Venezuelas Präsident Maduro will den Ölpreis erhöhen

(Ausführliche Fassung)
21.10.2016 17:06

CARACAS (awp international) - Wegen der drohenden Pleite des venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA sucht Präsident Nicolás Maduro Verbündete in anderen ölproduzierenden Ländern. Am Freitag brach der Staatschef zu einer Reise in den Nahen Osten auf, um eine Allianz für höhere Preise zu schmieden. Maduro werde nach Iran, Saudi-Arabien und Katar sowie in die Südkaukasus-Republik Aserbaidschan reisen, teilte PDVSA mit. Aus Regierungskreisen hiess es zudem, Maduro könnte auch Russland besuchen.

"Die Reise ist notwendig, um den Ölmarkt zu konsolidieren und zu stabilisieren und um realistische und faire Preise für unser Öl zu erhalten", sagte Maduro vor seinem Abflug. "Wir überqueren Ozeane und Kontinente für eine stabile Allianz mit Opec- und Nicht-Opec-Ländern." Venezuela ist selbst Mitglied im Ölkartell Opec.

Venezuela ist das Land mit den grössten Erdölreserven der Welt. Allerdings hat die sozialistische Regierung jahrelang nicht in moderne Fördertechnik und Raffinerien investiert. Derzeit kostet das Barrel (159 Liter) venezolanischen Öls etwa 43 US-Dollar. Um den Preis in die Höhe zu treiben, müssten sich bei der derzeitigen Nachfragesituation die erdölproduzierenden Länder auf eine Drosselung der Fördermenge verständigen.

PDVSA versucht derzeit, ausländische Gläubiger von einer Umwandlung 2016 und 2017 fälliger Anleihen in bis 2020 laufende Papiere zu überzeugen - mit einer hohen Verzinsung von 8,50 Prozent. Klappt die Aktion nicht, könnte es das baldige Aus bedeuten. Insgesamt geht es um ein Volumen von 5,3 Milliarden US-Dollar (4,8 Mrd. Euro). Das Angebot lief am Freitag aus.

Da die Einnahmen des Staatskonzerns in hohem Masse den Staatshaushalt finanzieren, befürchten Experten bei einer Zahlungsunfähigkeit von PDVSA auch eine mögliche Staatspleite. Das Unternehmen hat rund 150 000 Mitarbeiter. 2015 fielen laut Geschäftsbericht von PDVSA die Einnahmen von 122 Milliarden auf 72,2 Milliarden Dollar.

Das sozialistisch regierte Land hat wegen Misswirtschaft, hoher Inflation und dem niedrigen Ölpreis kaum noch Devisen, um die Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten zu bezahlen. Dadurch verschärft sich seit Monaten eine der schlimmsten Versorgungskrisen in der Geschichte Venezuelas. Die Opposition will den noch bis 2019 gewählten Maduro mit Hilfe eines Referendums absetzen lassen./ir/nr/DP/tos

(AWP)