Unternehmensstimmung steigt überraschend - Frankreich im Aufwind

(Ausführliche Fassung) -AFX) - Die Unternehmensstimmung im Euroraum hat sich im September überraschend aufgehellt. Der Einkaufsmangerindex für die Gesamtwirtschaft der Eurozone legte um einen ganzen Punkt auf 56,7 Punkte zu, wie das Institut IHS Markit am Freitag in London mitteilte. Volkswirte hatten hingegen mit einem leichten Rückgang auf 55,6 Punkte gerechnet. Die Signale für eine größere Dynamik in der Wirtschaft trieben den Kurs des Euro über die Marke von 1,20 US-Dollar.
22.09.2017 11:26

Der Gesamtwert liegt damit nur leicht unter seinem mehrjährigen Hoch von 56,8 Punkten, das im April und Mai 2017 erreicht worden war. Sowohl die Indikatoren für die Industrie als auch für den Dienstleistungssektor verbesserten sich.

"Die Daten signalisierten für das dritte Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent zum Vorquartal", sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt von IHS Markit. "Die beschleunigte Dynamik spreche zudem für ein lebhaftes Jahresende." Der stärkere Euro habe bisher die Exporte kaum belastet. Der Arbeitsplatzaufbau sei der zweithöchste in den vergangenen zehn Jahren gewesen.

DEUTSCHLAND UND FRANKREICH IM AUFWIND

Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich überraschten die Zahlen positiv. In Deutschland legten beide Unterindikatoren zu. Der Wert für die Industrie erreichte mit 60,6 Punkten den höchsten Stand seit April 2011. Auch der Dienstleistungsindiktor legte in der größten Volkswirtschaft der Eurozone überraschend stark zu.

Positiv überrascht haben auch die Zahlen aus Frankreich. Der Indikator für den Diensleistungssektor verbesserte sich deutlich. Aber auch der Wert für die Industrie legte überraschend etwas zu. Er erreichte mit 56,0 Punkten den höchsten Wert seit April 2011.

"Die Grande Nation profitiert einerseits von der verbesserten wirtschaftlichen Situation in der Eurozone, andererseits läuft auch die französische Binnenkonjunktur mit einer höheren Drehzahl", schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Der Zeitpunkt der Arbeitsmarktreform von Emmanuel Macron könnte also kaum besser gewählt sein." Bisher habe ein dynamisches Frankreich gefehlt. "Finden die beiden großen Nationen Deutschland und Frankreich wieder einen gemeinsamen wirtschaftlichen Weg, lässt sich eine weitere europäische Integration wesentlich einfacher umsetzen."

EUROKURS LEGT ZU - ANLEIHEKURSE UNTER DRUCK

Der Kurs des Euro reagierte mit Gewinnen auf die Daten und erreichte ein Tageshoch bei 1,2003 US-Dollar. Die Kurse deutscher Bundesanleihen gaben nach. Die Daten sprechen tendenziell für einen schrittweisen Ausstieg der Europäischen Zentralbank aus ihrem milliardenschweren Anleihekaufprogramm.

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(AWP)