ZEW-Konjunkturerwartungen hellen sich überraschend deutlich auf

(Ausführliche Fassung) - Nach vier Rückgängen in Folge haben sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten im September wieder aufgehellt. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg um 21,6 Punkte auf minus 22,5 Zähler, wie das Institut am Dienstag in Mannheim mitteilte. Der Anstieg war deutlich stärker als erwartet. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf minus 38,0 Punkte gerechnet.
17.09.2019 12:30

"Die Zunahme der ZEW-Konjunkturerwartungen bedeutet keine Entwarnung bezüglich der Entwicklung der deutschen Wirtschaft im kommenden halben Jahr", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die Aussichten bleiben weiterhin negativ." Allerdings hätten sich die "recht starken Befürchtungen" hinsichtlich einer weiteren Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China nicht bewahrheitet, sagte Wambach. Zudem versuche die Europäische Zentralbank (EZB), die konjunkturellen Risiken zu reduzieren. Die EZB hatte am vergangenen Donnerstag ein umfassendes Lockerungspaket beschlossen.

Wenig zuversichtlich für die weitere konjunkturelle Entwicklung zeigt sich Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Auch wenn es zu einer Lösung der Zollstreitigkeiten käme, müssen wir leider feststellen: Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen." Die Auftragseingangsdaten aber auch die Daten zur Industrieproduktion würden wenig Anlass geben, von einer raschen wirtschaftlichen Trendwende auszugehen. "Die kommenden Quartale werden für die deutsche Industrie ungemütlich bleiben."

Bei der Beurteilung der aktuellen Lage ist hingegen keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: Der entsprechende Indexwert verschlechterte sich um 6,4 Punkte auf minus 19,9 Punkte. Dies ist der niedrigste Wert sei Mai 2010. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf minus 15,0 Punkte gerechnet.

Deutlich verbessert haben sich im September auch die Konjunkturerwartungen für die Eurozone. Der Indikator sei um 21,2 Punkte auf minus 22,4 Punkte gestiegen. Die Lagebeurteilung verschlechterte sich um 1,1 Punkte auf minus 15,6 Punkte. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Daten./jsl/jkr/men

(AWP)