US-Handelskammer fordert Regierung zu Einigkeit bei TTIP auf

(Ausführliche Fassung)
07.09.2016 15:24

FRANKFURT (awp international) - Der Widerstand gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP innerhalb der Bundesregierung beunruhigt US-Unternehmen hierzulande. Die amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) fordert daher politische Einigkeit aus Berlin. "Die Bundesregierung sollte das TTIP-Abkommen von deutscher Seite einstimmig und entschieden unterstützen", sagte Präsident Bernhard Mattes am Mittwoch in Frankfurt. Die Verhandlungen sollten ruhig und sachlich weitergeführt werden. "Ständige Zwischenrufe helfen nicht."

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hatte TTIP angesichts der schwierigen Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union jüngst für de facto gescheitert erklärt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht das anders.

Mattes mahnte, TTIP biete "riesige Chancen für Investitionen und Arbeitsplätze" in der EU und den Vereinigten Staaten. US-Unternehmen seien jedoch wegen der politischen Töne aus Deutschland beunruhigt. "Es gibt die Sorge, dass TTIP nicht umgesetzt wird." Für die Firmen sei bei den Verhandlungen besonders der Zugang zum öffentlichen Sektor, etwa bei der Vergabe von Aufträgen in der Bauwirtschaft, wichtig und der Schutz vor Diskriminierung bei Direktinvestitionen.

Bei der jährlichen Umfrage der AmCham unter den 50 grössten amerikanischen Firmen hierzulande haben 38 Prozent den Abschluss des Freihandelsabkommen als Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Deutschland bezeichnet. Insgesamt bewerteten US-Unternehmen diesen etwas schlechter: Sie vergaben die Note 2,4, nach 2,1 im Vorjahr.

Neben der schwierigen TTIP-Verhandlungen sehen US-Unternehmen weitere Probleme: So wünschen sich fast zwei Drittel der Befragten eine schnellere Digitalisierung und 58 Prozent monieren einen Fachkräftemangel in wichtigen Branchen wie IT. 43 Prozent dringen zudem auf erschwingliche stabile Energiepreise.

Insgesamt haben die 50 grössten US-Gesellschaften 2015 einen Umsatz von 170 Milliarden Euro erwirtschaftet, knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Allein die 30 grössten stehen laut Zahlen der AmCham für 330 000 Arbeitsplätze hierzulande. "Deutschland bleibt ein attraktiver Standort für US-Firmen, aber politische Unsicherheit trübt das Bild", sagte Mattes./als/DP/stk

(AWP)