Wachstum der Biotech-Branche schwächt sich 2016 ab - Schweiz trotzt den Trends

Im Jahr 2016 hat sich das Wachstum in der Biotechindustrie in den USA und Europa verlangsamt und die Gewinne sind gesunken. Trotz rückläufiger Finanzierungen, stark gesunkener Bewertungen und zunehmendem Kostendruck haben die Unternehmen weiter in neue Behandlungen investiert, schreibt das Beratungsunternehmen EY in der am Dienstag zur Biotechnologieindustrie vorgestellten Studie.
20.06.2017 10:30

Die Umsätze der im Bericht analysierten börsengehandelten Biotechs aus den USA und Europa sind im Berichtsjahr um 7% auf über 139 Mrd USD angestiegen. Im Jahr 2015 lag die Wachstumsrate auf klar höheren 13%. Der kumulierte Reingewinn halbierte sich im Jahr 2016 auf 7,9 Mrd, heisst es in der 31. Ausgabe des jährlichen Reports von EY mit dem Titel "Beyond borders: staying the course".

Die Finanzierungen verzeichneten mit -27% auf 51,1 Mrd erstmals seit vier Jahren einen Rückgang. Trotz dieser Abnahme bewegten sie sich aber immer noch auf dem dritthöchsten jemals registrierten Niveau, heisst es weiter. Rückläufig entwickelte sich desweiteren die Marktkapitalisierung. Sie ging kumuliert um 17% auf 863 Mrd zurück. Im laufenden Jahr sei jedoch bereits eine Erholung zu sehen, so die Mitteilung.

Auf Rekordhöhe sind im vergangenen Jahr die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E) geklettert. Sie erreichten einen Wert von 45,7 Mrd USD, was einem Plus von 12% gegenüber dem Vorjahr gleichkommt. Mit den hohen F+E-Ausgaben müsse die Effizienz verbessert werden, damit die Kapitalrenditen erhöht und die Medikamente erschwinglicher gemacht werden könnten, fordern die EY-Experten.

"SEHR STARKES" BIOTECHJAHR FÜR SCHWEIZ

Die Schweiz trotzte den globalen Trends und erlebte laut EY ein "sehr starkes" Biotechnologiejahr 2016. So hätten Schweizer Biotechs in Europa nach britischen Firmen die zweithöchsten Beträge für ihre Geschäftsaktivitäten eingesammelt. Die Waadtländer ADC Therapeutics habe 105 Mio USD erhalten, mehr als jedes andere europäische Unternehmen. Und auch AC Immune sowie CRISPR Therapeutics konnten erhebliche private Risikokapitalbeträge mobilisieren.

Auch die Aussichten seien für Schweizer Biotechs vielversprechend: Der Trend zu einer grösseren Komplexität und beispielloser strategischer und politischer Unsicherheit eröffne neue Möglichkeiten, so Jürg Zürcher, EY EMEIA Biotechnology Leader. "Dank eines exzellenten Forschungsumfelds in einer kleinen Region ist der Schweizer Biotechsektor ideal positioniert, um Komplexität und Unsicherheit in Wirtschaftswachstum umzumünzen."

mk/cp

(AWP)