Wirtschaftswachstum in Eurozone verliert an Tempo - Sorgen um Italien

(Zusammenfassung)
12.08.2016 14:30

WIESBADEN/LUXEMBURG (awp international) - Die deutsche Wirtschaft hält trotz Tempoverlustes die Konjunktur im Euroraum am Laufen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der grössten europäischen Volkswirtschaft stieg getragen vom Aussenhandel und dem Konsum im zweiten Quartal gegenüber dem Jahresbeginn um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Die Unternehmen hielten mit sich allerdings mit Investitionen zurück, das bremste das Wachstum. Im ersten Vierteljahr hatte die Wirtschaftsleistung noch um 0,7 Prozent zugelegt.

In der Eurozone wuchs das Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum um 0,3 Prozent, nach einem Plus von 0,6 Prozent zum Jahresbeginn. Das Statistikamt Eurostat bestätigte am Freitag vorläufige Daten. Sorgen bereiten vor allem Italien und Frankreich, dort stagnierte die Wirtschaft. "Dabei wiegen die Konjunktursorgen mit Blick auf den längerfristigen Trend in Italien deutlich schwerer als in Frankreich, wo noch zu Jahresbeginn eine überraschend hohe Wachstumsrate zu verzeichnen war", erklärte Stefan Kipar von der BayernLB.

BAUINVESTITIONEN IN DEUTSCHLAND SINKEN

In Deutschland sanken vor allem die Bauinvestitionen im zweiten Quartal. Zu Jahresbeginn hatte der milde Winter die Bauwirtschaft angetrieben, Projekte wurden vorgezogen. Dieser Effekt entfiel nun. Volkswirte hatten insgesamt mit einer stärkeren Konjunkturabkühlung im Frühjahr gerechnet. Im Schnitt erwarteten sie ein Wachstums von nur 0,2 Prozent in Deutschland.

Angekurbelt wurde die Konjunktur von April bis Juni nach Angaben der Wiesbadener Behörde insbesondere vom Aussenhandel. Zwar hatte der deutsche Export im ersten Halbjahr angesichts der Eintrübung der Weltwirtschaft an Schwung verloren. Die Unternehmen exportierten aber immer noch mehr als im Vorjahr. Die Importe sanken hingegen leicht. Unter dem Strich trug der Aussenhandel damit massgeblich zum Wachstum bei.

BREXIT-VOTUM

"Dieser dürfte sich jedoch - gerade mit Blick auf die Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die EU zu verlassen - zum Jahreswechsel 2016/17 eher gedämpft entwickeln", erklärte Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Zwar dürfte es im zweiten Halbjahr weniger rasant nach oben gehen, sagte auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Warnungen vor einem Unsicherheitsschock durch die Brexit-Entscheidung seien jedoch überzogen. "Viel wichtiger als der Brexit ist für die deutsche Wirtschaft die nachlassende Nachfrage aus China und der starke Konsum im Inland". Diese gegenläufigen Einflüsse sollten sich weiter weitgehend die Waage halten.

FLÜCHTLINGE

Getragen wird das deutsche Wachstum nach Einschätzung von Ökonomen in den kommenden Monaten vor allem von den Ausgaben des Staates für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge und dem privaten Konsum. Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch belohnt wird und die gesunkenen Energiepreise die Budgets entlasten. Löhne und Renten steigen und die Inflation ist niedrig. Zudem ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt unverändert gut.

Die höchsten Wachstumsraten im Euroraum wiesen im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr die Euroländer Slowakei (0,9 Prozent) sowie Spanien und Zypern (je 0,7 Prozent) aus. Die griechische Wirtschaft schwenkte auf Erholungskurs. Die Wirtschaft des Krisenlandes legt um 0,3 Prozent zu, nachdem sie zum Jahresbeginn noch leicht geschrumpft war./mar/DP/jha

(AWP)