Uhrenexporte sinken im Februar weiterhin deutlich - Schwacher US-Markt

(Erste Meldung mit weiteren Angaben und Analystenstimme ausgebaut) - Die Schweizer Uhrenexporte sind im Monat Februar 2017 erneut deutlich gesunken. Nach dem starken Rückgang 2016 und dem schwachen Start ins neue Jahr im Januar, zeigen sich auch in der jüngsten Uhrenexportstatistik noch keine Anzeichen einer Trendwende. Besonders schwach hat sich im Berichtsmonat der US-Markt entwickelt, wogegen die Exporte nach Festlandchina erneut zulegten.
21.03.2017 11:51

Das Volumen der Schweizer Uhrenexporte nahm im Februar gegenüber der Vorjahresperiode nominal um 10% auf 1,49 Mrd CHF ab, während real ein Minus von 7,8% resultierte, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) und der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) am Dienstag mitteilten. Arbeitstagsbereinigt betrug der Rückgang 6,2% (real: -3,9%).

Damit setzt sich der schwache Trend aus dem Jahr 2016 fort, wie der Uhrenverband festhält. Für die gebeutelte Uhrenbranche ist dies der 20. Monat in Folge mit einem Rückgang. Im Gesamtjahr 2016 waren die Exporte nominal um 9,9% auf 19,4 Mrd CHF (real: -15,3%) gesunken. Und auch im ersten Monat 2017 war eine rückläufige Entwicklung von nominal 6,2% und real 7,7% auszumachen.

RÜCKSCHLAG IN DEN USA

Die Uhrenmesse Baselworld startet am Donnerstag somit unter schlechten Vorzeichen. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang in der Februar-Statistik in den USA, wo die Exporte um 26% zurückgingen. Dies sei einer der stärksten Einbrüche im aktuell zweitgrössten Exportmarkt für Schweizer Uhren, so der Uhrenverband. In den beiden vorangegangenen Monaten seien die Uhrenexporte in die USA noch angestiegen und im Gesamtjahr 2016 habe sich der Markt in etwa im Durchschnitt bewegt.

Die Betrachtung eines Monats dürfe man nicht überbewerten, sagte Verbandspräsident Jean-Daniel Pasche gegenüber AWP. Denn es könne in der Statistik in einzelnen Märkten von Monat zu Monat grosse Schwankungen geben, je nachdem wie die Uhrenhändler bestellten. Zusätzliche Volatilität bei den Bestellungen gehe auch vom Online-Handel aus, der sich in den USA stark entwickle.

Der grösste Absatzmarkt Hongkong weist derweil im Februar ein Exportminus von 12% auf, was im Vergleich zum Rückgang des vergangenen Jahres von 25% einer allmählichen Stabilisierung gleichkomme. Derweil verzeichnete Festlandchina mit +6,7% den sechsten Anstieg in den sieben vergangenen Monaten.

In Europa wuchsen einzig die Exporte nach Grossbritannien (+1,9%), wo das schwache Pfund den Tourismus und die Luxusgüterkäufe begünstigen. Die weiteren wichtigen europäischen Absatzmärkte wie Italien (-14%), Deutschland (-12%) oder Frankreich (-9,8%) weisen allesamt nach wie vor starke Rückgänge auf.

WENIGER NACHFRAGE NACH GÜNSTIGEN UHREN

Betrachtet man die Exportentwicklung nach Preissegmenten, dann fällt auf, dass im Februar vor allem günstige Uhren mit Exportpreisen von bis zu 200 CHF (-17% in Stück; -22% in CHF) am stärksten unter der schwachen Nachfrage litten. Die Exporte teurer Uhren zu Preisen von über 3'000 CHF gingen sowohl in Stückzahlen (-14%) als auch in Franken (-12%) ebenfalls stark zurück. Weniger ausgeprägt waren die Rückgänge in den Segmenten 200-500 CHF (-5,5% bzw. -6,7%) und 500-3'000 (-5,7% bzw. -3,1%).

Nach Materialien aufgeteilt nahmen die Exporte von Edelmetalluhren um 19% auf knapp 29'000 Stück ab, in Franken betrug das Minus 17% auf 497 Mio CHF. Lediglich 6,1% auf 573 Mio CHF sanken die Ausfuhren von Stahluhren und nur um 4,9% auf 246 Mio die Exporte von für Gold-Stahluhren. Hingegen büssten die Exporte des Segments "Other Metals" 20% auf 71,7 Mio ein.

UHRENAKTIEN NUR LEICHT UNTER DRUCK

An der Börse haben die Aktien der Swatch Group und der auf Luxusprodukte spezialisierten Richemont-Gruppe zunächst mit Kursabgaben auf den neuerlichen Exportrückgang reagiert, diese aber eingegrenzt. Bis um 11.30 Uhr büssen Swatch in dem leicht schwächer tendierenden Gesamtmarkt 0,3% und Richemont 0,4% ein.

mk/uh

(AWP)