Wirtschaftskriminalität verursacht gemäss Studie Rekordschaden in der Schweiz

Noch nie sind an Schweizer Gerichten Fälle von Wirtschaftskriminalität mit so hohen Schäden behandelt worden wie 2016. Die Zahl der Fälle ist mit 57 zwar geringer als im Vorjahr. Der Gesamtschaden in Höhe von 1,4 Mrd CHF neuer Rekord.
22.02.2017 12:10

Im Vorjahr hatte die Schadensumme noch bei 280 Mio CHF gelegen, wie das Beratungsunternehmen KPMG am Mittwoch mitteilte. Grund für das Allzeithoch ist vor allem der Fall Behring, der grösste Betrugsfall in der jüngeren Schweizer Geschichte mit einem Schaden von 800 Mio CHF.

2000 Personen wurden dabei durch gewerbsmässigen Anlagebetrug, ein sogenanntes Schneeballsystem, geschädigt. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona verurteilte den Angeklagten Dieter Behring im September 2016 nach rund 12 Jahren Prozessvorbereitung zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Ausser dem Behring-Prozess gab es drei Fälle mit Schäden von jeweils über 125 Mio CHF. Die Untersuchung von KPMG beruht auf Wirtschaftskriminalitätsfällen mit einem Schadensbetrag von mindestens 50'000 CHF, die im Berichtsjahr von einem Schweizer Strafgericht verhandelt wurden und über die in den wichtigsten Schweizer Tages- und Wochenzeitungen berichtet wurde. Den Bericht gibt es seit 2009.

GEFAHR DROHT DURCH CHEFS

Führungskräfte stellten aufgrund ihrer internen Stellung und ihres Handlungsspielraums in den Unternehmen bei der Wirtschaftskriminalität die grösste Gefahr dar, schreibt KPMG. So sei das Management in 58 Prozent aller Fälle alleine für die Taten verantwortlich und in weiteren 21 Prozent der Fällen zusammen mit Angestellten involviert gewesen.

Die häufigsten Delikte bei den Wirtschaftsverbrechen waren im vergangenen Jahr gewerbsmässiger oder einfacher Betrug. Die Motivation für die Täter lag oft in der Finanzierung eines aufwendigen Lebensstils (13 Fälle) oder im Abwenden des Konkurses der eigenen Firma (7 Fälle).

INVESTOREN GRÖSSTE OPFERGRUPPE

Private und institutionelle Anleger waren gemäss dem Bericht die am stärksten betroffene Gruppe von Geschädigten. Der Gesamtschaden belief sich hier auf rund 1,16 Mrd CHF und wies mit 165 Mio CHF zudem den höchsten Durchschnittswert bei der Schadenssumme auf. Oft traten in diesen Fällen unabhängige Vermögensberater und Devisenhändler als Delinquenten auf.

Am zweithöchsten fällt der Gesamtschaden mit rund 159 Mio CHF bei der öffentlichen Hand aus. Jedoch liegt hier die durchschnittliche Schadenssumme mit 13 Mio CHF vergleichsweise tief. Im Vorjahr hatten noch Privatpersonen sowie nichtkommerzielle Organisationen am stärksten unter der Wirtschaftskriminalität gelitten.

(AWP)