US-Notenbanker Bullard: Nur noch eine Zinsanhebung bis 2018

ST. LOUIS (awp international) - Ein ranghoher Notenbanker in den USA kann sich vorstellen, dass die US-Notenbank ihren Leitzins bis zum Jahr 2018 nur noch ein einziges Mal anhebt. Darauf lässt ein neues ökonomisches Modell der Zentralbank von St. Louis schliessen, das der regionale Fed-Chef James Bullard am Freitag vorstellte. Demnach könnte die Fed ihren Leitzins, der gegenwärtig zwischen 0,25 und 0,50 Prozent liegt, "irgendwann später in diesem Jahr" anheben. Dies wäre dann aber der "letzte" Zinsschritt bis 2018, soweit sich die Wirtschaft gemäss des von Bullard vorgestellten Modells entwickelt.
17.06.2016 17:49

In einer Stellungnahme schrieb Bullard über die neue Projektionsmethode von einem "neuen Narrativ". Die Leitzinsprognose basiere auf einem realen Wachstum von zwei Prozent, einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent und einer Inflationsrate von zwei Prozent. Dies entspricht in etwa der aktuellen Lage in den USA. Dieser Zustand wird für die kommenden zweieinhalb Jahre angenommen, woraus sich die Leitzinsprognose ableitet.

Bullard rechtfertigte die neue Prognosemethode damit, dass die Zinsprojektionen der Fed, die auf Vorhersagen ranghoher Notenbanker basieren, nicht besonders hilfreich gewesen seien. Auch der jüngst signalisierte Straffungskurs, der für dieses Jahr zwei Zinsanhebungen nahelegt, sei "zu steil", sagte Bullard. Er ergänzte, die Finanzmärkte glaubten ohnehin nicht an den signalisierten Kurs. Dies führe zu Verzerrungen an den Märkten und einer Beschädigung der Glaubwürdigkeit der Fed.

Die Leitzinsprognosen der Fed (Punktewolke oder "Dot Plot") werden an den Finanzmärkten oft als Hinweis auf den mittelfristigen Straffungskurs der Fed angesehen. Allerdings wurden die Prognosen in den letzten Monaten beständig nach unten korrigiert. Das heisst, die Fed-Prognosen stellten sich im Nachhinein immer als falsch heraus. Nicht wenige Fachleute sagen, die Fed habe damit einen Teil ihrer Reputation verspielt./bgf/jsl/jha/

(AWP)