Uhrenexporte bleiben im Mai unter Druck - Enttäuschende Entwicklung in Europa

(Zusammenfassung mit Aktienschlusskurs)
21.06.2016 18:11

Biel (awp) - Der Abwärtstrend in der Schweizer Uhrenindustrie setzt sich fort: Im Monat Mai 2016 sind die Uhrenexporte zum dritten Mal in Folge deutlich gesunken und liegen auch seit Jahresbeginn klar im Minus. Ausschlaggebend waren einmal mehr die stark sinkenden Ausfuhren in den wichtigsten Absatzmarkt Hongkong, während Europa mit klaren Rückgängen ebenfalls negativ überrascht hat. An der Börse werden die Aktien der Luxusgüterkonzerne Swatch und Richemont verkauft.

Wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) und der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) am Dienstag mitteilten, wurden im Monat Mai Schweizer Uhren im Wert von 1,55 Mrd CHF weltweit exportiert. Das entspricht einem Rückgang um 168 Mio bzw. 9,7% (real 9,8%) im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat. Arbeitstagsbereinigt - der Berichtsmonat zählte einen Arbeitstag mehr als der Mai 2015 - ergibt sich sogar ein Rückgang von gut 14% (nominal und real).

Im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten April (nominal -l4%) und März (-16%) hat sich die Abwärtsbewegung zwar leicht abgeschwächt, doch die Markterwartungen wurden verfehlt. René Weber von der Bank Vontobel etwa hatte im Mai aufgrund der im Vergleich zu den Vormonaten etwas einfacher zu erreichenden Vorjahresbasis mit Einbussen im mittleren einstelligen Prozentbereich gerechnet.

Auch der Blick auf die Statistik der ersten fünf Monaten belegt, dass die über Jahre vom Erfolg verwöhnte Branche definitiv vom Rekordkurs abgekommen ist. Kumuliert nahmen die Uhrenexporte in den Monaten Januar bis Mai um 9,5% auf 7,83 Mrd CHF ab. Damit liege man wieder auf dem Niveau aus dem Jahr 2012, hält der Uhrenverband fest.

WENIGER EXPORTIERTE LUXUSUHREN

Stark rückläufig waren im Mai die Exporte von Edelmetall-Uhren. In Stückzahlen gemessen sank das Volumen um 23% und in Franken um 24% auf 491 Mio CHF. Etwas moderater, aber mit 9,1% immer noch deutlich, reduzierte sich die Stückzahl der exportierten Stahluhren. Wertmässig sanken die Ausfuhren in dieser Kategorie um 4,3% auf 572 Mio CHF. Gold-Stahluhren wurden in Stück zwar leicht mehr exportiert, in Franken gingen die Exporte aber auch hier um 4,7% auf 241 Mio zurück.

Nach Preissegmenten betrachtet, waren die Exporte von Uhren mit Exportpreisen von 200-500 CHF stark rückläufig. Deren Volumen in Stück nahm um 18% und in Franken um 17% ab. Ähnlich stark war der Rückgang bei sehr teuren Uhren im Wert von 3'000 CHF und mehr (Stückzahl: -10%; Franken: -15%), während sich das Minus in der billigsten Kategorie bis 200 CHF (-6,1%; -5,5%) und bei Uhren von 500-3'000 CHF (-2,9%; -2,4%) in Grenzen hielt.

SCHWACHE NACHFRAGE IN HONGKONG

In Hongkong bleibt die Nachfrage nach Schweizer Uhren schwach und die Exporte nahmen im Mai um 17% auf 190 Mio CHF erneut zweistellig ab. Noch deutlicher war das Minus mit 19% auf 86,4 Mio bei den Uhrenexporten nach (Festland)china. Kumuliert für die ersten fünf Monate 2016 liegen Hongkong und China nun mit 26% bzw. 16% im Minus. Bereits im Jahr 2015 hatte die Schweizer Uhrenindustrie in diesen Märkten Exportrückgänge von 23% bzw 5% hinnehmen müssen.

In Europa habe sich die Lage für die Schweizer Uhrenindustrie in den vergangenen drei Monaten ebenfalls stark verschlechtert, hiess es. Die Mai-Exporte nach Italien (-21%), Frankreich (-18%) und Deutschland (-15%) verzeichneten Einbussen im zweistelligen Prozentbereich und stehen damit seit Jahresbeginn ebenfalls im Minus. Die Exporte nach Japan (-7,7%) und in die USA (-2,1%) gaben zwar weniger deutlich nach, doch auch hier bestätigte sich der zuletzt gesehene Abwärtstrend.

Die Aktien der Schmuck- und Uhrenkonzerne Swatch und Richemont waren am Dienstag in einem leicht positiv tendierenden Gesamtmarkt (SMI +0,5%) denn auch die grössten Verlierer unter den Blue Chips und büssten 1,3% auf 292,90 CHF (Swatch) bzw. 0,8% auf 59,15 CHF ein.

Vontobel-Experte Weber zeigte sich in seiner Einschätzung insbesondere von der äusserst schwachen Entwicklung in Europa enttäuscht. Ab dem zweiten Halbjahr rechnet er aufgrund der schwächeren Vorjahresbasis mit Verbesserungen, im Gesamtjahr 2016 dürften die Exporte aber immer noch um 6% sinken.

mk/uh

(AWP)