ZEW-Konjunkturerwartungen trüben sich weiter ein

(Ausführliche Fassung) - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Juli etwas stärker als erwartet eingetrübt. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel um 1,1 Punkte auf 17,5 Zähler, wie das ZEW am Dienstag in Mannheim mitteilte. Bankvolkswirte hatten nur einen Rückgang auf 18,0 Punkte erwartet. Im Mai hatte der Indikator noch bei 20,6 Punkten den höchsten Stand seit August 2015 erreicht.
18.07.2017 11:53

"Unsere Gesamteinschätzung für die Konjunkturentwicklung in Deutschland ändert sich nicht gegenüber dem Vormonat", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Daten. "Nach wie vor ist der Ausblick für das Wirtschaftswachstum in den nächsten sechs Monaten recht positiv".

Etwas schwächer wurde allerdings auch die konjunkturelle Lage in Deutschland eingeschätzt. Hier meldete das ZEW-Institut für Juli einen Rückgang um 1,6 Punkte auf 86,4 Zähler.

Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der VP Bank, Thomas Gitzel, ist der Rückgang des ZEW-Indikators keine schlechte Nachricht. In den vergangenen Monaten waren wichtige Stimmungsindikatoren zu stark gestiegen und hätten damit eine "illusorische Wachstumsbeschleunigung" angedeutet. Nach Einschätzung von Gitzel dürfte der zuletzt starke Euro zur leichten Stimmungseintrübung beigetragen haben.

Für die Eurozone zeigten die vom ZEW ermittelten Daten ein gemischtes Bild. Der Erwartungsindikator für den Euroraum fiel um 2,1 Punkte auf 35,6 Punkte. Der Wert für die aktuelle Konjunkturlage verbesserte sich hingegen um 8,2 Punkte auf 28,7 Punkte. Seit vergangenem November ist der Indikator für die Konjunkturlage im Eurogebiet damit stetig gestiegen und hat inzwischen den höchsten Stand seit Januar 2008 erreicht. "Der Konjunkturausblick für das Eurogebiet hat sich damit insgesamt deutlich verbessert", hiess es weiter in der ZEW-Mitteilung.

Die Kursausschläge an den Finanzmärkten hielten sich nach der Veröffentlichung in Grenzen. Der Eurokurs baute die frühen Gewinne weiter aus und erreichte bei 1,1560 US-Dollar den höchsten Stand seit Mai 2016. Zuvor hatte eine ausgeprägte Dollar-Schwäche dem Euro bereits Auftrieb verliehen./tos/fbr

(AWP)