Zahl der Raiffeisen-Filialen soll sinken - Stärkere Wohneigentumsförderung

(Meldung vom Samstag um weitere Details ergänzt)
11.12.2016 14:02

Zürich (awp/sda) - Der seit gut einem Jahr amtierende Chef der Raiffeisen Gruppe, Patrik Gisel, hat viel vor mit der Bank. So plant der Manager, die Zahl der rund 970 Bankstellen in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf ungefähr 800 zu reduzieren. Gleichzeitig plädiert er im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) vom Samstag für eine stärkere Wohneigentumsförderung und erteilt Negativzinsen eine Absage.

Die Gruppe werde in fünf Jahren nicht von Grund auf anders aussehen, kündigt Gisel in dem Interview an. "Wir werden in unserem Kerngeschäft weiterhin sehr stark sein, allerdings mit weniger Geschäftsstellen als heute."

Die Transaktionen würden fast vollständig digital abgewickelt, sagte er weiter zur Frage, wo die Bank in fünf Jahren stehen werde. In den Raiffeisenbanken würden sich die Mitarbeitenden in erster Linie der Beratung widmen, was auch heisse, dass die Bargeldversorgung vielerorts nur noch über den Bancomat stattfinden werde. Der Digitalisierungsgrad werde zunehmen.

Zur Entwicklung bei der von Raiffeisen übernommenen Privatbank Notenstein La Roche sagte er, mit Notenstein sei man noch nicht so erfolgreich, wie sie sich das vorgestellt hätten. Die Kosten seien zwar radikal reduziert worden und das Angebot werde auf gewisse Mandatsarten beschränkt. "Wir müssen aber weiter an einer zukunftsorientierten Struktur feilen. Das heisst beispielsweise, dass wir die digitalen Kanäle ausbauen werden und noch mehr Effizienzgewinne innerhalb der Raiffeisen-Gruppe anstreben", sagte Gisel weiter.

NOTENSTEIN SOLL ZEHN PROZENT DER ERTRÄGE BRINGEN

Ziel sei es, rund zehn Prozent der Gruppenerträge über die Privatbank zu erreichen: Dafür müsse Notenstein La Roche aber weiter entwickelt werden. Sie solle vor allem auch für Raiffeisen-Kunden da sein, die im Lauf ihres Lebens komplexere Anlagebedürfnisse entwickelten. Unabhängig vom Erfolg von Notenstein sei und bleibe das Retailbanking ein Kerngeschäft von Raiffeisen.

Gefragt, warum der Prozess bei der Privatbank so lange dauert, fügt Gisel ergänzend hinzu, dass die vergangenen fünf Jahre für alle Vermögensverwalter sehr schwierig gewesen seien, unter anderem weil sie eine Weissgeldstrategie implementieren mussten.

FLEXIBLERE FÖRDERUNG BEI WOHNEIGENTUM

In dem Gespräch macht sich der Raiffeisen-Manager auch für eine flexiblere Förderung bei Wohneigentum stark. Sein Institut wolle dazu beitragen, Wohneigentum einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen. Angesichts der Zinsprognosen sehe er hier auch durchaus Spielraum, so Gisel. "Es gibt Käuferschichten, denen würde es helfen, wenn zu Beginn der Kreditlaufzeit ein niedrigerer kalkulatorischer Zins angewendet würde als die üblichen 4% bis 5%."

Mit Blick auf die wiederholten Warnungen der Schweizerischen Nationalbank, dass der Immobilienmarkt teilweise überhitzt sei, gibt sich Gisel weniger besorgt. Rein auf das Verhältnis von Kreditvolumen und Bruttoinlandsprodukt zu schauen, sei eine einseitige Betrachtung. Denn "die Vermögen der Schweizer sind noch stärker gestiegen." Dennoch wolle er nicht sagen, dass die SNB falsch liege, als Geschäftsbank nehme Raiffeisen nur eine etwas andere Gewichtung vor.

Ein klare Absage erteilt der Raiffeisen-Chef Negativzinsen. "Bevor wir auch nur daran denken, Negativzinsen für Privatkunden einzuführen, werden wir nach Kompensationsmöglichkeiten suchen", sagte Gisel. "Die Kunden von Raiffeisen würden Negativzinsen nicht verstehen."

hr/

(AWP)