Zentralbank der Notenbanken warnt vor Gefahren für Weltwirtschaft

Basel (awp/sda/reu) - Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) macht sich Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft. Der Produktivitätsanstieg sei ungewöhnlich niedrig, die globalen Schuldenstände beispiellos hoch und der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum äusserst eng, warnte die Dachorganisation der Zentralbanken in ihrem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht.
26.06.2016 14:14

Das Unbehagen zeige sich am deutlichsten in den anhaltend niedrigen und teilweise sogar negativen Zinsen. "Die Grenzen des Undenkbaren werden immer weiter ausgedehnt", sagte BIZ-Chefökonom Claudio Borio am Sonntag bei einem BIZ-Treffen in Basel. Mitte Juni seien Staatsanleihen im Wert von fast neun Billionen Dollar mit negativen Renditen gehandelt worden - ein neuer Rekord.

"Eine Entlastung der Geldpolitik, der viel zu lange zu viel aufgebürdet wurde, ist unerlässlich", mahnte Borio. In der Euro-Zone liegen die Leitzinsen inzwischen auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Europäischen Zentral bank (EZB) Geld parken.

Der Einlagensatz liegt momentan bei minus 0,4 Prozent. Eine Abkehr von der in Deutschland höchst umstrittenen ultralockeren Geldpolitik ist momentan nicht in Sicht.

Neuausrichtung der Wirtschaft nötig

Wesentlich beigetragen zur "gegenwärtigen Malaise" habe das Unvermögen, die enorm schädlichen Auf- und Abschwünge des Finanzsystems in den Griff zu bekommen und das daraus entstandene schuldenfinanzierte Wachstumsmodell.

"Eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung ist dringend nötig", forderte Borio. Die Reform des Finanzsystems müsse abgeschlossen werden. Zudem müsse sichergestellt werden, dass die öffentlichen Finanzen tragfähig würden. Strukturreformen sollten vorangetrieben werden.

Die BIZ mit Sitz in Basel wurde 1930 gegründet. Sie fungiert als eine Art Zentralbank der Notenbanken in aller Welt. Unter anderem spielt sie bei der Verwaltung der weltweiten Devisenreserven und Goldbestände der Notenbanken eine wichtige Rolle.

(AWP)