Türkische Notenbank tastet trotz Währungsverfall Zinsen nicht an

Ankara (awp/sda/reu) - Trotz der anhaltenden Talfahrt der Landeswährung Lira hat die türkische Notenbank überraschend auf eine Zinserhöhung verzichtet. Sie beliess den für die wöchentliche Refinanzierungsgeschäfte massgeblichen Satz am Dienstag bei 8,0 Prozent.
20.12.2016 13:31

Viele Experten hatten mit einer Anhebung um einen 0,25 Prozentpunkte gerechnet. Nach der Zinsentscheidung stieg der Dollar um bis zu 0,3 Prozent auf 3,5410 Lira und lag damit knapp unter seinem Rekordhoch.

Die Lira hat in diesem Jahr zum Dollar 17 Prozent abgewertet. Die US-Währung ist im Aufwind, da Investoren nach dem Sieg des Republikaners Donald Trump bei den US-Wahlen ein Anziehen der Konjunktur und höhere Zinsen erwarten.

Zudem setzt der Lira der harte Kurs von Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen Regierungskritiker zu, der seit dem Putschversuch Mitte Juli Investoren massiv verunsichert. Dies hat zu Kapitalabflüssen aus der Türkei geführt, die tendenziell mit einer Zinserhöhung abgemildert werden könnten. Erdogan fordert jedoch seit langem von der unabhängigen Notenbank, der Wirtschaft mit Zinssenkungen Schub zu verleihen.

(AWP)