Zinsmarge für Retailbanken schrumpft laut Studie weiterhin

Zürich (awp) - Bei den Schweizer Retailbanken hält die Schrumpfung der Zinsmarge im derzeitigen Negativzinsumfeld an. Die Sparer müssen derweil zumindest vorerst keine Negativzinsen auf ihren Einlagen befürchten, wie es in einer Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY vom Mittwoch heisst. Solange die Retailkunden nicht umfassend mit Negativzinsen belastet werden, dürften aber auch die Zinssätze für Hypothekarkredite nicht deutlicher sinken, so die Studienverfasser.
21.09.2016 08:52

Die mittlere Zinsmarge bei den Schweizer Retailbanken betrug Ende 2015 noch 117 Basispunkte, was einem Rückgang zum Vorjahr um 5 Basispunkte entsprach, wie EY auf der Basis der Geschäftszahlen von 348 Retailbanken errechnet hat. Im ersten Halbjahr 2016 habe sich der Abwärts-Trend mit einem Margenrückgang von weiteren 3 Basispunkten fortgesetzt. Seit 2007 sei die Zinsmarge jährlich im Durchschnitt etwa um 5 Basispunkte zurückgegangen, so die Studie.

NEGATIVZINSEN IN ETAPPEN

Negativzinsen werden von den Banken weiterhin nur bestimmten Kundengruppen verrechnet, vor allem von den institutionellen Anlegern sowie den grösseren Unternehmungen, beobachtet EY. Die Einführung von Negativzinsen folge einer Logik und gehe in Etappen vonstatten: Zuerst würden diese bei international ausgerichteten institutionellen Kunden eingeführt, danach folgten nationale institutionelle Kunden wie Pensionskassen vor Grossunternehmen und Privatkunden mit sehr hohen Kontobeständen.

Erst am Ende würden auch die Retailkunden betroffen sein. "Die Banken gehen davon aus, dass die Retailkunden sehr empfindlich auf die Weiterverrechnung von Negativzinsen reagieren", wird EY-Bankenspezialist Roger Stettler in der Studie zitiert.

VERSCHÄRFTER KONKURRENZDRUCK

Die Retailbanken als die wichtigsten Kreditgeber des Landes refinanzieren ihre Ausleihungen überwiegend durch Kundeneinlagen. Weil den Sparern keine Negativzinsen berechnet werden, sei auch das Niveau der Hypothekarzinsen seit Einführung der Negativzinsen nur geringfügig gesunken, so die Studie. Sowohl die Konditionen für Kredite und Hypotheken wie auch die Zinssätze für Spareinlagen hätten sich vom Kapitalmarktzins entkoppelt und seien beide höher, als der Marktzins vorgebe.

Die im Vergleich zum Kapitalmarkt höheren Zinsen führten derweil am Hypothekarmarkt zu einer verstärkten Konkurrenz der Banken durch "Nicht-Banken" wie Versicherungen und Pensionskassen, wie EY beobachtet. Dies setze den Marktpreis unter Druck und könne letztendlich den Druck auf die Banken zu einer Weitergabe der Negativzinsen an Retailkunden erhöhen.

tp/uh

(AWP)