Venezolaner tauschen vor Entwertung 100er-Scheine um

(Meldung vom Vortag ausgebaut)
14.12.2016 06:43

CARACAS (awp international) - Wegen der bevorstehenden Entwertung des 100-Bolívar- Scheins haben sich in Venezuela lange Schlangen vor den Banken gebildet. Im ganzen Land versuchten am Dienstag die Menschen ihre Geldscheine umzutauschen oder auf Konten einzuzahlen, wie die Zeitung "El Nacional" berichtete. Die Regierung kündigte an, die Scheine bis Donnerstagabend anzunehmen. Teilweise warteten die Venezolaner stundenlang vor den Banken auf den Umtausch.

Zuvor hatte Staatschefs Nicolás Maduro angekündigt, alle Geldscheine im Wert von 100 Bolívar zu entwerten. Die Regierung begründet die Entscheidung mit dem angeblichen gezielten Aufkauf der Währung aus dem Ausland. Es handle sich dabei um einen Komplott aus dem US-Finanzministerium, um Venezuela Liquidität zu entziehen und die Wirtschaft des Landes zu destabilisieren.

Um einen Rückfluss der 100-Bolívar-Scheine ins Land zu verhindern, schloss Venezuela die Grenzen zu Kolumbien für 72 Stunden. Nach Angaben von Verteidigungsminister Vladimir Padrino López wurden an der Grenze 117 Menschen festgenommen und 104 Millionen Bolívares beschlagnahmt.

Kolumbiens Aussenministerin María Ángela Holguín äusserte sich im Radiosender RCN besorgt darüber, dass kolumbianische Händler im Grenzgebiet unter der Schliessung leiden könnten. Kolumbien erbat sich Gespräche mit der venezolanischen Regierung, um die Grenzschliessung nach 72 Stunden wieder aufzuheben. Erst im August war die Grenze nach rund einem Jahr wieder geöffnet worden.

Wegen der galoppierenden Inflation im Land mit den grössten Ölreserven der Welt werden in den kommenden Tagen grössere Geldscheine eingeführt. Es sollen Scheine im Wert von 500, 1000, 2000, 5000, 10 000 und 20 000 Bolívares in Umlauf gebracht werden. Auf dem Schwarzmarkt werden derzeit für einen Dollar bis zu 3570 Bolívares gezahlt./jeb/DP/zb

(AWP)