Uneinigkeit über Auswirkungen des Abgas-Skandals auf Preise

Bern (awp/sda) - Vergleichsportale sind sich uneinig darüber, ob der Abgas-Skandal die Preise bei VW-Occasionsautos gedrückt hat. Das Portal Comparis.ch stellt einen Preiszerfall fest, während Autoscout24 keinen bedeutsamen Rückgang sieht. Auch VW-Importeurin Amag ortet keine Auffälligkeiten.
02.09.2016 10:40

Nachdem die Abgas-Affäre im September 2015 bekannt wurde, seien die Occasionspreise von Dieselfahrzeugen generell in den ersten Monaten stetig gesunken, stellt Autoscout24 in einer Auswertung fest.

Bis heute werde eine Mehrheit der Marken zu tieferen Preisen angeboten, schreibt Autoscout24. Es handle sich also um eine Marktentwicklung, die nicht ausschliesslich die Fahrzeuge des VW-Konzerns betreffe.

Im September war in den USA aufgeflogen, dass Volkswagen bei den Dieselmodellen eine illegale Software eingesetzt hat, die den Abgasausstoss bei Tests künstlich drückt.

UNSICHERHEIT NICHT NUR BEI VW

Aus der Auswertung schliesst Autoscout24, dass das Vertrauen in die von der Abgas-Affäre betroffenen Marken keineswegs einschneidend gelitten habe. Der Skandal könne zwar bei Konsumenten für Unsicherheit gesorgt haben- dann aber für den gesamten Occasions-Markt.

Ähnlich klingt es in einer Mitteilung der Amag, der Generalimporteurin von VW-Marken: Bei eigenen Auswertungen von Preisen von Occasionsfahrzeugen unter Einbezug der Standtage der Fahrzeuge hätten bisher keine Auffälligkeiten festgestellt werden können. Preisschwankungen kämen vor, diese seien aber marktüblich und im Vergleich zum Gesamtvolumen moderat.

Anfang Woche hatte das Vergleichsportal Comparis.ch aufgrund eigener Auswertungen mitgeteilt, die Preise der vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselautos seien markant gesunken. Dieselmodelle der VW-Marken aus den Jahren 2009 bis 2013 seien im Durchschnitt mehr als einen Viertel günstiger als vor einem Jahr. Demgegenüber hätten die Diesel-Occasionen aller anderen Anbieter durchschnittlich nur vier Prozent eingebüsst.

Die Abweichungen bei den verschiedenen Auswertungen dürften sich unter anderem auch mit der unterschiedlichen Methodik erklären, etwa mit der Einschränkung auf die betroffenen Jahrgänge bei Comparis.ch.

STREIT UM ENTSCHÄDIGUNGEN

Bei der Frage, ob die betroffenen VW-Autos aufgrund des Skandals an Wert verloren haben, geht es auch um Geld. Konsumentenschützer fordern eine Entschädigung für Besitzer der Autos - wie es sie etwa von VW in den USA gibt, aber nicht in Europa.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) stellt sich auf den Standpunkt, dass betroffene Konsumenten für ein angeblich ökologisches Dieselfahrzeug einen zu hohen Preis bezahlt hätten und dass sich auf dem Occasionenmarkt Mindererlöse für solche Fahrzeuge ergeben. Die Frage, ob die Autos auf dem Markt tatsächlich wegen des Abgas-Skandals an Wert verloren haben, dürfte deshalb in diesem Streit eine grosse Rolle spielen.

(AWP)