UBS-Präsident kritisiert "unkonventionelle Geldpolitik" - Negative Auswirkungen

Zürich (awp) - Der Verwaltungsratspräsident der UBS, Axel Weber, hat die "unkonventionelle Geldpolitik" vieler Notenbanken heftig kritisiert. Die Politik der Negativzinsen habe wohl ihre Grenzen erreicht: "Die Nachteile sind grösser als der Zusatznutzen", hielt er am Mittwoch an einem Referat am "Bloomberg Swiss Day" in Zürich fest. Ein baldiges Ende sieht Weber allerdings nicht: Er erwarte, dass sich die Zinsen noch für längere Zeit im negativen Territorium bewegen werden.
12.10.2016 17:22

Negativzinsen führten zu Verzerrungen der Vermögenspreise und machten es immer schwieriger, Risiken einzupreisen, so Weber. Zudem sei das Bankensystem nicht auf negative Zinssätze ausgelegt. Heute müssten Banken sich fragen, ob sie überhaupt noch Kunden annehmen wollten. "Das ist nicht der richtige Weg."

Die Auswirkungen der Negativzinspolitik auf die Finanzindustrie hätten dabei erst begonnen. "Die Geschäftsmodelle der Banken werden sich fundamental ändern", sagte der frühere deutsche Notenbanker voraus. Der starke Margendruck werde nicht verschwinden, die Finanzindustrie werde wohl zu massiven Kostenabbauprogrammen gezwungen sein. Die UBS sei derzeit daran, ihr eigenes Kostenabbauprogramm durchzuführen, erinnerte er dabei.

ANDERE WACHSTUMSPOLITIK

Nebenwirkungen von Negativzinsen könnten kurzfristig zwar noch gehandhabt werden. "Mittel- und langfristig ist das aber ein Problem." Der UBS-Präsident rief etwa in Erinnerung, dass am Tag nach der Brexit-Abstimmung sämtliche Laufzeiten der Schweizer Staatsanleihen in negatives Territorium gesunken seien. Das sei ein schlechtes Investitionsumfeld für Leute, die ihre Mittel in Pensionsfonds hätten. Die Politik-Verantwortlichen müssten andere Lösungen als die Geldpolitik finden, um das Wachstum anzukurbeln, forderte Weber.

Verständnis zeigte Weber dagegen für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Denn sie wolle mit ihren Massnahmen nicht die Wirtschaft stimulieren, sondern die Erstarkung des Frankens verhindern: Seines Erachtens hat die SNB sie mit ihren Massnahmen in den vergangenen Jahren denn auch angemessen reagiert.

ZUVIEL REGULIERUNG

Unter Druck kämen die Banken auch bezüglich Regulierung, so Weber. Zwar seien die Regeln vor der Finanzkrise wohl zu locker gewesen, eine Verstärkung sei deshalb wohl angemessen gewesen, so der ehemalige Regulierer. "Man läuft jetzt aber Gefahr, dass das Pendel zu weit in die andere Richtung ausschlägt." Das erhöhe zum einen die Kosten auch für Kredite. Zum anderen berge es die Gefahr, dass Aktivitäten etwa vom reguliertem Bankenmarkt in den weniger regulierten Kapitalmarkt abwanderen.

tp/uh

(AWP)