Weidmann: Expansive Geldpolitik verleitet selbst Deutsche zu riskanteren Anlagen

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat erneut vor den Folgen einer zu langen Phase mit einer extrem lockeren Geldpolitik in der Eurozone gewarnt. Mittlerweile sei zu beobachten, dass "selbst die in Anlageentscheidungen sehr konservativen Deutschen mehr in potenziell ertragreichere, aber eben auch riskantere Finanzanlagen wie Aktien und Investmentfondsanteile investieren", sagte Weidmann am Donnerstag laut Redetext in Frankfurt. Er sprach von einem Überschwang, der derzeit auf einigen Märkten zu beobachten sei.
14.09.2017 18:26

Der EZB-Rat müsse darauf achten, den richtigen Zeitpunkt für eine geldpolitische Normalisierung nicht zu verpassen, sagte Weidmann. Der Chef der Bundesbank ist selbst Mitglied in diesem geldpolitischen Entscheidungsgremium. Weidmann zeigte sich weiter besorgt, dass die Notenbank bei einem zu langen Offenhalten der Geldschleusen kaum noch auf eine neue Wirtschaftskrise reagieren könne. Es stelle sich die Frage, "wie viel Wasser unter dem Kiel der Geldpolitik bleibt, wenn der nächste Abschwung kommt", warnte Weidmann.

Noch sieht Weidmann die Konjunktur in der Eurozone aber auf einem guten Weg. "Die wirtschaftliche Erholung im Euroraum gewinnt nämlich weiter an Fahrt und ist breit angelegt", kommentierte Weidmann die Entwicklung. Trotz des Aufschwungs sei der Inflationsdruck im gemeinsamen Währungsraum weiterhin "recht verhalten"./jkr/zb

(AWP)