Unternehmensstimmung im Euroraum schlechter - besser in Grossbritannien

(Ausführliche Fassung)
05.09.2016 11:45

LONDON (awp international) - Die Unternehmensstimmung im Euroraum und in Grossbritannien hat sich im August gegensätzlich entwickelt. Während sie sich im europäischen Währungsraum spürbar eintrübte, hellte sie sich im Vereinigten Königreich stark auf. Im Juli, etwa einen Monat nach dem Brexit-Votum, war die Stimmung in Grossbritannien noch eingebrochen, während sie sich im Euroraum kaum verändert hatte. Bankvolkswirte warnten jedoch vor einer Überbewertung der Indikatoren.

Das Markit-Institut, das monatlich eine Umfrage unter ranghohen Unternehmensangestellten durchführt, meldete am Montag eine deutliche Eintrübung für den Euroraum. Der Einkaufsmanagerindex fiel nach einer zweiten Umfragerunde um 0,3 Punkte auf 52,9 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit Januar 2015. In einer ersten Runde war noch ein Anstieg auf 53,3 Punkte ermittelt worden. Trotz des Rückgangs liegt der Indikator klar über der Schwelle von 50 Punkten, die Wirtschaftswachstum von Schrumpfung trennt.

In Grossbritannien stieg der Gesamtindex dagegen stark um sechs Punkte auf 53,6 Zähler an. In allen betrachteten Bereichen hellte sich die Stimmung auf. Besonders deutlich fiel die Verbesserung nach Zahlen vom Montag in dem für das Königreich wichtigen Dienstleistungsbereich aus, gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe und dem Bausektor. Das britische Pfund profitierte und stieg zum Dollar auf den höchsten Stand seit Mitte Juli.

Im Euroraum verschlechterte sich die Stimmung vor allem in der grössten Volkswirtschaft Deutschland. Dort war die Stimmung in der Industrie schlechter, besonders stark trübte sie sich aber unter Dienstleistern ein. Dieser Indikator fiel auf den tiefsten Stand seit gut drei Jahren. In Frankreich, Italien und Spanien stiegen die Indikatoren für die Dienstleister dagegen spürbar an. Die Industriestimmung war in den drei Südländern nach Zahlen vom vergangenen Donnerstag jedoch bedeutend schlechter als in Deutschland.

Markit-Chefökonom Chris Williamson sprach von einer "echten Enttäuschung" für den Euroraum. Nach wie vor sei von einem nur verhaltenen Wachstum im Euroraum auszugehen. "Die Umfrage heizt die Erwartung an, dass die Europäische Zentralbank lieber heute als morgen weitere Wachstumsanreize lanciert", sagte Williamson. Der EZB-Rat tagt in dieser Woche. Experten halten unter anderem eine zeitliche Verlängerung der bis März 2017 laufenden Wertpapierkäufe für möglich.

Für Grossbritannien warnten Analysten vor einer Überinterpretation der Daten. "So wie die Juli-Umfrage die zugrundeliegende Schwäche der Wirtschaft wahrscheinlich übertrieben hat, setzt die Erhebung im August die anschliessende Erholung wahrscheinlich zu hoch an", kommentierte das Analysehaus Capital Economics. Wie auch die Experten von Pantheon Macroeconomics erwarten die Volkswirte von Capital Economics eine wirtschaftliche Stagnation im dritten Quartal./bgf/tos/stb

(AWP)