Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 14. Oktober 2016
14.10.2016 17:24

STEIGENDE PREISE: Anziehende Preise für Treibstoff, Heizöl, Erdöl und Erdgas haben im September die Grosshandelspreise in der Schweiz ansteigen lassen. Gegenüber August erhöhten sie sich um 0,3 Prozent. Dabei stiegen die Preise für importierte Güter um 0,6 Prozent. Neben Öl verteuerten sich auch pharmazeutische Spezialitäten, Autos und Bekleidung. Die Preise für Leder, Lederwaren und Schuhe fielen hingegen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Im Inland hergestellte Waren wurden 0,1 Prozent teurer verkauft. Auch hier sorgten höhere Preise für Mineralölprodukte aber auch für Schrott und Rohmilch für einen Anstieg. Schlachtschweine und Schweinefleisch wurden dagegen zu tieferen Preisen abgesetzt. Insgesamt liegen die Grosshandelspreise aber immer noch 0,1 Prozent unter dem Niveau von vor einem Jahr.

AUF EINKAUFSTOUR: Der Berner Energiekonzern BKW stärkt sein Dienstleistungsgeschäft und übernimmt die deutsche IFB Eigenschenk Gruppe. Für die BKW ist es in Deutschland bereits die zweite Übernahme im Ingenieurbereich im laufenden Jahr. Die Eigenschenk Gruppe mit ihren 96 Mitarbeitenden ist auf das Management von Infrastrukturanlagen in den Bereichen Bau, Boden, Wasser und Umwelt spezialisiert. Angaben zum Kaufpreis werden keine gemacht. Angesichts des Preisverfalls an den europäischen Strommärkten will die BKW profitablere Ertragsquellen ausbauen. Sie kauft deshalb seit Monaten im Bereich der Dienstleistungen kräftig zu. Erst im April wurde die deutsche Bauplanungsfirma Lindschulte akquiriert.

WENIG UNTERNEHMERGEIST: Schweizerinnen und Schweizer haben eine positive Einstellung zum Unternehmertum. Geht es aber darum Nägel mit Köpfen zu machen, zögern viele. So haben zwischen 2013 und 2015 nur 7,3 Prozent der Schweizer eine Firma gegründet. Dabei glauben 44 Prozent, dass sie für diesen Schritt eigentlich über genügend Erfahrungen und Kompetenzen verfügen. Zu diesem Resultat kommt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2015/2016. Während in Israel und in Portugal für fast zwei Drittel der 18- bis 64-jährigen eine Unternehmensgründung als Karriereoption in Frage kommt, sind es in der Schweiz nur gerade 40 Prozent. Damit liegt die Schweiz lediglich auf dem 18. Platz von 22 Ländern mit einer innovationsstarken Volkswirtschaft.

MARQUARD KAUFT ZU: Der Verlag von Jürg Marquard expandiert in Ungarn. Die ungarische Oppositionszeitung "Nepszava" soll neu von der Marquard Media Gruppe herausgegeben werden. Die Angestellten bangen um ihren Job. Die Geschäftsführerin von "Nepszava", Elza Laposi, gab den Verkauf gegenüber ungarischen Medien bekannt. Kommende Woche wolle Marquard mitteilen, wie viele der derzeit 50 Mitarbeiter der Zeitung ihre Stelle behalten werden, sagte Laposi. Marquard selbst äusserte sich dazu bislang nicht öffentlich. Jürg Marquard ist bereits seit längerem in Ungarn aktiv, allerdings primär im Lifestyle-Bereich. So verlegt er im Land unter anderem die Zeitschriften "Playboy" und "Runner's World".

DEKOTIERUNG BEWILLIGT: Die Aktien des vom japanischen Elektronikkonzern TDK übernommenen Chipherstellers Micronas werden voraussichtlich am 25. Oktober von der Börse genommen. Der Handel soll bereits am kommenden Donnerstag eingestellt werden, wenn die Fusion mit der Schweizer TDK-Tochter beschlossen ist. Die SIX Exchange Regulation hat der Dekotierung zugestimmt. Die Bewilligung gilt aber nur unter der Bedingung, dass die Aktionäre von Micronas an der ausserordentlichen Generalversammlung die beabsichtigte Fusion mit der Schweizer TDK-Tochter absegnen. Micronas, die Hersteller der Automobilelektronik weltweit zu ihren Kunden zählt, wurde letztes Jahr für 214 Millionen Franken an den japanischen Elektronikkonzern TDK verkauft.

MÖGLICHE GROSSFUSION: Die chinesischen Chemiekonzerne Sinochem und ChemChina sondieren angeblich eine Fusion zu einem neuen Weltmarktführer. Treibende Kraft bei den Plänen in der Chemie-, Düngemittel- und Ölindustrie mit einem Jahresumsatz von fast 100 Milliarden Dollar sei der Staat. Dies sagten drei mit dem Vorhaben vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters. Die Regierung wolle aus den beiden Staatsunternehmen einen Anbieter schaffen, der global konkurrenzfähiger sei. Zudem soll der fusionierte Konzern und Zukäufe wie den derzeit von ChemChina geplanten 43 Milliarden Dollar schweren Deal des Schweizer Agrarchemiekonzerns Syngenta leichter stemmen können. Sprecher der beiden chinesischen Firmen dementierten. Die Syngenta-Aktie büsste in einem festen Umfeld rund 1,6 Prozent an Wert ein.

WALLONEN SAGEN "NON!": Belgien wird dem umstrittenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada (Ceta) wohl nicht zustimmen. Das Parlament von Wallonien im Süden des Landes lehnte Ceta bei einer Abstimmung mit klarer Mehrheit ab. Laut belgischer Verfassung braucht es aber die Zustimmung aller drei Regionen des Landes, damit ein Vertreter der Föderalregierung Ceta unterschreiben darf. "Ich werde der Föderalregierung meine Vollmacht verweigern, und Belgien wird Ceta am 18. Oktober nicht unterzeichnen", sagte der sozialistische Regionalratspräsident Paul Magnette bereits vor der Abstimmung. 46 Abgeordneten stimmten letztlich für den Antrag, seiner Linie zu folgen. 16 Abgeordnete waren dagegen. Nach bisherigem EU-Plan sollen die EU-Handelsminister am nächsten Dienstag auf einem Sonderratstreffen in Luxemburg ihre Einwilligung zu Ceta geben.

STELLENABBAU BEI HP: Der Hardware-Hersteller HP Inc. reagiert mit einem weiteren Stellenabbau auf die Flaute im Geschäft mit Computern und Druckern. In den nächsten drei Jahren sollen 3000 bis 4000 Jobs gestrichen werden.. Die genaue Verteilung der Stellen hänge noch von bevorstehenden Outsourcing-Entscheidungen ab, erklärte ein Sprecher. HP hatte bereits 2015 den Abbau von rund 3000 Arbeitsplätzen angekündigt, der ursprünglich ebenfalls drei Jahre laufen sollte, nun aber zum Abschluss des aktuellen Geschäftsjahres Ende Oktober über die Bühne gehen soll. Zuletzt hatte das Unternehmen etwa 50'000 Mitarbeiter.

100-MILLIARDEN-DOLLAR-FONDS: Saudi-Arabien und der japanische Telekom-Konzern SoftBank verbünden sich für einen riesigen Beteiligungsfonds. Der wichtigste Staatsfonds des Königreichs, der Public Investment Fund (PIF), will in den kommenden fünf Jahren bis zu 45 Milliarden Dollar in den Fonds stecken, der in Technologie-Unternehmen investieren soll. Von SoftBank sollen mindestens 25 Milliarden kommen. Mit Hilfe weiterer Investoren, mit denen bereits gesprochen werde, könne der Fonds bis auf 100 Milliarden Dollar anwachsen, erklärten die beiden Partner. Es wäre einer der grössten Beteiligungsfonds aller Zeiten. Er ist Teil der Anstrengungen des saudischen Königshauses, sich vom Öl unabhängiger zu machen.

GEWINN GESCHRUMPFT: Der Skandal um Phantomkonten bei der US-Grossbank Wells Fargo droht sich auszuweiten. Das Geldhaus kündigte an, nun auch Verkaufspraktiken in den Jahren 2009 und 2010 genau unter die Lupe zu nehmen. Der neue Bankchef Tim Sloan sagte, es sei die vorrangige Aufgabe, das Vertrauen in die Bank wiederherzustellen. Wegen Rückstellungen im Zusammenhang mit den Rechtstreitigkeiten in der Affäre fiel der Gewinn im dritten Quartal um 3,7 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Es war der vierte Rückgang in Folge. Er fiel allerdings geringer aus als von Experten befürchtet. Die Einnahmen stiegen um zwei Prozent auf 22,3 Milliarden Dollar und übertrafen ebenfalls die Erwartungen.

GEWINNWARNUNG VON SAMSUNG: Samsung erwartet infolge des Debakels mit seinem Smartphone Galaxy Note 7 weitere drastische Gewinneinbussen bis Anfang des nächsten Jahres. Samsung hatte bereits am Mittwoch seine Prognose für das operative Ergebnis des dritten Quartals um ein Drittel gekappt. Der Produktionsstopp des Geräts könnte das operative Ergebnis des laufenden vierten Quartals und des ersten Quartals 2017 um etwa 3,5 Billionen Won (3,05 Milliarden Franken) verringern, wie der Smartphone-Marktführer aus Südkorea mitteilte. Der Konzern hatte am Dienstag sein Pannen-Smartphone endgültig vom Markt genommen, nachdem auch vermeintlich sichere modifizierte Geräte in Brand geraten waren.

MEHR UMSATZ: Die Umsätze der US-Einzelhändler sind im September gestiegen. Sie legten um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Handelsministerium in Washingtonmitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit dem Anstieg gerechnet. Im August waren die Erlöse noch um 0,2 Prozent zurückgegangen. Die Daten gelten als gutes Omen für die Konjunktur. Der private Konsum ist das Rückgrat der weltgrössten Volkswirtschaft. Als Umsatztreiber erwies sich im September das Autogeschäft, das um 1,1 Prozent zulegte. Die Online-Händler meldeten ein Plus von 0,3 Prozent. Die Erlöse in Restaurants und Bars erhöhten sich sogar um 0,8 Prozent - das dickste Plus seit Februar.

VON HÖHEREN ZINSEN PROFITIERT: Die US-Grossbank JP Morgan hat ihren Gewinn im dritten Quartal vor Steuern um fast ein Drittel ausgeweitet. Das Ergebnis summierte sich auf 8,94 Milliarden Dollar. JP Morgan profitierte von den etwas höheren Zinsen in den USA sowie Kostensenkungen. Im vorbörslichen Handel an der Wall Street stiegen die Papiere des Instituts daraufhin um 1,65 Prozent. Unter dem Strich ging der Gewinn um knapp acht Prozent auf 6,29 Milliarden Dollar zurück. Allerdings hatte die Bank im Vorjahresquartal von einer milliardenschweren Steuergutschrift profitiert, die nun wegfiel.

ERWARTUNGEN ÜBERTROFFEN: Ein starkes Geschäft im Anleihenhandel hat der US-Grossbank Citigroup das dritte Quartal gerettet. Unter dem Strich verdiente der Finanzkonzern 3,8 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen von Analysten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging der Gewinn jedoch um 11 Prozent zurück. Dies lag vor allem an einem Gewinneinbruch in der konzerneigenen Abwicklungssparte Citi Holdings, in der die Bank ihre Randgeschäfte gebündelt hat. Die Gesamterträge der Citigroup sanken um 5 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar. Als grosse Stütze erwies sich der Handel mit Anleihen, der um 35 Prozent anzog.

FEIER IN TOULOUSE: Mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Start hat der europäische Flugzeugbauer Airbus seine 10'000. Maschine ausgeliefert. Der Grossraumjet des Typs A350 XWB ging an die Fluggesellschaft Singapore Airlines. "Wir sind besonders stolz, diesen Meilenstein mit Singapore Airlines feiern zu können - einem unserer ältesten Kunden und echten Partner", sagte Konzernchef Tom Enders in Toulouse. Airbus kann im Passagierjet-Bereich zwar auf gut gefüllte Auftragsbücher verweisen, ist aber auch mit Problemen konfrontiert. So ist die Nachfrage für das Flaggschiff A380 - den grössten Passagierjet der Welt - verhalten. Und die Rüstungssparte des Airbus-Konzerns ringt weiter mit den Dauer-Problemen beim Militärtransporter A400M.

STREIK DROHT: Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings steuert auf einen Streik der Flugbegleiter zu. Die Kabinenpersonal-Gewerkschaft Ufo habe die Tarifgespräche erneut abgebrochen, sagte Nicoley Baublies, Tarifvorstand bei Ufo. Der Konflikt zwischen Ufo und Eurowings schwelt bereits seit zwei Jahren. Im Kern geht es um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Flugbegleiter. Da man sich nicht einigen konnte, brach Ufo die Verhandlungen Ende September ab und droht seitdem mit Streik. Zwischenzeitlich wurde wieder verhandelt - allerdings ergebnislos. urowings fliegt auch von Zürich aus zahlreiche, hauptsächliche europäische Ferien-Destinationen an.

YAHOO-KAUF AUF PRÜFSTAND: Die Übernahme des angeschlagenen Internetriesen Yahoo durch den US-Telekom-Konzern Verizon droht ins Stocken zu geraten. Laut dem Verizon-Chefjuristen Crais Silliman ist davon auszugehen, dass der Datendiebstahl bei Yahoo die Bedingungen für den Deal verändert. Zwar müsse zunächst der Abschluss von Yahoos interner Untersuchung der Cyber-Attacke abgewartet werden, bei der 2014 über 500 Millionen Nutzerkonten gehackt worden waren. Doch man habe gute Gründe anzunehmen, dass der Datenklau "erhebliche" Auswirkungen habe, sagte Silliman dem "Wall Street Journal".

MARMITE-STREIT BEENDET: Der Preiskampf zwischen der britischen Supermarktkette Tesco und dem Unilever-Konzern unter anderem um den beliebten Hefe-Brotaufstrich Marmite ist beendet. Unilever teilte mit, man sei erfreut, dass "geliebte Marken" wieder voll zur Verfügung stünden. Ein Tesco-Sprecher sagte, der Streit sei "zu unserer Zufriedenheit" beigelegt. Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Zuvor hatten Zeitungen bereits vom "Marmite-Krieg" gesprochen - zeitweise gab es einen landesweiten Aufschrei, als der Aufstrich knapp wurde. Hintergrund des Streits: Wegen der Pfundabwertung infolge des Brexit-Votums verlangte Unilever höhere Preise. Tesco wollte das nicht mitmachen - weshalb sich zeitweise die Regale mit Marmite leerten.

DATENBRILLE AUF DEM MARKT: Sony hat sein Headset für virtuelle Realität Playstation VR weltweit auf den Markt gebracht. Seit Donnerstagabend ist die Brille für Sonys Spielekonsole auch in Europa erhältlich. Sie lässt sich mit allen Playstation-4-Konsolen nutzen, von denen der Konzern bisher rund 40 Millionen Geräte verkauft hat. Zum Start sollen rund 30 Spiele verfügbar sein, bis Ende des Jahres will Sony bis zu 50 Titel veröffentlichen, die die neue Technik unterstützen. In Sonys Brille sehen viele Beobachter einen potenziellen Katalysator für VR-Anwendungen. Mit einem Preis von rund 400 Euro liegt sie deutlich unter dem von Konkurrenzgeräten wie Oculus Rift oder HTC Vive.

(AWP)