdings 34 Fr. teurer. Neukunden erhalten nur noch das neue Grundangebot. Bisherige Kunden, die nicht wechseln wollen, müssen beim alten Grundangebot eine Preiserhöhung von knapp 9 Prozent auf 36,90 Fr. pro Monat hinnehmen.

LOGITECH KAUFT ZU: Das Technologieunternehmen Logitech baut sein Portfolio im Bereich der Simulationsprodukte aus. Die Waadtländer Firma kauft dem US-Spielhersteller Mad Catz Interactive die Marke Saitek für 13 Millionen Dollar in bar ab. Gleichzeitig geht auch die Saitek-Produktionslinie Zubehör für Luft- und Raumfahrtsimulationsspiele an Logitech. Der Kauf tritt per Ende des Geschäftsjahres in Kraft.

LANGSAMES WACHSTUM: Marktforscher gehen davon aus, dass sich Computer-Uhren nur langsam einen Platz im Alltag erobern und einfache Fitness-Bänder noch über Jahre ein Wachstumsmarkt bleiben werden. In diesem Jahr werde der Smartwatch-Absatz um 3,9 Prozent auf 21,5 Millionen Geräte ansteigen, prognostizierte die Marktforschungsfirma IDC. Zugleich dürften 80,7 Millionen einfache Bänder verkauft werden, auf denen Apps anderer Entwickler laufen können. Diese Fähigkeit betrachten die Marktforscher als zentrales Unterscheidungsmerkmal einer Smartwatch. Bis 2020 werde dann der Absatz von Computer-Uhren auf gut 76 Millionen Geräte ansteigen und die Verkäufe einfacher Bänder auf rund 148 Millionen wachsen, schätzte IDC.

SEGMENT FÜR CYBERSECURITY: Der bundeseigene Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag will für den rascheren Ausbau des Geschäftsfelds Cybersicherheit ein eigenes Geschäftssegment innerhalb der Rüstungsdivision schaffen. Ab dem 1. Januar 2017 werde eine eigenständige Business Unit "Cyber Security" aufgebaut. Bisher war die Cybersicherheit Teil der Abteilung NEO-Services. Die neue Abteilung leiten wird Dietmar Thelen. Der Diplomingenieur der Elektrotechnik arbeitete zuletzt beim Bodenaufklärungssystem der NATO. Bis zur Schaffung der neuen Sparte ist bei der Ruag noch Diego Schmidlin verantwortlich für die Cybersicherheit. Er übernimmt danach die Rolle eines Senior Managers für Innovation und Technologie im Bereich Cybersicherheit.

MEHR MEDIZINTOURISTEN: Der Medizintourismus hat der Privatspitäler- und Hotelgruppe Aevis Victoria in der ersten Jahreshälfte Schwung verliehen. Der Umsatz zog um 1,2 Prozent auf 293,5 Millionen Franken an, obwohl die Erlöse des Hotel Palace Luzern neu nicht mehr dazu gezählt werden. Für das Plus sorgten vor allem die Privatspitäler: Ihr Umsatz kletterte von 213,7 auf 222,2 Millionen Franken. Die Gruppe profitierte wieder stärker vom Medizintourismus mit Patienten aus dem Nahen Osten. Der Umsatz mit Patienten aus dem Ausland, die sich in den Spitälern von Aevis Victoria behandeln liessen, stieg um 10 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte Aevis Victoria weniger ausländische Patienten anziehen können.

TWINT STARTET 2017: Die mobile Schweizer Bezahllösung Twint geht im Januar an den Start. "Das System wird Ende November fertig sein. Nicht zuletzt auf Wunsch von Händlern wollen wir den Roll-out nicht mitten im Weihnachtsgeschäft machen", sagt Twint-Chef Thierry Kneissler. "Der Plan, Mitte Januar zu beginnen, ist realistisch", sagt Kneissler in einem auf dem Onlineportal der "Finanz und Wirtschaft" veröffentlichten Interview. Vor einer Woche hatte die Wettbewerbskommission (Weko) den Zusammenschluss der mobilen Bezahlsysteme Twint und Paymit genehmigt. Stellen würden wegen der Fusion zwischen Twint und Paymit keine abgebaut, versichert Kneissler.

DROHENDE MILLIARDENSTRAFE: Die Deutsche Bank ist im Streit mit der US-Justiz um krumme Geschäfte vor der Finanzkrise mit einer überraschend hohen Forderung konfrontiert. 14 Milliarden Dollar fordert das Justizministerium. Die Grossbank bestätigte in der Nacht zum Freitag die Summe - will sie aber in der Höhe nicht zahlen. Die Verhandlungen stünden erst am Anfang. Es gehe um die Beilegung zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere zwischen 2005 und 2007. Der Die Nachrichten belasteten auch die Aktien der Schweizer Grossbanken UBS und CS, die zwischen zwei und fünf Prozent nachgaben. Gegen Credit Suisse und UBS laufen in den USA ähnliche Verfahren wie gegen den deutschen Branchenprimus.

ERFOLG MIT DATENWOLKE: Der US-Softwarekonzern Oracle profitiert kräftig vom Ausbau des Cloud-Geschäfts: Die Sparte mit Angeboten von IT-Diensten und Speicherplatz im Internet wuchs im vergangenen Quartal um 59 Prozent. Insbesondere deswegen legte der Reingewinn um 4,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz stieg um 1,7 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar. Allerdings macht dem Konzern die anhaltende Schwäche in seinem traditionellen Geschäft mit Softwarelizenzen zu schaffen. Die Erlöse in diesem Bereich sanken um 10,5 Prozent auf etwa eine Milliarde Dollar. Das Ergebnis blieb deswegen insgesamt knapp hinter den Markterwartungen zurück, ebenso die Prognose für das laufende Quartal. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel 2,7 Prozent.

DEUTSCHE BAHN GIBT AUF: Die Deutsche Bahn zieht sich aus dem deutschen Fernbusgeschäft zurück und überlässt dem Konkurrenten Flixbus den Markt nahezu komplett. Ende 2016 laufe der Betrieb der Marke Berlin Linien Bus (BLB) aus, teilte der deutsche Staatskonzern mit. Damit gibt der letzte grössere Wettbewerber von Flixbus auf. Drei Jahre nach Freigabe des Marktes durch die deutsche Regierung und einer Welle von Neugründungen wird Flixbus nun mehr als 90 Prozent aller Passagiere in dem Bereich befördern. Das dürfte auch die Preise nach oben treiben. Derzeit fährt Flixbus 900 Ziele an, rund 450 davon im deutschsprachigen Raum.

VERBRENNUNGEN UND SCHÄDEN: Mit Samsungs zurückgerufenem Smartphone Galaxy Note 7 hat es deutlich mehr Zwischenfälle gegeben als bisher bekannt geworden war. Allein in den USA wurden Samsung 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet. Insgesamt seien 92 Beschwerden eingegangen, dass sich das Smartphone überhitzt habe, hiess es in der Nacht zum Freitag beim offiziellen Rückruf über die US-Konsumentenschutzbehörde CPSC. Bei Ankündigung der freiwilligen Rückrufaktion wegen Brandgefahr vor rund zwei Wochen hatte Samsung noch von 35 bestätigten Zwischenfällen weltweit gesprochen. In den USA sind rund eine Million Geräte vom offiziellen Rückruf betroffen. Ersatzgeräte sollen dort bis spätestens am 21. September verfügbar sein. In der Schweiz wird das Galaxy Note 7 voraussichtlich ab dem 19. September ersetzt.

(AWP)