Zahlungsmoral von Schweizer Firmen ist Weltklasse

Zürich (awp/sda) - Die Zahlungsmoral von Schweizer Firmen ist Weltklasse: Im Durchschnitt bezahlen hiesige börsenkotierte Unternehmen in diesem Jahr ihre Rechnungen nach 48 Tagen. Damit liegt die Schweiz in der Weltrangliste auf Platz 4 von 36 untersuchten Ländern.
14.07.2016 13:55

Weltweite Spitzenreiter sind unsere österreichischen Nachbarn mit 44 Tagen, wie aus einer Analyse des deutschen Kreditversicherers Euler Hermes hervorgeht, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Auf dem zweiten Rang liegen Neuseeland und die Niederlande mit je 46 Tagen.

In der Schweiz variiere das Zahlungsverhalten allerdings zwischen den verschiedenen Branchen. "Im Schweizer Detailhandel wird schon nach durchschnittlich 15 Tagen gezahlt und auch die Transportbranche mit 20 und die Nahrungsmittelindustrie mit 41 Tagen begleichen Rechnungen überdurchschnittlich schnell", erklärte Euler Hermes Schweiz-Chef Stefan Ruf.

Im Schweizer Pharma- und Chemiesektor sowie in der Papierindustrie und bei Haushaltswaren müssten Lieferanten jedoch überdurchschnittlich lange auf ihr Geld warten.

Schlusslicht in Europa ist das krisengeschüttelte Griechenland, das auf dem zweitletzten Platz der Rangliste liegt. Allerdings hat sich bei den hellenischen Firmen die Zahlungsmoral leicht verbessert: Nachdem sie im Vorjahr ihre Rechnungen erst nach 91 Tagen beglichen hatten, sind es 2016 durchschnittlich noch 89 Tage.

SCHLECHTESTE ZAHLUNGSMORAL IN CHINA

Noch mieser ist die Zahlungsmoral nur in China: Im Reich der Mitte werden Rechnungen im Schnitt erst nach 92 Tagen beglichen, 2015 waren es noch 88 Tage.

"In keinem Land wird 2016 so spät bezahlt wie in China", äusserte sich Euler Hermes-Chefökonom Ludovic Subran: "Die rote Laterne der Spätzahler für den roten Drachen, das ist ein Novum. Bis 2014 war Italien weltweites Schlusslicht. 2015 war es Griechenland vor China und Italien gleichauf."

Grund für die Entwicklung in China sei zum einen das verlangsamte Wirtschaftswachstum. "Zum anderem liegt es aber auch an den grossen Cash-Beständen der börsennotierten chinesischen Unternehmen, die sich längere Zahlungsziele leisten können", erklärte Subran.

Diese Firmen hätten seit 2010 ihre Bargeld-Bestände verdoppelt. Damit hätten sie Mittel für Investitionen - vor allem im Ausland. Zudem könnten sie ihre Kunden unterstützen, indem sie längere Zahlungsziele als Alternative zu Bankkrediten anböten, die in China sehr restriktiv vergeben würden.

In der chinesischen Elektronikindustrie wurden Rechnungen demnach 2015 erst nach durchschnittlich 139 Tagen bezahlt, Maschinenbauer beglichen ihre offenen Forderungen nach rund 134 Tagen und das Baugewerbe nach 109 Tagen.

(AWP)