Tagesüberblick Wirtschaft

Urdorf ZH (awp/sda) - Freitag, 30. September 2016
30.09.2016 17:23

MEHR FIRMENKONKURSE: In der Schweiz haben die Firmenpleiten im August deutlich zugenommen. Insgesamt gingen 398 Unternehmen Konkurs. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit ist die Zahl der Pleiten seit Anfang Jahr um 5 Prozent auf knapp 3000 gestiegen. Von den Regionen ist das Tessin gegenwärtig das Sorgenkind der Schweizer Wirtschaft. Im Südkanton schnellten die Insolvenzen seit Anfang Januar um 14 Prozent in die Höhe. Gleichzeitig sanken die Gründungen von Firmen ebenfalls um 14 Prozent. Viele Konkurse, wenige Gründungen: Ein Zeichen, dass das Tessin momentan besonders herausgefordert ist. Auch in der Südwestschweiz (GE, VD, VS) kletterte die Zahl der Pleiten um 15 Prozent in Höhe. Auf der anderen Seite nahmen dort aber auch die Firmengründungen um 6 Prozent zu. Ebenfalls mehr Konkurse gab es in der Region Zürich (+7 Prozent) und in der Ostschweiz (+4 Prozent).

AUSSICHTEN AUFGEHELLT: Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft haben sich im September aufgehellt. Nach dem Taucher im Vormonat ist das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich von 99,7 auf 101,3 Punkte gestiegen. Das Barometer liegt nun wieder leicht über dem langfristigen Mittelwert. Damit ist weiterhin ein stabiles Wirtschaftswachstum in Sicht. Die stärksten positiven Impulse kämen vom verarbeitenden Gewerbe und vom Konsum gefolgt von denen aus der Bauwirtschaft. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes habe sich der Ausblick insbesondere in der Holzverarbeitung und in der Spezialindustrie sichtbar verbessert. Schlechter sind die Perspektiven dagegen in der Textilindustrie geworden. Die Aussichten für die Banken und den Tourismus sowie die Beurteilung der internationalen Wirtschaft seien gleich geblieben, hiess es. Negativ wird die Beschäftigungssituation eingeschätzt.

GEWINN GESCHMOLZEN: Der lange Sommer lässt die Gewinne der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz (H&M) schmelzen. Weil viele Kunden wegen des ungewöhnlich warmen Wetters keine Herbst- und Winterkleidung kauften, meldete das Unternehmen enttäuschende Geschäfte. Im Ende August abgelaufenen Geschäftsquartal stieg zwar der Umsatz um 6 Prozent auf 56,8 Milliarden Kronen (6,4 Milliarden Franken). Dagegen schrumpfte der Reingewinn um 9 Prozent auf 4,8 Milliarden Kronen (545 Millionen Franken). Der Rückgang fiel stärker aus als von Analysten erwartet. Grund dafür sind unter anderem höhere Kosten für Einkauf, Transport und Herstellung der Kleidung. In der Schweiz sackte der Umsatz gar um 8 Prozent auf 1,6 Milliarden Kronen (186 Millionen Franken) ab. Hierzulande betreibt H&M 97 Läden. Die Schweiz ist der zehntgrösste Markt für den schwedischen Konzern.

ABWÄRTSSTRUDEL: Die Nervosität über die Stabilität der Deutschen Bank wird immer grösser. Am Freitag fiel der Aktienkurs erstmals unter 10 Euro und damit auf den tiefsten Stand aller Zeiten. Auslöser sind Berichte, wonach Hedgefonds ihre Geschäfte mit der Bank reduziert hätten. Einige Hedgefonds aus den USA haben offenbar Gelder aus der Handelssparte von Deutschlands Branchenprimus abgezogen. Dies sorgte für einen Kurssturz der Aktie, die erstmals in der Geschichte der Deutschen Bank unter die psychologisch wichtige Marke von 10 Euro fiel. Angesichts immer neuer Spekulationen um Kapitallücken und mögliche Staatshilfen haben die Aktien in den vergangenen zwei Wochen ein Viertel an Wert verloren. 2007 war das Papier noch über 100 Euro wert gewesen. Wie ernst die Lage ist, zeigt, dass sich Konzernchef John Cryan zu einem Aufruf an die Mitarbeiter veranlasst sah, trotz der Marktturbulenzen Ruhe zu bewahren.

ARBEITSLOSENQUOTE STABIL: Der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist im Sommer nicht vorangekommen. Die Erwerbslosenquote in den 19 Ländern lag im August bereits den fünften Monat in Folge bei 10,1 Prozent. Auch in der gesamten EU aus 28 Staaten blieb der Wert mit 8,6 Prozent auf dem Vormonatsniveau, wie das europäische Statistikamt mitteilte. Im August waren damit in der EU 21 Millionen Menschen ohne Job, in der Eurozone 16,3 Millionen. Innerhalb der Eurozone kommt Deutschland nach einheitlicher europäischer Rechnung mit 4,2 Prozent auf den niedrigsten Wert, gefolgt von Malta mit 4,8 Prozent. In Griechenland ist die Arbeitslosigkeit mit 23,4 Prozent (im Juni) am höchsten, in Spanien liegt sie bei 19,5 Prozent.

ANZIEHENDE TEUERUNG: Die Inflation im Euroraum zieht wie erwartet an. Im September verteuerten sich Waren und Dienstleistungen zum Vorjahr um 0,4 Prozent und damit doppelt so stark wie im August, wie das Statistikamt Eurostat auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die Teuerung liegt aber immer noch weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Inflation von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht. Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi haben den Leitzins bereits auf null gesetzt und ihr Anleihenkaufprogramm ausgeweitet, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation anzuheizen.

ZURÜCKHALTUNG ÄRGERT IRAN: Rund neun Monate nach dem Inkrafttreten des Atomabkommens zwischen dem Westen und dem Iran kommen aus Teheran heftige Klagen über eine anhaltende westliche Zurückhaltung mit wirtschaftlichem Engagement. Bislang sei keine grosse oder mittelgrosse europäische Bank zu einer Zusammenarbeit bereit, kritisierte der Chef der privaten iranischen Middle East Bank, Parvis Aghili, in Teheran. Hintergrund sind offensichtlich vor allem die weiter bestehenden US-Sanktionen. "Bisher haben nur die kleinen europäischen Banken zugestimmt, mit uns zu arbeiten", sagte Aghili weiter.

KONSOLIDIERUNG BEI AIRBUS: Der Flugzeugkonzern Airbus legt sein Zivilflugzeuggeschäft mit der Holding zusammen. So will Konzernchef Tom Enders den Boeing-Konkurrenten beweglicher machen, Doppelstrukturen abbauen und Kosten senken. Der Umfang des damit verbundenen Stellenabbaus ist noch unklar. "Die Details der Zusammenlegung und damit verbundene Auswirkungen werden nun auf Konzern-, Divisions- und nationaler Ebene mit den Sozialpartnern diskutiert", hiess es. Bis Anfang 2017 soll die Verschmelzung über die Bühne gehen. Von dem Schritt ist vor allem der Hauptstandort Toulouse betroffen. In der "Financial Times" erklärte Konzernchef Tom Enders, der Umfang des Stellenabbaus sei nicht "unsignifikant", aber er sei geringer als bei der letzten Sanierungsrunde, der an die 8000 Arbeitsplätze zum Opfer fielen.

SCHWÄCHERES PREISWACHSTUM: Die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum in der Schweiz steigen durchschnittlich zwar weiterhin - aber nicht mehr so stark. Laut einer Studie der Credit Suisse verteuerte sich Wohneigentum im Sommerquartal gegenüber dem Vorjahresquartal noch um 1,3 Prozent. Damit bleibe das Wachstum deutlich unter dem seit 2000 verzeichneten Mittel von 3,6 Prozent, schreiben die CS-Ökonomen im Immobilienmonitor zum dritten Quartal. Regional zeigten sich grosse Unterschiede. Auch bei den Mietpreisen macht die CS Entspannung aus, wenngleich die Mieten weiterhin steigen. Die Abschlussmieten legten im zweiten Quartal noch um ein halbes Prozent zu, die Bestandesmieten gemäss dem Landeskonsumentenindex um 0,2 Prozent.

ZUVERSICHT BEI CS SCHWEIZ: Thomas Gottstein, Chef des Schweizer Geschäfts der Grossbank Credit Suisse, zeigt sich optimistisch für die Zukunft der CS-Tochter: "Ich bin zuversichtlich, dass sich unsere Investitionen in den Heimmarkt Schweiz lohnen werden." Die Bank wolle, dass die Kunden über die Zeit spürten, dass sie wieder mehr in die Schweiz investiere und die Kundennähe ausbaue, sagte Thomas Gottstein in einem Interview mit den Zeitungen "St. Galler Tagblatt" und "Luzerner Zeitung". Zwar habe die Credit Suisse auch in den vergangenen Jahren in den Heimmarkt investiert, aber nicht so stark, wie man es von einer Credit Suisse hätte erwarten können, sagte Gottstein.

STÄRKERES WACHSTUM: Die britische Wirtschaft hat vor dem Anti-EU-Referendum etwas stärker zugelegt als bisher angenommen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg zwischen April und Juni um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt in London nach neuen Berechnungen mitteilte. Bisher war nur ein Plus von 0,6 gemeldet worden. Das Wachstum im Frühjahr war zwar grösser als das Plus von 0,4 Prozent zum Jahresauftakt. Wegen der Unsicherheit nach dem Brexit-Votum von Ende Juni sind die Perspektiven für die Konjunktur jedoch eher trübe. Die britische Notenbank geht davon aus, dass sich das Wachstum im zu Ende gehenden dritten Quartal auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

VERLUST HALBIERT: Das Genfer Biopharma-Unternehmen Addex Therapeutics hat im ersten Halbjahr seinen Verlust eingedämmt: Das Minus schrumpfte von 2,8 auf 1,5 Millionen Franken. Im Vorjahressemester hatte noch ein Abschreiber von 1,2 Millionen Franken wegen eines Steuerdisputs mit Frankreich ein Loch in die Kasse gerissen. Zudem nahm das Unternehmen mit 283'000 Franken rund dreimal mehr ein als im Vorjahr, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Addex meldet Fortschritte insbesondere bei seinem wichtigsten Produktkandidaten Dipraglurant. Das Medikament soll Bewegungsstörungen behandeln, die als Nebenwirkung der Therapie von Parkinson mit Levodopa auftreten (Levodopa-induzierte Dyskinesie).

AKTIENRÜCKKAUF BEENDET: Der Technologiekonzern ABB hat das im September 2014 angekündigte Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen. Dabei wurden insgesamt 171,34 Millionen Aktien für eine Gesamtsumme von 3,5 Milliarden Dollar erworben. Das entspricht rund 7,4 Prozent des Aktienkapitals.

IN KONSUMLAUNE: Die französischen Konsumenten haben erstmals seit Monaten wieder mehr Geld ausgegeben. Ihre Konsumausgaben stiegen gemäss Statistikamt Insee im August um 0,7 Prozent zum Vormonat. Das ist der erste Anstieg nach zuvor vier Rückgängen in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet. Die Konsumenten gaben vor allem mehr Geld für Autos und Benzin aus. Die Kauflaune der Franzosen wird von der vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit von etwa zehn Prozent gebremst. Das trug dazu bei, dass die nach Deutschland zweitgrösste Volkswirtschaft in der Euro-Zone im zurückliegenden zweiten Quartal stagnierte.

KEINE EILE: Ein Ankauf von Aktien und Unternehmensanleihen könnte nach Ansicht von US-Notenbankchefin Janet Yellen der Wirtschaft im Falle eines Abschwungs helfen. Neue Instrumente für die Zentralbank hätten jedoch keine Eile. Dies sagte die US-Notenbankchefin am Donnerstag bei einer Video-Konferenz in Kansas City. Derzeit sei es der Federal Reserve per Gesetz nicht erlaubt, Firmenbonds zu erwerben. Jedoch könnte der gegenwärtige Instrumentenkasten der Fed bei einem Konjunktureinbruch womöglich nicht ausreichend sein, wenn die Grenzen zum Beispiel beim Ankauf von langfristigen Staatsanleihen erreicht seien.

KEIN AUTOPILOT-FEHLER: Der Autobahnunfall mit einem selbstfahrenden Tesla im Norden Deutschlands hat dem US-Elektroautobauer zufolge nichts mit der Computersteuerung zu tun. Eine Firmensprecherin sagte es habe keinen Fehler bei dem eingeschalteten "Autopilot"-Fahrassistenten gegeben. Die Firmensprecherin berief sich am Donnerstag auf Aussagen des Fahrers. Ursache sei vielmehr gewesen, dass der beteiligte Reisebus plötzlich auf die Fahrbahn des Tesla gewechselt sei und mit dem E-Auto zusammengestossen sei. Der Unfall sei unausweichlich gewesen.Dabei sei der 50-jährige Tesla-Fahrer leicht verletzt worden. Die 29 Insassen des Busses seien mit dem Schrecken davongekommen.

(AWP)