Verschärfte Golf-Krise bringt Katars Landeswährung zum Absturz

Die weiter verschärfte diplomatische Krise zwischen führenden Golfstaaten hat die Landeswährung Katars stark unter Druck gebracht. Allein am Freitag verlor die Währung im Verhältnis zum US-Dollar über zwei Prozent an Wert. Dabei ist der Katar-Riyal seit 2001 weitgehend an den Dollar gekoppelt und schwankt daher normalerweise nur in geringem Umfang.
23.06.2017 12:44

Aufgrund der zunehmenden politischen Isolation Katars in der Golfregion ist der Katar-Riyal bereits seit Anfang Juni unter Druck. Eine Allianz aus arabischen Staaten beschuldigt Katar der Terrorfinanzierung sowie der politischen Nähe zum Iran und hat ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, den Luftverkehr gestoppt und die Grenzen geschlossen.

Katars Banken sind stark von Kundengeldern aus anderen Golf-Staaten abhängig, von denen nun viele abgezogen werden. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht ausserdem die Staatsfinanzen sowie das Wirtschaftswachstum in Gefahr und hat nach Ausbruch der diplomatischen Krise die Kreditwürdigkeit Katars gesenkt.

In der Nacht auf Freitag wurde der Konflikt erneut verschärft. Die Katar-Gegner haben mehrere Bedingungen für ein Ende des Konflikts gestellt, die nicht vollständig öffentlich sind. Beobachter sprechen von harschen Vorgaben, die Katar voraussichtlich nicht erfüllen werde. Nach dem Kursrutsch am Freitag mussten Anleger für einen Dollar bis zu 3,7794 Riyal hinblättern und damit so viel wie seit drei Jahrzehnten nicht.

Normalerweise gibt Katars Notenbank eine Kursobergrenze von 3,6415 Riyal vor. Trotz der weitgehenden Koppelung an den Dollar müssten die Währungshüter aber zumindest kurzfristig nicht direkt in den freien Handel am Devisenmarkt eingreifen, meint Dima Jardaneh, Nahostexperte bei der Bank Standard Chartered.

Auch nach dem Wertverfall könne die Notenbank weiterhin den heimischen Banken Dollar zum festgelegten Kurs anbieten und somit die Versorgung mit der US-Währung innerhalb Katars sichern. Schlussendlich sei aber zu erwarten, dass die Notenbank Dollarreserven verkaufen werde, um den Kurs des Katar-Riyal zu stützen./tos/jkr/zb

(AWP)