Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 28. November 2016
28.11.2016 17:29

HÖHERE KAFFEEPREISE: Der Preis für einen Café Crème ist in der Deutschschweiz in diesem Jahr durchschnittlich um 3 Rappen auf 4.23 Franken gestiegen. Damit legten die Verkaufspreise laut einer Analyse des Branchenverbandes CafetierSuisse analog zum Vorjahr um fast 1 Prozent zu. Rund 20 Prozent der Gastbetriebe erhöhten ihre Kaffeepreise. Die Aufschläge lagen in diesem Jahr zwischen 10 und 20 Rappen. Rund 75 Prozent der befragten Cafés, Cafeterias, Bäckereien und Bistros liessen den Verkaufspreis unverändert. Lediglich rund 5 Prozent der Schweizer Gastronomiebetriebe reduzierten ihre Kaffeepreise. Die Preisabschläge lagen zwischen 10 und 50 Rappen. Für das kommende Jahr geht der Branchenverband von stabilen Kaffeepreisen aus.

MODERATES WACHSTUM: Aufgrund der sich erholenden Exportbranche und stärkerer Binnennachfrage dürfte die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr und im Jahr 2018 moderat um 1,7 Prozent und 1,9 Prozent wachsen. Dies zeigen die Prognosen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD). Weil sich der Franken seit der starken Aufwertung im Jahr 2015 stabilisiert hat, haben die Schweizer Exporte - besonders bei den Chemie- und Pharmaprodukten - wieder zugelegt. Zudem deuten die jüngsten Indikatoren auf eine Erholung der schwachen inländischen Nachfrage hin. Die tiefen Zinsen wirken dabei unterstützend. Die Geldpolitik der Schweizer Nationalbank erachtet die OECD als angemessen.

GELDSORGEN VERBINDEN: Rund ein Viertel der jungen Eltern in der Schweiz halten aufgrund ihrer schlechten finanziellen Lage Beziehungen aufrecht, die sie sonst beenden würden. Zu diesem Schluss kommt die Inkassofirma Intrum Justitia in ihrem neuesten "European Consumer Payment Report 2016". Dass Trennungen mit Kindern ins Geld gehen können, scheint allgemein bekannt zu sein. 25 Prozent der rund 1000 in der Schweiz im September befragten Personen trennen sich daher weniger häufig, sobald sie Geldsorgen haben, obwohl sie nicht mehr verliebt sind. Nichts geändert hat sich daran, dass bei Geldmangel Steuern, Arztrechnungen und Bussgelder am längsten liegen bleiben.

FINANZWORT DES JAHRES: Nach "Nullzinspolitik" und "Frankenschock" hat die fünfköpfige Jury von bekannten Finanzexperten dieses Jahr das Wort "Negativzinsen" zum Schweizer Finanzwort gekürt. Weil Negativzinsen das Grundprinzip der Wirtschaft auf den Kopf stellen und die Schweiz von ihnen stärker betroffen ist als andere Länder, hat sich die fünfköpfige Jury von bekannten Finanzleuten für das Wort "Negativzinsen" entschieden. Dies geht aus einer Medienmitteilung der Migros Bank und finews.ch hervor. Um die von der Finanzkrise gebeutelte Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, haben Nationalbanken weltweit die Zinsen gesenkt - teilweise unter null. Damit bewegen sie sich auf geldpolitischem Neuland.

ZUVERSICHTLICH GESTIMMT: Das designierte neue Management von Meyer Burger zeigt sich zuversichtlich, mit einem dreistufigen Rekapitalisierungsprogramm den angeschlagenen Solarzulieferer wieder auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Details der Kapitalerhöhung werden am 2. Dezember bekannt gegeben. Die Zustimmung der Anleihegläubiger am vergangenen Freitag war der erste von den drei geplanten Schritten zur Rekapitalisierung und der Anteil der Ja-Stimmen von 73 Prozent stimme zuversichtlich, sagte der designierte Meyer Burger-Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel an einer Telefonkonferenz. Auch die Verlängerung der Kreditverträge mit den Banken sei bereits vereinbart. Als letzter Schritt ist die Zustimmung der Aktionäre zur Kapitalerhöhung um 160 Millionen Franken am Freitag, 2. Dezember an der ausserordentlichen Generalversammlung erforderlich.

KEINE KNEBELVERTRÄGE: Vertreter der Onlineplattformen Booking und Expedia wehren sich gegen in letzter Zeit immer wieder geäusserte Vorwürfe, sie würden den Hotels Knebelverträge anbieten. Fast neun von zehn Schweizer Hotels sind bei der Buchungsplattform Booking unter Vertrag. Der Europa-Chef von Booking, Peter Verhoeven, wies in einem Interview der Tageszeitungen "Tages-Anzeiger" und "Der Bund" den Vorwurf zurück, dass man die Hoteliers Knebelverträge unterzeichnen lasse. Booking verlange keine Grundgebühr, keine Eintrittsgebühr, keine minimale Vertragsdauer und die Kommission würden nur fällig, wenn ein Kunde buche und im Hotel auch übernachte, erklärte Verhoeven. Wichtig sei für Booking, dass die gleichen Preise für die Onlineplattform wie auf der Hotelwebsite gelten würden.

UMSATZRÜCKGANG: Der Tiefkühlbackwarenhersteller Aryzta hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 (per Ende Oktober) weniger Produkte verkauft. Der Umsatz sank um 3,3 Prozent auf 962,3 Millionen Euro, wie Aryzta mitteilte. 2,2 Prozent des Umsatzrückgangs gingen dabei auf Devestitionen zurück. Der irisch-schweizerische Konzern verzeichnete allerdings auch beim organischen Wachstum eine Einbusse um 1,2 Prozent. Verantwortlich für den Rückgang war vor allem das Geschäft in Nordamerika. Dort reduzierte sich der Umsatz um 7,5 Prozent auf 462,5 Millionen Euro. In Europa sank der Umsatz leicht um 1,4 Prozent auf 436,3 Millionen Euro. Nur im "Rest der Welt", bei dem es sich allerdings um einen deutlich kleineren Markt handelt, legte Aryzta deutlich zu (+21,1 Prozent auf 63,5 Millionen Euro).

AUSBAU IN DER SCHWEIZ: Die Bank BNP Paribas (Suisse) will ihre Vermögensverwaltung ausbauen. Die Schweizer Tochter der französischen Grossbank hat in den letzten zwei Jahren bereits 30 neue Berater eingestellt, zehn weitere sollen noch folgen. Der Moment sei günstig, um die Investitionen in Genf zu beschleunigen, aber auch in Zürich, Basel und Lugano, sagte Pierre Vrielinck, Chef der Vermögensverwaltung von BNP Paribas Schweiz, im Interview mit der Westschweizer Zeitung "Le Temps".

WECHSEL AN DER SPITZE: Beim Liechtensteiner Baugerätehersteller Hilti kommt es zu einem Wechsel an der Spitze. Verwaltungsratspräsident Pius Baschera gibt sein Amt im nächsten April ab und wird Sprecher des Hilti Familientrusts, der alle Aktien des Konzerns besitzt. Bascheras Nachfolger als Verwaltungsratspräsident von Hilti wird der ehemalige Saurer-Chef Heinrich Fischer. Damit bereitet das Unternehmen die Nachfolge an der Spitze der Hilti-Gruppe und des Familientrusts vor. Der Martin Hilti Familientrust soll den Fortbestand des Konzerns sichern und die grösstmögliche Kontinuität gewährleisten.

KAUFABSICHTEN: Der Industriekonzern Sulzer will den Pumpenhersteller Ensival Moret (EM) für 85 Millionen Franken übernehmen. Entsprechende exklusive Verhandlungen seien am Freitag aufgenommen worden, teilte Sulzer mit. Die Übernahme erlaube es Sulzer, spezifische Lücken in seinem Pumpensortiment zu schliessen. Das Geschäft soll vollständig in die Sulzer-Division Pumps Equipment integriert werden. Die Hauptproduktionsstätten von Ensival Moret (EM) befinden sich im französischen Saint Quentin und im belgischen Thimister. Das Unternehmen, das zur Moret-Industries-Gruppe gehört, hat 2015 einen Umsatz von 123 Millionen Franken erzielt und beschäftigt rund 730 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

FUSION: Die NZZ Fachmedien und der Boll Verlag mit Sitz in Urdorf ZH fusionieren zur NZZ Fachmedien. Damit baue die NZZ Mediengruppe ihren Geschäftsbereich Business-Medien weiter aus, teilte sie mit. Geschäftsführer des fusionierten Unternehmens ist ab 1. Januar 2017 Thomas Walliser, Chef und Inhaber des Boll Verlags. Zu dessen Kernprodukten gehören laut Mitteilung die Design-, Architektur- und Lifestyle-Magazine "Wohnrevue", "Modulor" und "Places". Zum Angebot der NZZ Fachmedien gehören unter anderem die "Textil Revue" und "Pack aktuell", ein Fachmagazin für Verpackungstechnik.

UNTERSTÜTZUNG DER SCHWEIZ: Der Bundesrat hat Alt-Bundesrat Samuel Schmid ernannt, die Schweiz am 29. und 30. November an der internationalen Konferenz "Tunisia 2020" zu vertreten. Die Schweiz unterstützt Tunesien seit 2011 im Rahmen eines Programms zur Transitionshilfe. Im Zentrum steht die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Investitionen in Tunesien. Dies geht aus einer Medienmitteilung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hervor. Im Rahmen der Strategie zur internationalen Zusammenarbeit 2017-2020 für Nordafrika wird Schmid die Unterstützung der Schweiz zusichern.

MEHR KREDITE: Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt langsam auch bei den Firmen im Währungsraum an. Im Oktober vergaben Banken im Euro-Gebiet 2,1 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen als vor Jahresfrist, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Das ist der höchste Anstieg seit Mitte 2011. Im September hatte das Plus bei 2,0 Prozent gelegen. Die Privathaushalte erhielten von den Geldhäusern im Oktober 1,8 Prozent mehr Kredite als ein Jahr zuvor. Die für die Euro-Zone wichtige Geldmenge M3 nahm um 4,4 Prozent zu. Experten hatten mit 5,0 Prozent gerechnet. Die Euro-Wächter halten die Leitzinsen auf einem Rekordtief und fluten seit März 2015 das Bankensystem über den Kauf von Wertpapieren - vor allem Staatsanleihen - mit Geld. Das gesamte Programm ist auf insgesamt 1,74 Billionen Euro angelegt.

REGULIERER ZUVERSICHTLICH: Der transatlantische Streit um schärfere Kapitalvorgaben für Banken dürfte nach Ansicht des Chefs des Basler Ausschusses bis Jahresende beigelegt sein. "Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt; und es ist meine Aufgabe dies sicherzustellen", sagte Schwedens Notenbank-Präsident Stefan Ingves, der dem Basler Ausschuss vorsteht, dem "Handelsblatt". Zuletzt lagen die Vorstellungen der Europäer und der USA zu dem neuen Regelwerk bei zentralen Punkten noch weit auseinander. An diesem Montag und Dienstag findet ein wichtiges Treffen der globalen Bankenregulierer in Santiago de Chile statt. Die in der Branche "Basel IV" genannten neuen Vorschriften könnten erhebliche Folgen für europäische Grossbanken haben. Ein Streitpunkt zwischen den USA und Europa ist der Einsatz von internen Modellen, mit denen viele Grossbanken selbst berechnen, wie viel Eigenkapital sie für Kredite und andere Geschäfte zur Seite legen müssen.

RISIKEN: Die kriselnde italienische Bank Monte dei Paschi di Siena hat auf mögliche Kosten in Milliardenhöhe durch Gerichtsprozesse hingewiesen. Es gehe um eine Summe von mehr als acht Milliarden Euro, teilte das Institut in seinem 146 Seiten umfassenden Börsenprospekt zu einer geplanten Kapitalerhöhung mit. Dort wird auch die Gefahr von Kreditausfällen und einer schwächeren Liquidität erwähnt. Der Aktienkurs sackte am Montag um rund elf Prozent ab. In diesem Jahr hat das Papier damit rund 86 Prozent an Wert eingebüsst.

GUTER START: Österreichische Hotels und Pensionen blicken nicht nur im Sommer auf einen kräftigen Zuwachs bei den Gäste- und Übernachtungszahlen zurück. Sie haben auch einen fulminanten Start in die Wintersaison hingelegt. "Der Buchungsstand liegt derzeit um 3 bis 4 Prozent über dem Vorjahr", erklärte Petra Nocker-Schwarzenbacher, Chefin der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, in Wien. Der frühe Wintereinbruch habe zu der guten Buchungslage beigetragen. Sobald das Wetter stimme, erfolge der digitale Ansturm und es werde gebucht. In der gesamten diesjährigen Wintersaison (November bis April) liege bei den Übernachtungen wahrscheinlich ein Plus von 1 bis 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr drin, schätzt die Hotelfachfrau. In diesem Jahr würden allerdings die Feiertage sehr schlecht fallen und Ostern sei sehr spät.

HACKERANGRIFF: Hinter einer Störung bei der deutschen Telekom mit hunderttausenden betroffenen Festnetzkunden steckt nach jüngsten Erkenntnissen des Unternehmens vermutlich ein Angriff. "Wir gehen davon aus, dass auf die Router von aussen Einfluss genommen wurde", sagte ein Telekom-Sprecher. Das würden Analysen der IT-Sicherheit und der Forensiker bei der Telekom nahelegen. Offenbar sei eine Schadsoftware auf die Geräte aufgespielt worden, die es unmöglich machte, dass sich die Router mit dem Telekom-Netz verbanden. Seit Sonntagnachmittag klagten Kunden über den Ausfall ihrer Anschlüsse für Telefon, Internet und Fernsehen. Laut Telekom waren rund 900'000 Kunden betroffen.

MEHR SCHNÄPPCHENJÄGER: Auf die Schnäppchenjagd rund um den sogenannten "Black Friday" haben sich in den USA diesmal Jahr mehr Kunden begeben als im vergangenen Jahr. Sie gaben aber pro Kopf weniger Geld aus als im Vorjahr, wie der US-Detailhandelsverband NRF mitteilte. Dennoch sei es ein "starkes Wochenende für Detailhändler und ein noch besseres für die Kunden" gewesen, resümierte NRF-Präsident Matthew Shay. Mehr als 154 Millionen Menschen und damit drei Millionen mehr als 2015 liessen sich laut NRF am Wochenende nach dem Erntedankfest Thanksgiving Sonderangebote in Geschäften und im Online-Handel nicht entgehen. Sie gaben durchschnittlich 289,19 Dollar aus - etwa zehn Dollar weniger als im Vorjahr.

(AWP)