US-Notenbank erhöht wie erwartet Leitzins - Bilanzabbau 2017 angepeilt

(Ausführliche Fassung) - Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins wie erwartet angehoben. Die Fed-Funds-Rate werde um 0,25 Prozentpunkte erhöht und liege künftig in einer Spanne zwischen 1,00 und 1,25 Prozent, teilten die Währungshüter am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte und Finanzmärkte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Klare Hinweise auf den Zeitpunkt einer nächsten Anhebung gaben die Währungshüter nicht. Ihre Zinsprognosen änderten sie kaum. Dafür gab es Hinweise auf den baldigen Beginn einer Reduzierung der billionenschweren Notenbankbilanz.
14.06.2017 20:53

Gegen die Entscheidung für die Zinsanhebung stimmte mit Neel Kashkari nur ein Mitglied im geldpolitischen Ausschuss (FOMC). Er sprach sich wie bereits bei der jüngsten Zinsanhebung erneut für konstante Zinsen aus. Es handelt sich um die vierte Leitzinsanhebung seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Zuletzt hatte die Fed Mitte März den Zinssatz angehoben. Zuvor hatte er seit Ende 2008 - also kurz nachdem die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte - in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent gelegen.

KEIN KLARER HINWEIS AUF TERMIN FÜR NÄCHSTE ANHEBUNG

Klare Hinweise auf den Zeitpunkt ihrer nächsten Zinserhöhung gaben die Währungshüter nicht. Man erwarte eine "graduelle" Anpassung der Geldpolitik, hiess es im Kommentar zur Zinsentscheidung. Ihren angepeilten Straffungskurs haben die Notenbanker weitgehend unverändert gelassen. Der geldpolitische Ausschuss FOMC erwartet für dieses Jahr im Mittel (Median) eine weitere Zinsanhebung, mit der heutigen Anhebung also wie bislang avisiert insgesamt drei. Im Jahr 2018 dürften drei weitere Anhebungen folgen. Lediglich die Zinsprognose für Ende 2019 wurde leicht von 3,0 Prozent auf 2,9 Prozent gesenkt und ist damit wieder zurück auf dem Niveau vor einer leichten Anhebung der Prognose im März.

Allerdings gab die Fed erstmals Hinweise, wann sie mit dem Abschmelzen der rund 4,5 Billionen US-Dollar schweren Bilanzsumme beginnen will. Zunächst wolle man zwar auslaufende Anleihen weiter reinvestieren. Man erwarte jedoch dass man in diesem Jahr mit einer Normalisierung beginnen werde. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Wirtschaft wie erwartet entwickle.

PROGNOSE FÜR INFLATION 2017 GESENKT

Die Risiken für das Wirtschaftswachstum seien weitgehend ausgewogen, schrieb die Fed. Man werde jedoch die Inflationsentwicklung genau beobachten. Man erwarte künftig weiterhin ein moderates Wirtschaftswachstum und eine weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt.

Für dieses Jahr hat die Fed ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent leicht angehoben. Der längerfristige Wachstumsausblick bleibt dagegen unverändert. Zudem rechnen die Notenbanker in diesem und in den kommenden Jahren mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit als zuletzt. Ihre Inflationsprognose haben die Währungshüter für dieses Jahr von 1,9 auf 1,6 Prozent gesenkt. Auf längere Sicht bleiben sie dagegen unverändert.

Die Prognosen der Fed basieren auf den Einschätzungen der einzelnen Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses. Die konkreten Werte ergeben sich, indem der Median oder Zentralwert errechnet wird.

KEINE STARKEN REAKTIONEN AN FINANZMÄRKTEN

An den Finanzmärkten gab es keine starken Reaktionen auf Zinsentscheidung. Der Eurokurs gab leicht nach, konnte aber vorangegangene Gewinne nach enttäuschenden US-Daten zur Inflation und zum Einzelhandelsumsatz am Nachmittag europäischer Zeit weitgehend halten. Die Renditen zehnjähriger US-Staatspapiere legten leicht zu, allerdings nur geringfügig im Vergleich zu einem deutlichen Rückgang nach den Daten vom Nachmittag.

Der wichtigste US-Aktienindex Dow Jones Industrial kletterte zwar zwischenzeitlich auf ein weiteres Rekordhoch von 21 379 Punkten. Die Bewegung hielt sich jedoch in Grenzen und blieb nicht nachhaltig. Bereits im frühen Handel hatte der Index seine bisherige Bestmarke vom Vortag übertroffen./tos/he

(AWP)