UBS prognostiziert für 2016 neu ein Wirtschaftswachstum von 0,9% (zuvor: 1,0%)

Zürich (awp) - Die UBS hat ihre Konjunkturprognose für die Schweizer Wirtschaft nach Brexit und erneuter Frankenstärke gesenkt. Die Volkswirte der Bank gehen jedoch davon aus, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte schrittweise erholen wird. Trotz des grossen Medienechos auf Arbeitsplatzabbau und Produktionsverlagerungen im verarbeitenden Gewerbe finde eine generelle Deindustrialisierung der Schweiz jedoch nicht statt, schreibt die Bank am Donnerstag in ihrem "Outlook Schweiz".
14.07.2016 09:50

Neu rechnen die Ökonomen mit einem BIP-Wachstum von 0,9% im laufenden Jahr, statt +1,0% zuvor. Auch die Erwartung für 2017 wird auf nun +1,3% von zuvor +1,5% gesenkt. Trotz des erwarteten Wachstums seien die Unsicherheiten gestiegen, was die Wachstumsdynamik weiter belasten werde. Das Votum Grossbritanniens für einen Austritt aus der EU habe die konjunkturelle Unsicherheit markant erhöht und die hiesigen Unternehmen würden in einem ständigen Anpassungsprozess an die Frankenstärke stecken.

Die Beschleunigung im zweiten Halbjahr dürfte nicht stark genug sein, um noch dieses Jahr eine Trendwende am Arbeitsmarkt herbeizuführen, heisst es weiter. Dank der weiterhin sehr tiefen Inflation wird ein solider Privatkonsum erwartet. Die politische Ungewissheit bezüglich der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der offene Ausgang der Unternehmenssteuerreform III könnten das Investitionsklima dieses Jahr merklich belasten, so die Bank. Die Perspektiven für den Aussenhandel würden davon abhängen, welche Konsequenzen der Brexit für die europäische Wirtschaft hat.

Von der SNB erwartet die UBS weiterhin die Bereitschaft, um gegen eine markante Frankenaufwertung einzuschreiten. Nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses in Grossbritannien sei der Frankenkurs bereits gestützt worden. Ein Zinsschritt stehe frühestens im Herbst 2017 in den Karten.

KEINE DEINDUSTRIALISIERUNG

Eine generelle Deindustrialisierung der Schweiz finde trotz des Abbaus von Arbeitsplätzen in der Industrie und der Verlagerung in andere Länder nicht statt, schreibt die Bank weiter. Seit 1998 sei die Zahl der Arbeitsplätze in der Schweizer Industrie insgesamt praktisch stabil geblieben und der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung konstant.

Ein substanzieller Verlust von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen sei in arbeitsintensiven und innovationsarmen Industriebranchen verzeichnet worden. Innovative, qualitätsorientierte und stark technologisierte Branchen hätten demgegenüber erhebliche Zuwächse verbucht. Dieser Trend, sowie der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft werde sich Fortsetzen. Der vergleichsweise hohe Produktivitätszuwachs in der Industrie übe zwangsläufig Druck auf die Beschäftigung aus.

yr/cf

(AWP)