WTO warnt vor hohen Risiken für den Welthandel

(Ausführliche Fassung) - Unsicherheit über die künftige Handelspolitik der grossen Weltwirtschaftsplayer birgt nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) erhebliche Risiken für den Welthandel. "Die kurzfristig unvorhersehbare Entwicklung der Weltwirtschaft und der Mangel an Klarheit über Regierungspläne in Bezug auf Währungs-, Steuer- und Handelspolitik erhöhen das Risiko, dass der Handel erstickt wird", hiess es am Mittwoch im WTO-Jahresbericht zum Welthandel.
12.04.2017 12:48

Diese Risiken könnten die Prognose für eine Erholung des Welthandels 2017 zunichte machen, so die WTO. Vorläufig stellt sie aber ein Handelswachstum weltweit von 2,4 Prozent in Aussicht, nach 1,3 Prozent im Vorjahr. Es wäre das erste Mal seit der Finanzkrise 2008, dass alle Weltregionen gleichermassen beim Handel zulegen. 2018 könnte der Welthandel demnach zwischen 2,1 und 4 Prozent zulegen.

Als zwischenstaatliche Organisation mit 164 Mitgliedsländern nennt die WTO kein Land beim Namen. Generaldirektor Roberto Azevêdo wollte nicht auf mögliche Folgen von US-Präsident Donald Trumps Drohung mit Strafzöllen eingehen. "Wir kennen die US-Handelspolitik noch nicht. Wir müssen uns gedulden", sagte er am Sitz der Organisation in Genf. Dabei seien Vorhersehbarkeit und Stabilität in diesen Zeiten wichtig: "Unsicherheit friert Investitionen und Produktion ein."

Azevêdo hatte die US-Verlautbarungen aber früher schon kritisiert. "Ohne Handel wird Amerika niemals 'great again'", sagte er der "Bild"-Zeitung im Februar. "Wenn wir einen Handelskrieg erleben, wäre das katastrophal." Trump hat Strafzölle von bis zu 35 Prozent auf Autos angedroht, die nicht in den USA gefertigt werden. Das könnte deutsche Marken wie Audi , BMW und Daimler treffen.

"Wir sollten Handel als Teil der Lösung wirtschaftlicher Probleme sehen, nicht als Teil des Problems", sagte Azevêdo am Mittwoch. "Handel beflügelt Wachstum, Arbeitsplatzschaffung und Entwicklung." Gleichzeitig müssten die Bedenken der Menschen, die ihre Jobs durch den technologischen Wandel und neue Handelsströme bedroht sehen, ernst genommen werden. Wichtig seien Trainings- und Ausbildungsinitiativen. "Handelsbarrieren aufzubauen schafft keine neuen Jobs, sondern vernichtet sie", sagte Azevêdo.

Als Risiken nannte die WTO auch Inflationsdruck, der Zentralbanken zu schnellen Zinsanpassungen zwingen könnte, und die unklaren Modalitäten des EU-Austritts von Grossbritannien. Für ihre Handelsprognose geht die WTO von einem Weltwirtschaftswachstum von 2,7 Prozent in diesem und 2,8 Prozent im nächsten Jahr aus.

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(AWP)