USA und China bemühen sich im Handelskrieg um verbale Abrüstung

(durchgehend aktualisiert) - Nach der jüngsten Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China haben beide Seiten wieder versöhnlichere Töne angeschlagen. US-Präsident Donald Trump sagte am Montag am Rande des G7-Gipfels der grossen Industrienationen im französischen Biarritz, die USA und China wollten "sehr bald" neue Verhandlungen in ihrem Handelskonflikt aufnehmen. Die chinesischen Unterhändler hätten sein Team in Washington am Sonntag kontaktiert. Es gebe "sehr produktive" Gespräche. Auch China mühte sich, die Wogen wieder etwas zu glätten. Der chinesische Vizepremier Liu He äusserte den Willen, die Probleme "mit einer ruhigen Haltung zu lösen".
26.08.2019 14:48

Der Handelskrieg zwischen den USA und China läuft seit Monaten und belastet zunehmend die globale Wirtschaft. Beide Seiten überziehen einander schrittweise mit immer neuen Strafzöllen. Am Freitag und übers Wochenende hatte sich die Lage in dem Konflikt zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften weiter heftig zugespitzt.

Nachdem Chinas Regierung am Freitag neue Strafzölle auf bestimmte US-Einfuhren ankündigte, holte Trump nur Stunden später zum grossen Gegenschlag aus: Die USA wollen demnach sämtliche Strafzölle auf Importe aus China um jeweils fünf Prozentpunkte anheben. Ausserdem will Trump US-Unternehmen dazu drängen, ihre Produktion aus China abzuziehen. Wie genau - das blieb allerdings offen. Unmittelbar nach Trumps Ankündigung reagierte Peking am Samstag abermals und drohte Washington mit Konsequenzen. Die US-Seite wiederum machte am Sonntag deutlich, dass auch eine weitere Anhebung der Strafzölle denkbar sei.

Am Montag bemühten sich beide Seiten aber um moderatere Töne. Der chinesische Chefunterhändler in dem Handelskonflikt, Vize-Premier Liu He, sagte nach Angaben des Wirtschaftsmagazins "Caixin" bei einer Veranstaltung in Chongqing: "Wir sind gewillt, die Probleme durch Beratungen und Kooperationen mit einer ruhigen Haltung zu lösen." Er betonte: "Wir glauben, die Eskalation des Handelskriegs ist nicht dienlich für China, die Vereinigten Staaten und ist nicht im Interesse der Menschen auf der Welt." China heisse weiter alle ausländische Investoren willkommen - inklusive jener aus den USA.

Auch Trump äusserte sich - im Kontrast zu seinen wütenden Äusserungen vom Freitag - auffallend friedlich und optimistisch. Am Rande des G7-Gipfels in Biarritz sagte er, China sei sehr an einem Abkommen interessiert. "Es ist sehr wichtig für sie." Die chinesische Seite habe am Sonntag Kontakt zu seinem Team in Washington aufgenommen, erklärte er, ohne weitere Details zu nennen. "Es ist das erste Mal, dass ich sehe, dass sie wirklich eine Vereinbarung schliessen wollen", sagte Trump. "Ich denke, dass es ein sehr positiver Schritt ist."

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sei ein sehr grosser Anführer, sagte Trump. Xi verstehe, dass eine Vereinbarung gut für China, für die USA und die Welt sei. "Und er kann Dinge tun, die andere Leute nicht tun können." Die Verhandlungen der Unterhändler beider Seiten würden sehr bald wieder aufgenommen.

Erneut warf Trump früheren US-Regierungen vor, nicht hart genug mit China umgegangen zu sein und etwa den Diebstahl von geistigem Eigentum mit einem Schaden für die USA in vielfacher Milliardenhöhe geduldet zu haben. "Was ich mit China tue, hätte schon vor 25 Jahren getan werden müssen", sagte Trump bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Biarritz.

Trump betonte, China verliere gerade Millionen an Jobs, weil Firmen ihre Produktion in andere Länder verlagerten. "Sie wollen eine vernünftige Lösung sehen." Die USA seien nach seiner Eskalation des Handelskrieges jetzt in einer besseren Position.

Merkel plädierte für eine Verhandlungslösung in dem Handelskonflikt. "Wir merken doch, dass wir alle miteinander verbunden sind", sagte die Kanzlerin in Gegenwart von Trump. "Wir freuen uns, wenn es zu einer Vereinbarung kommt, weil es in unser aller Interesse ist."

Der Handelskrieg zwischen den USA und China zieht die globale Wirtschaft nach unten und betrifft vor allem exportorientierte Nationen wie Deutschland./jac/DP/fba

(AWP)