Weltweites Wachstum der Versicherungsprämien schwächt sich ab - China als Stütze

(Mit weiteren Angaben - unter anderem aus einer Studie der Allianz - ergänzt) - Das weltweite Prämienwachstum der Versicherer hat sich im Jahr 2016 gemäss der dazu jährlich vom Rückversicherer Swiss Re durchgeführten sigma-Studie abgeschwächt. Der Grund liegt in erster Linie in der schwächeren Entwicklung der Industrieländer, wo gut 80% der weltweiten Versicherungsprämien eingenommen werden. Aber auch in den meisten Schwellenländern hat das Wachstum an Fahrt verloren, mit Ausnahme von China.
05.07.2017 13:10

Die Erstversicherungsprämien legten real bzw. teuerungsbereinigt um 3,1% zu nach einem Wachstum von 4,3% im Jahr 2015. Die Zunahme sei trotz des moderaten weltweiten Wirtschaftswachstums von 2,5% erreicht worden, teilte die Swiss Re am Mittwoch mit. Nominal in US-Dollar gerechnet wuchs das Volumen um 2,9% auf 4'732 Mrd USD. Bei der Umrechnung in Dollar wirkte sich die Talfahrt gewisser Währungen wie dem britischen Pfund nach der Brexit-Abstimmung aus.

WACHSTUMSVERLANGSAMUNG IN DER LEBENSVERSICHERUNG

In der Lebensversicherung nahm das weltweite Volumen real um 2,5% auf 2'617 Mrd USD zu, dies nach einem Plus von deutlich höheren 4,4% im Jahr davor. Mit der Zunahme im 2016 liege die Branche aber immer noch über dem zehnjährigen Durchschnitt von 1,1%, so die Studie. Wachstumstreiber blieben dank China die Schwellenländer mit einem Anstieg von 17% (10-jähriger Durchschnitt: +8,4%). In den entwickelten Ländern nahmen die Prämien um 0,5% ab.

Die Nichtlebenprämien kletterten insgesamt real um 3,7% auf 2'115 Mrd USD nach zuvor einem Plus von 4,2%. Der zehnjährige Durchschnitt beläuft sich auf 2,0%. Auch hier hatten die Emerging Markets mit plus 9,6% (10-jähriger Durchschnitt: +8,3%) die Nase vorn, wobei erneut China mit einem Anstieg von 20% wesentlich dazu beigetragen hat. In den entwickelten Ländern schwächte sich das Wachstum dagegen auf 2,3% von 3,3% im Jahr 2015 ab.

China hat sich mit einem Prämienvolumen von 466 Mrd USD dank des starken Wachstums auf den dritten Platz in der weltweiten Versicherungsstatistik vorgeschoben. Im Jahr 2000 lag der chinesische Versicherungsmarkt noch auf Rang 16. Rang zwei belegt derzeit Japan mit einem Volumen von 471 Mrd und die klare Führung behält der US-Markt mit rund 1'350 Mrd.

Die Schweiz steht auf Platz 17. Allerdings sanken die Prämieneinnahmen 2016 um nominal 2,8% auf 57,5 Mrd CHF. Im Vorjahr hatten sie noch um ein halbes Prozent zugelegt.

TIEFE ZINSEN BELASTEN

Insgesamt sind die Eigenkapitalrenditen laut Swiss Re sowohl in der Leben- als auch in der Nichtlebenversicherung zurückgegangen. Vor allem den Lebensversicherer mache das nach wie vor niedrige Zinsniveau zu schaffen. Die Nichtlebensversicherer leiden beim Zeichnen von Neugeschäft weiterhin unter Preisdruck. Die gestiegene Schadenlast aus Naturkatastrophen belaste die Resultate im Sachgeschäft ebenfalls.

Katastrophen verursachten 2016 weltweit gesamtwirtschaftliche Schäden von rund 175 Mrd USD. Das ist der höchste Stand seit 2012 und der liegt deutlich über jenem aus dem Vorjahr (94 Mrd). Von den Katastrophenschäden bezahlten die Versicherer 54 Mrd. Am teuersten war das Erdbeben im japanischen Kyushu mit Kosten von 4,9 Mrd.

WACHSTUM ZIEHT AN

Im Ausblick rechnen die Swiss Re-Ökonomen in der Lebensversicherung mit einer Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Jahren, dies vor allem dank China und Indien. Allerdings dürfte auch das Wachstum in den entwickelten Ländern zulegen. Dagegen sei am weltweiten Nichtlebensektor weiterhin nur mit moderatem Wachstum zu rechnen, schreibt Swiss Re. Auch hier werde die Branche von China angetrieben.

Von steigenden Wachstumsraten gehen auch die Experten der deutschen Allianz-Gruppe aus. Nach einem Prämienwachstum von 2008 bis 2016 von durchschnittlich 3,1% pro Jahr, dürften die jährlichen Raten in der kommenden Dekade auf 5,9% anziehen, kommt die Allianz in ihrer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten "Trend Watch"-Studie für den weltweiten Versicherungsmarkt zum Schluss.

Dieser Aufschwung spiegle in erster Linie die Rückkehr der Weltwirtschaft zu normalen Wachstums- und Inflationsraten wider, so die Allianz. Getragen werde er von den Industrieländern, wobei in Westeuropa nach dem Nullwachstum der letzten Jahre in der Zeit bis 2027 durchschnittlich um jährlich knapp 3% zulegen dürfte. In Nordamerika rechnen die Experten im selben Zeitraum mit einer Verdoppelung des Marktwachstums auf 3,7%.

In vielen Schwellenländern sei dagegen von einer leichten Abschwächung auszugehen, allerdings auf nach wie vor deutlich höherem Niveau. So dürften die Region Lateinamerika und viele asiatische Schwellenländer auch in den nächsten zehn Jahren zweistellige Wachstumsraten aufweisen; allen voran der chinesische Versicherungsmarkt, so die Allianz.

mk/rw

(AWP)