Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 20. Dezember 2016
20.12.2016 17:29

EINGETRÜBTER AUSSENHANDEL: Die Schweizer Firmen haben im letzten November Waren im Wert von 18,8 Milliarden exportiert. Das ist zwar leicht mehr als im Vorjahresmonat. Doch hatte der November auch einen Arbeitstag mehr. Bereinigt um diesen Tag haben die Unternehmen 2,1 Prozent weniger exportiert als im Vorjahresmonat. Die beiden grössten Exportsparten, die chemisch-pharmazeutischen Produkte sowie die Maschinen und Elektronik, stagnierten. Bei den Uhren beträgt der Rückgang etwa ein Zehntel. Die Importe nahmen arbeitstagbereinigt innert Jahresfrist um 4,9 Prozent ab. Auffällig ist das Plus bei den Autos. Die Handelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 3,6 Milliarden Franken.

WEITERE VERZÖGERUNG: ChemChina hat das rund 43 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot für den Basler Agrochemiekonzern Syngenta erneut verlängert. Die Kaufofferte gilt nun bis zum 2. März 2017. Sie kann aber erneut verlängert werden. ChemChina begründet die Verlängerung auch diesmal mit ausstehenden behördlichen Bewilligungen. Gemäss Mitteilung erwartet ChemChina diese im ersten Quartal des nächsten Jahres. Das Kaufangebot bleibe unverändert. Bislang hätte die Angebotsfrist am 5. Januar 2017 enden sollen.

SANKTIONEN: Die Wettbewerbskommission (Weko) sanktioniert erneut ein Unternehmen wegen Verhinderung eines Parallelimports. Gebüsst werden die australische Herstellerin und die Schweizer Generalimporteurin von Eflare Warnblitzleuchten. Die Busse beläuft sich insgesamt auf 35'000 Franken, was im Vergleich zu anderen Fällen gering ist. Eflare Warnblitzleuchten sind elektronische Signalleuchten, welche zur vorübergehenden Signalisation auf Strassen eingesetzt werden. Sie werden von der australischen Eflare Corporation hergestellt und in der Schweiz durch die Waseg Handel GmbH als Generalimporteur vertrieben. Im Hinblick auf einen grösseren Auftrag der Beschaffungsstelle der Schweizer Armee versuchte eine Konkurrentin von Waseg diese Warnblitzleuchten über die polnische Vertriebspartnerin von Eflare in die Schweiz zu importieren. Der Versuch des Paralleimports blieb allerdings erfolglos.

RUAG KAUFT ZU: Der bundeseigene Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag baut seine Kompetenzen in der Internetsicherheit aus. Er hat deswegen den britischen Cybersicherheitsspezialisten Clearswift übernommen. Clearswift erwirtschaftet mit seinen 140 Mitarbeitern einen Umsatz von jährlich über 23 Millionen Pfund. Die Übernahme solle mithelfen, Ruag Defence zu einem führenden Cyber-Security-Spezialisten zu entwickeln, teilte Ruag mit. Als Kunden sieht Ruag Unternehmen, Behörden, Finanzinstitute und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Über den Kaufpreis haben Ruag und Clearswift Stillschweigen vereinbart. Die Entscheidungen der Aufsichtsbehörden wird im ersten Quartal 2017 erwartet.

AUF KUNDENFANG: Der seit Januar 2016 amtierende Baloise-Chef Gert De Winter hat die Latte hoch gesetzt: Bis 2021 wollen die Basler rund eine Million neue Kunden dazugewinnen. Wachsen will De Winter sowohl im bestehenden Geschäft als auch mit neuen, digitalen Angeboten, wie er im Interview mit AWP erklärte. Ausserdem baut der Versicherer mit dem Asset Management für Pensionskassen ein weiteres Standbein auf. Grosses Wachstumspotenzial sieht der Baloise-Chef etwa im Lebengeschäft mit fondsgebundenen Produkten, wo die Gruppe zuletzt in den Ländereinheiten Belgien und Luxemburg stark zugelegt hat. Aber auch in dem eigentlich als gesättigt geltenden Nichtlebengeschäft will De Winter auf Kundenfang gehen. Neue digitale Angebote sollen unter anderen auch junge Kunden ansprechen.

NUR GERINGES WACHSTUM: Der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst geht für das Geschäftsjahr 2017 von einer gegenüber dem auslaufenden Geschäftsjahr 2016 stabilen Umsatzentwicklung aus. Die langfristigen Ziele werden bestätigt. 2017 sei mit einem Umsatz im Bereich von leicht über 1,4 Milliarden Franken zu rechnen, teilte das Unternehmen anlässlich des jährlichen Investorentages mit. Dabei wird weder ein Einfluss von Akquisitionen noch ein solcher von den Währungen erwartet, womit auch das organische Wachstum flach ausfallen dürfte, wie den Präsentationsunterlagen zu entnehmen ist. Für das auslaufende Geschäftsjahr 2016 bestätigt Bobst die erst vor gut einem Monat nach oben angepassten Prognosen. Der Umsatz dürfte also bei leicht über 1,4 Milliarden Franken liegen. Für den Reingewinn hat das Unternehmen im November einen Wert über dem Vorjahr von 67,1 Millionen Franken prognostiziert.

KANTINENBETREIBER KONKURS: Über den Freiburger Kantinenbetreiber Delectis ist der Konkurs verhängt worden. Dadurch gehen 40 Stellen verloren und am Montag und Dienstag blieben in mehreren Schulen des Kantons Freiburg die Mensen geschlossen. Im kantonsübergreifend geführten Gymnasium der Broye in Payerne VD erhielten die Schüler deshalb nur eine Gemüsesuppe statt eine richtige Mahlzeit, wie die freiburgische Erziehungsdirektion auf Anfrage sagte. Sie bestätigte damit Informationen der Zeitungen "La Liberté" und "24 Heures". Es bestehe die Hoffnung, dass rasch ein anderer Betreiber die Schulkantine übernehme, hiess es weiter. 400 bis 450 Mahlzeiten werden am waadtländisch-freiburgischen Gymnasium pro Tag serviert.

NEUER CHEF: Beat Balzli übernimmt die Führung der deutschen "Wirtschaftswoche". Der frühere Chefredaktor der Schweizer "Handelszeitung" wird damit Nachfolger von Miriam Meckel, die den neu geschaffenen Posten der Herausgeberin übernimmt. Beat Balzli ist seit 2013 stellvertretender Chefredakteur der Welt-Gruppe, wo er vor allem für die "Welt am Sonntag" zuständig ist. Zuvor war der studierte Volks- und Betriebsökonom drei Jahre als Chefredaktor der "Handelszeitung" und als Redaktor unter anderem beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" tätig. Er ist in Hamburg geboren und in Luzern aufgewachsen.

RETTUNGSAKTION FÜR BANKEN: Italien hat angesichts der schwelenden Bankenkrise konkrete Schritte für eine milliardenschwere Rettungsaktion eingeleitet. Die Regierung will vom Parlament grünes Licht erhalten, um sich 20 Milliarden Euro zur Stabilisierung des Sektors zu leihen. Wie das Wirtschaftsministerium in der Nacht zum Dienstag weiter mitteilte, könnte mit dem Geld die Liquidität im Finanzsystem gesichert und die teils dünne Kapitaldecke der Institute aufgepolstert werden. Der neue Ministerpräsident Paolo Gentiloni könnte eventuell kurzfristig dem Geldhaus Monte dei Paschi di Siena zu Hilfe eilen. Die Bank braucht bis Ende des Monats fünf Milliarden Euro frisches Kapital. Es ist fraglich, ob dieses Geld von privaten Investoren zusammenkommt.

VIELE ABER SCHLECHT BEZAHLTE JOBS: Die EU-Kommission meldet so hohe Beschäftigungszahlen wie noch nie. Im vergangenen Jahr hatten in der Gemeinschaft 232 Millionen Menschen einen Arbeitsstelle, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht zu Arbeit und sozialer Entwicklung hervorgeht. Drei Millionen neue Stellen seien entstanden, die meisten davon dauerhaft. "Allerdings sind viele arbeitende Menschen immer noch arm, was belegt, dass es nicht nur um die Schaffung von Jobs geht, sondern um die Schaffung von guten Jobs", sagt die zuständige Kommissarin Marianne Thyssen. Die offizielle Arbeitslosenquote in der EU liegt immer noch bei 8,6 Prozent, bei Jugendlichen über 20 Prozent. Rund 23,7 Prozent der Menschen waren laut offiziellen Zahlen von Armut bedroht.

GIGANTISCHER GASDEAL: Das deutsche Energieriese Linde und der US-Konkurrent Praxair haben sich auf die Eckpunkte für den geplanten Zusammenschluss zum weltgrössten Gaskonzern geeinigt. Über einen Aktientausch sollen die bisherigen Aktionäre an dem zusammengeschlossenen Konzern jeweils 50 Prozent halten, teilte Linde mit. Linde-Verwaltungsratspräsident Wolfgang Reitzle sicherte sich den entsprechenden Posten auch für die neue Holding, Praxair-Chef Steve Angel wird der neue Konzernchef. Das übrige Top-Management solle zu gleichen Teilen mit Vertretern der Amerikaner und der Bayern setzt werden. Zusammen kommen Linde und Praxair als neuer Weltmarktführer vor dem französischen Erzrivalen Air Liquide auf einen Umsatz von 28 Milliarden Euro und eine Gesamtbewertung von 61 Milliarden Euro.

IWF SPRICHT LAGARDE VERTRAUEN AUS: Der IWF hat seiner Chefin Christine Lagarde auch nach dem Urteil eines Pariser Sondergerichts das Vertrauen ausgesprochen. Das erklärte der IWF-Vorstand am Montagabend in Washington. Lagarde war zuvor schuldig gesprochen worden, in ihrer Zeit als französische Finanzministerin fahrlässig im Amt gehandelt zu haben. Der Gerichtshof der Republik verhängte aber keine Strafe. Der IWF erklärte, man habe alle relevanten Faktoren in Betracht gezogen, darunter auch die herausragende Führung des IWF durch Lagarde und das weltweite Vertrauen, das diese Führung geniesse. Der Vorwurf in dem Prozess lautete, Lagarde habe in einem höchst komplexen Rechtsstreit nachlässig entschieden und damit eine Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht. Sie selbst hatte beteuert, nach bestem Gewissen gehandelt zu haben.

IRREFÜHRENDE ANGABEN: Die Milliarden-Übernahme von WhatsApp hat für Facebook in Europa ein unangenehmes Nachspiel. Die EU-Kommission sieht sich getäuscht - und startet ein Verfahren, das Facebook eine Strafe und Image-Verlust bringen könnte. Sie wirft Facebook irreführende Angaben bei der Übernahme von WhatsApp im Jahr 2014 vor. Die Kommission erklärte , Facebook habe bei der Prüfung des WhatsApp-Deals angegeben, dass es nicht zuverlässig möglich sein werde, einen automatischen Datenabgleich zwischen den Benutzerkonten beider Dienste einzurichten. Im August 2016 hatte Facebook jedoch angekündigt, künftig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern mit Facebook-Profilen zu verknüpfen. Der Deal wird dadurch zwar nicht in Frage gestellt, aber dem weltgrössten Online-Netzwerk drohen am Ende des Verfahrens eine Strafe sowie die Schmach, einer möglichen Lüge bezichtigt zu werden.

RÜCKGANG: Boeing plant im Geschäft mit Verkehrsflugzeugen einen weiteren Stellenabbau. Eine genaue Zahl für das kommende Jahr nannte der US-Konzern jedoch nicht. In der Sparte sind in diesem Jahr bis November bereits mehr als sieben Prozent oder 6115 Jobs weggefallen. Hintergrund sind gemäss Boeing Absatzschwierigkeiten. Vor allem bei grösseren Maschinen mit zwei Gängen, die meist auf der Langstrecke eingesetzt werden. Boeing spürt dies bei der 777, der europäische Rivale Airbus beim A330.

REKORD: Der Star-Wars-Film "Rogue One" hat Disney den letzten grossen Schub gebracht: Erstmals überhaupt machte ein Filmstudio in diesem Jahr einen Umsatz über sieben Milliarden Dollar. "Rogue One" spielte allein am ersten Wochenende weltweit 290 Millionen Dollar ein. In Nordamerika beliefen sich die Einnahmen von Disney im gesamten Jahr auf 2,7 Milliarden Dollar, im Rest der Welt auf 4,3 Milliarden Dollar. Damit übertraf das Filmstudio den Konkurrenten Universal, der im vergangenen Jahr vor allem auch dank des Kassenschlagers "Jurassic World" 6,9 Milliarden Dollar eingenommen hatte.

BETRUG BEI BANK: Ein führender Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank in Moskau soll mit Manipulationen auf dem Aktienmarkt illegal eine Millionensumme verdient haben. Russlands Zentralbank wirft dem Mann vor, er habe gemeinsam mit Familienmitgliedern an der Moskauer Börse Transaktionen mit Aktien von acht russischen Grossunternehmen manipuliert. Damit habe der Banker von 2013 bis 2015 etwa 255 Millionen Rubel (nach aktuellem Stand rund 4 Millionen Euro) kassiert. Dabei seien alle Deals im Namen des Londoner Büros der Deutschen Bank abgewickelt worden, teilte die Notenbank am Dienstag der Agentur Interfax zufolge mit.

(AWP)