Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 20. September 2016
20.09.2016 17:27

KONJUNKTUR-PROGNOSE 1: Die Schweizer Wirtschaft dürfte den Frankenschock weitgehend verdaut haben. Die Konjunkturexperten des Bundes orten inzwischen eine breitere Abstützung des Wachstums auf die Wirtschaftssektoren. Auf die Stimmung und den Konsum drückt allerdings die schlechtere Lage auf dem Arbeitsmarkt. Der Arbeitsmarkt sei bisher noch durch die Nachwirkungen der letztjährigen Konjunkturabschwächung geprägt gewesen, heisst es im Bericht der Expertengruppe des Bundes zu den Konjunkturaussichten. In ihrem Fazit stellen die Experten des Bundes fest, dass sich die Schweizer Konjunktur trotz Risiken auf Erholungskurs befindet. Die Wachstumsprognose für 2016 wurde daher leicht von 1,4 Prozent auf 1,5 Prozent erhöht. Für das kommende Jahr wird wie bisher ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet.

KONJUNKTUR-PROGNOSE 2: Die Schweizer Konjunkturexperten, die im September von der KOF Konjunkturforschungsstelle befragt wurden, haben ihre Wachstumsprognosen für 2016 nach oben revidiert. Sie reagieren damit auf die kürzlich veröffentlichten besseren offiziellen Konjunkturdaten. Für das laufende Jahr gehen die 19 Ökonomen neu von einem Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 1,3 Prozent aus. Im Juni hatten sie noch mit einem Anstieg um 1,1 Prozent gerechnet. Nach unten revidiert wurde hingegen die Prognose für das kommende Jahr von bisher 1,5 auf neu 1,4 Prozent.

MEHR STELLENINSERATE: Die Stellenangebote in der Schweiz sind zwischen Mitte August und Mitte September deutlich gestiegen. Die Zahl der auf den Internetseiten der Unternehmen ausgeschriebenen Stellen wuchs um 7,8 Prozent. Das zeigt der jüngste Swiss Job Index des Personalvermittlers Michael Page. Es handle sich um das stärkste Wachstum seit dem Index-Start im Jahr 2012, heisst es weiter. Auf Jahressicht zeigt sich ein kräftiges Plus von 33 Prozent. Das höchste Wachstum verzeichneten im Berichtsmonat die Ostschweiz (+11 Prozent) sowie die Zentral-, die Nordwestschweiz und das Mittelland (je rund +10 Prozent). Die Genferseeregion (+5,2 Prozent) und Zürich (+4,0 Prozent) hinkten etwas hinterher.

KRÄFTIGES EXPORTWACHSTUM: Schweizer Firmen haben auch im August ihre Verkäufe ins Ausland gesteigert. Die Ausfuhren kletterten wertmässig und arbeitstagbereinigt um 7,0 Prozent, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) mitteilte. Die Menge der Ausfuhren (real) legte um 1,2 Prozent zu. Allerdings wird das Wachstum weiterhin vor allem von den Exporten chemisch-pharmazeutischer Produkte getrieben, während Schweizer Uhren und Maschinen im Ausland derzeit weniger gefragt sind. Auch dank höherer Preise stiegen die Exporte von chemisch-pharmazeutischen Produkten um 25 Prozent. Die Uhrenexporte gingen im Zeitraum um 13 Prozent zurück. Das Minus seit Jahresbeginn beträgt 10,9 Prozent.

SCHWEIZER CHEFS AN SPITZE: Die Löhne der Chefs von Schweizer Grosskonzernen sind die höchsten in Europa. Im Mittel (Median) erhielten die Chefs der sieben untersuchten Schweizer Multis, die in den Eurotop-100-Unternehmen enthalten sind, im vergangenen Jahr 8,77 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg von fast 15 Prozent gegenüber 2014. Hinter den Schweizern zahlten spanische Grosskonzerne am meisten (7,18 Millionen Euro). Darauf folgen die Briten mit 6,78 Millionen Euro vor den Deutschen, die im Median 5 Millionen Euro kassieren. Spitzenverdiener ist Rakesh Kapoor vom britischen Konsumgüterriesen Reckitt Benckiser mit 20,85 Millionen Euro. Auf Platz drei liegt UBS-Konzernchef Sergio Ermotti mit 13,11 Millionen Euro. Der Basler Pharmakonzern Roche hat mit 10,65 Millionen den Lokalrivalen Novartis (10,6 Millionen) überholt und ist auf Platz 5 geklettert.

ENGERE PARTNERSCHAFT: Die Swiss-Mutter Lufthansa und Air China haben eine engere Kooperation vereinbart. Beide Fluggesellschaften werden wichtige Verbindungen zwischen Europa und China künftig gemeinsam anbieten. Dafür unterzeichneten Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der Air-China-Vorsitzende Cai Jianjiang in Peking ein weitreichendes Partnerschaftsabkommen. Das Geschäft solle im Sommer 2017 starten und auch die Lufthansa-Töchter Swiss und Austrian Airlines umfassen. Die Verhandlungen für den Flugpakt hatten sich zwei Jahre lang hingezogen.

WACHSTUM TROTZ STREIT: Die zwei Jahre andauernde Übernahmeschlacht beim Bauchemie- und Klebstoffhersteller Sika war das Top-Thema beim Investorentag. Konzernchef Jan Jenisch betonte gleich zu Beginn, dass die Gruppe trotz des laufenden Streits um die Eigentümerschaft nicht vom Wachstumskurs abkommen werde, auch wenn die Übernahmeschlacht in vielfacher Hinsicht frustrierend sei. Gespräche mit den Franzosen gebe es derzeit keine. Nunmehr müssten die Gerichte entscheiden. Allerdings habe die Transaktion auch positive Seiten. So seien die Sika-Mitarbeiter derzeit extrem motiviert und würden ihr Bestes geben, um zu demonstrieren, wie gut es ohne die Franzosen gehe.

GEGEN TISA: Nichtregierungsorganisationen (NGO) machen erneut Front gegen das internationale Dienstleistungsabkommen (TISA), das zurzeit in Genf ausgehandelt wird. Sie präsentierten neue Dokumente, die zeigen sollen, dass das Abkommen den Handlungsspielraum der Staaten massiv einschränken wird. Insgesamt legte Greenpeace Niederlande 22 Dokumente vor, die teilweise auch schon von Wikileaks veröffentlicht wurden. Sie zeigten, dass TISA die Wirksamkeit von Klimaschutzmassnahmen aber auch die Qualität des Gesundheits- und des Bildungswesen herabsetzen werde, sagte Greenpeace Schweiz Sprecher Matthias Wüthrich an einer Pressekonferenz in Genf.

FRIST VERLÄNGERT: Die EU-Kommission gibt Google im Wettbewerbsverfahren um das Smartphone-Betriebssystem Android erneut mehr Zeit. Google müsse nun bis zum 7. Oktober Stellung zu den Vorwürfen der Brüsseler Behörde beziehen, teilte ein Sprecher mit. Das bei Google entwickelte Android ist das meistgenutzte Betriebssystem für Smartphones. Die europäischen Wettbewerbshüter warfen Google im April vor, mit der Geschäftspolitik bei Android den Wettbewerb im Smartphone-Markt zu behindern.

NEUES GOOGLE-PHONE: Smartphone-Marktführer Samsung droht nach dem Akku-Debakel bei seinem Vorzeige-Modell Galaxy Note 7 neue direkte Konkurrenz durch Google im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Der Internet-Riese will am 4. Oktober eine neues Telefon vorstellen. In einer Video-Ankündigung nimmt die typische Google-Suchmaske die Form eines Smartphones an. Der Konzern brachte in den vergangenen Jahren zu neuen Versionen seines Android-Betriebssystems traditionell auch eigene Smartphones der "Nexus"-Reihe in Zusammenarbeit mit einem Hersteller heraus. Diesmal ist laut Medienberichten offen, ob die Marke "Nexus" bestehen bleibt. Gerüchten zufolge wird das neue Smartphone als "Google Pixel" vermarktet werden.

WENIGER GEWINN: Der Modekonzern Esprit kommt bei seiner Neuausrichtung voran und hat es im Geschäftsjahr 2015/2016 wieder in die schwarzen Zahlen geschafft. Nach einem dicken Minus von 3,7 Milliarden Hongkong-Dollar im Vorjahr stand per Ende Juni ein Gewinn von 21 Millionen Hongkong-Dollar (2,6 Millionen Franken) in den Büchern, wie Esprit mitteilte. Das Unternehmen mit Firmensitz in Deutschland und Börsennotierung in Hongkong profitierte dabei unter anderem von einem Steuerertrag. Operativ blieb das Unternehmen im Minus, konnte den Verlust im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich reduzieren. Der Umsatz sank insbesondere durch den ungünstigen Wechselkurs im Vergleich zum Euro um 8,4 Prozent auf 17,9 Milliarden Hongkong-Dollar.

EINSTIEG INS AUTOGESCHÄFT: Der Chipentwickler ARM, dessen Technologie in fast allen Smartphones und Tablets steckt, will stärker ins Geschäft mit Autos und Robotern vorstossen. Der neue Chip Cortex-R52 sei speziell für Anwendungsfälle mit hohen Anforderungen an Sicherheit und Verlässlichkeit gedacht, etwa in Autoteilen oder Medizin-Robotern, erklärte die britische Firma. Für Sicherheit solle unter anderem sorgen, dass der wichtige Software-Code in abgetrennten Bereichen ausgeführt werde. ARM war jüngst vom japanischen Konzern Softbank übernommen worden, der stark auf Roboter setzt. Softbank-Gründer Masayoshi Son liess sich die ARM-Übernahme 24 Milliarden Pfund (rund 30 Milliarden Franken) kosten.

WENIGER NEUBAUTEN IN USA: Der US-Immobilienmarkt muss einen leichten Dämpfer einstecken. Die Zahl gestarteter Wohnungsbauten sank im August um 5,8 Prozent auf eine Jahresrate von 1,14 Millionen und damit stärker als erwartet, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Die Zahl der Baugenehmigungen fiel leicht um 0,4 Prozent auf 1,14 Millionen. Dennoch sieht Helaba-Expertin Viola Julien den US-Immobilienmarkt weiter in guter Form. "Die nach wie vor günstigen Rahmenbedingungen in Form niedriger Zinsen und einer robusten Lage am Arbeitsmarkt sollten dafür sorgen, dass dieser Trend anhält."

MEHR PLATZ IN TWEETS: Der Kurznachrichtendienst Twitter ermöglicht seinen Nutzern fortan etwas mehr Platz in den Tweets. Anhänge wie Fotos oder Videos würden nicht mehr bei der 140-Zeichen-Obergrenze mitgezählt, twitterte das US-Unternehmen. Im harten Kampf um User will Twitter damit seinen Kunden wohl etwas mehr Spielraum geben. Konzernchef Jack Dorsey hatte unlängst angekündigt, dass er unter anderem stärker auf Videos setzen will, um seinen Dienst aus der Krise zu holen. Denn Twitter kämpft zehn Jahre nach seiner Gründung mit Problemen. Die Zahl der Nutzer steckt bei rund 300 Millionen fest und wächst nur langsam.

NEUE CHEFIN: Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat eine neue Konzernchefin gefunden. Emma Walmsley, die momentan das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Medizinprodukten (Consumer Health) leitet, wurde zur Nachfolgerin für den bisherigen Konzernchef Andrew Witty ernannt. Walmsley soll Anfang kommenden Jahres der Führungsspitze des Unternehmens angehören. Ende März 2017 zieht sich dann Witty aus dem Unternehmen zurück. Witty führte Glaxo seit 2008. Investoren kritisierten das Management zuletzt wegen der vergleichsweise schwachen Aktienkursentwicklung und dürftiger Umsätze in den USA. Zudem habe Glaxo zu wenig vielversprechende Medikamente in der Pipeline.

STAHL-HOCHZEIT: In China haben zwei grosse Stahlkonzerne ihre Fusion zum zweitgrössten Hersteller der Welt nach ArcelorMittal angekündigt. Die Baosteel Gruppe wird neue Aktien an die Anteilseigner der Wuhan Iron and Steel Gruppe ausgeben und den Konzern so schlucken. Das teilten die beiden staatlichen Unternehmen mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Baosteel und Wuhan Iron sind derzeit auf den Plätzen fünf und elf der weltgrössten Stahlhersteller. Zusammen erreichte ihre Kapazität 60,7 Millionen Tonnen Stahl im vergangenen Jahr, wie Zahlen des Weltstahlverbandes zeigen.

MOBILMACHUNG GEGEN UBER: Der schärfste Rivale des umstrittenen Fahrdiensts Uber in Südostasien hat bei Investoren 750 Millionen Dollar eingesammelt. Mit dem Geld solle das Angebot auf dem südostasiatischen Markt ausgebaut werden, teilte der Uber-Konkurrent Grab mit. Zudem werde in mobile Zahlungsdienste investiert. Experten zufolge will sich das vor allem in Indonesien stark aufgestellte Unternehmen damit Luft verschaffen, um sich gegen den Angriff von Uber zu wehren. Auch Uber will in der Region künftig stärker punkten, nachdem der US-Anbieter in China die Segel gestrichen und sein Geschäft an den dortigen Marktführer Didi Chuxing verkauft hat. Damit entwickelt sich der Markt in Südostasien mit seiner jungen, aufstrebenden Mittelschicht zur heiss umkämpften Region für Mitfahrdienste. Erst vor einem Monat hatte der indonesische Anbieter Go-Jek 550 Millionen Dollar Kapital eingesammelt.

(AWP)