US-Notenbank strafft Geldpolitik und bleibt auf Kurs

(Zusammenfassung) - Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat ihre Geldpolitik erwartungsgemäss gestrafft. Zudem signalisierte sie nach ihrer regulären Zinssitzung für dieses und kommendes Jahr ein unverändertes Straffungstempo. Fed-Chefin Janet Yellen stellte vor der Presse weitere Zinsanhebungen in "graduellem" Tempo in Aussicht. Der US-Dollar geriet unter Druck, weil vor der Zinssitzung über raschere Zinsanhebungen spekuliert wurde.
15.03.2017 20:43

Wie die Fed am Mittwoch in Washington mitteilte, steigt der amerikanische Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Die Fed Funds Rate, wie der Zins genannt wird, liegt damit in einer Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent. Bankanalysten und Anleger hatten mit der Entscheidung gerechnet, nachdem zahlreiche Zentralbanker den Zinsschritt Anfang März signalisiert hatten.

UNVERÄNDERTES STRAFFUNGSTEMPO

Die Notenbank begründet die Zinsanhebung mit Fortschritten am Arbeitsmarkt und einer höheren Inflation. Während sich der Jobmarkt zuletzt weiter von seiner starken Seite gezeigt habe, sei die Inflation in Richtung des Ziels der Fed von zwei Prozent gestiegen. Die Wirtschaft sei weiter moderat gewachsen. "Wir nähern uns unseren Inflations- und Beschäftigungszielen", erklärte Notenbankchefin Yellen.

Ihr absehbares Straffungstempo änderte die Fed nicht. Der geldpolitische Ausschuss geht im Mittel (Median) nach wie vor von zwei weiteren Zinsanhebungen in diesem Jahr aus, gefolgt von drei Anhebungen im kommenden Jahr. Yellen erklärte dazu, dass drei Zinsanhebungen in einem Jahr durchaus mit einem "graduellen" Straffungskurs vereinbar seien. Allerdings gelte dies auch für eine Anhebung weniger oder eine mehr pro Jahr.

'GRADUELLE' ZINSANHEBUNGEN

Einen klaren Hinweis auf den Zeitpunkt des nächsten Zinsschritts gab die Fed allerdings nicht. Man erwartet eine "graduelle" Anpassung der Geldpolitik, heisst es in einem Kommentar zur Zinsentscheidung. Bisher hatte die Notenbank von einer "nur" graduellen Anpassung gesprochen. Yellen unterstrich auf Rückfrage, dass in diese Änderung nicht allzu viel hinein interpretiert werden solle.

Grundsätzlich will die Federal Reserve eine konjunkturstützende Geldpolitik beibehalten. Yellen bekräftigte frühere Aussagen, dass der geldpolitische Kurs abhängig von der konjunkturellen Entwicklung sei. In diesem Zusammenhang hob sie den positiven Stimmungsumschwung in der Wirtschaft hervor, der "offensichtlich" sei. Zudem seien die weltweiten Wachstumsrisiken etwas weniger stark ausgeprägt, wenngleich es nach wie vor grosse Risiken gebe.

'US-NOTENBANK TIPPT AUF DIE BREMSE'

"Die US-Notenbank tippt auf die Bremse, steigt aber nicht in die Eisen", kommentierte Martin Moryson, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim, die Entscheidung der Fed. "Es ist insgesamt ein gutes Zeichen, das die Fed mit der Zinserhöhung aussendet: Die Wirtschaft läuft so gut, dass sie der Stimulierung durch Niedrigzinsen immer weniger bedarf." Zudem sei der Schritt ein Signal an andere grosse Notenbanken, dass der Ausstieg aus der jahrelangen Niedrigzinspolitik gelingen könne.

Harm Bandholz von der Unicredit stellte heraus, dass sich die Fed alles andere als auf einem raschen Straffungskurs befinde. Vielmehr sei ihre Haltung einfach nur weniger locker. Nach seinen Berechnungen müsste der Leitzins aktuell um einiges höher liegen. "Es gibt also immer noch viel Unterstützung für die Wirtschaft."

DOLLAR UND RENDITEN UNTER DRUCK

An den Finanzmärkten geriet der US-Dollar nach den Entscheidungen unter Druck. Auch die Renditen für amerikanische Staatsanleihen gaben spürbar nach. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass es vor der Zinsentscheidung Spekulationen gegeben hatte, dass die Fed ein höheres Straffungstempo signalisieren könnte - was sie aber nicht getan hat.

Die aktuelle Zinsanhebung ist erst die dritte nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Das zeigt, wie sehr die Krise das globale Finanzsystem und die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hat. Von Ende 2008 bis Ende 2015 hatte die Fed den Leitzins an der Nulllinie gehalten, um die Konjunktur zu stützen und zu beleben. Ende 2015 und Ende 2016 erfolgten dann zwei vorsichtige Zinsanhebungen, denen die jetzige folgte./bgf/jsl/fbr

(AWP)