ZKB erhöht BIP-Prognose für die Schweiz - Politische Unsicherheiten über Europa

(Meldung mit weiteren Details von der Medienkonferenz ausgebaut)
24.11.2016 18:24

Zürich (awp) - Bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sehen die Ökonomen die Zukunft der Schweizer Wirtschaft etwas positiver. So erwarten die Experten um Christoph Schenk, den Chief Investment Officer, für das kommende Jahr ein BIP-Wachstum von 1,4%. Bisher war sie von Bruttoinlandsprodukt von +0,9% ausgegangen.

Wie Cornelia Luchsinger, Senior Economist bei der ZKB, vor Journalisten am Donnerstag betont, sind die Folgen des Brexit nicht so schlimm ausgefallen, wie zuerst befürchtet. Zwar wiesen die Indikatoren noch nicht auf einen Boom beim privaten Konsum hin, die Vorlaufindikatoren deuteten aber auf eine insgesamt besser Dynamik hin.

Etwas Rückenwind käme auch von Seiten der Rohstoffpreise, die sich stabilisiert hätten. Daher hat die ZKB auch für die Eurozone ihre BIP-Prognose von 0,7 auf 1,5% erhöht. Die bessere Lage in der Eurozone werde sich auch auf die Schweiz auswirken.

ES KOMMT AUF DEN HANDELSGEWICHTETEN FRANKENKURS AN

Ausserdem trügen auch die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt zu dem etwas aufgehellten Bild bei, hiess es. Wie der Devisenstratege David Marmet hervorhebt, erwartet die ZKB, dass der US-Dollar seine Stärke noch weiter ausbauen werde. Dies nehme etwas Druck von der SNB, die so eine etwas grössere Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro zulassen könne - Voraussetzung sei, dass sich der handelsgewichtete Frankenkurs etwas abschwächt. Und genau das tue er aktuell.

Auf die Frage, wie wahrscheinlich ein weiterer Zinsschritt der SNB sei, erklärte CIO Schenk, das hänge stark von der Währungsseite ab. Solange der Franken handelsgewichtet nicht aufwerte, werde die SNB wohl schlicht zwischen starkem Dollar und schwachem Euro abwägen. "Dass die SNB im Zweifel aber bereit ist, die Zinsen noch weiter zu senken, haben die jüngsten Kommentare gezeigt".

ZINSWENDE IN DER SCHWEIZ NICHT IN SICHT

So wird SNB-Präsident Thomas Jordan in verschiedenen Tageszeitungen an diesem Donnerstag mit den Worten zitiert, dass es trotz leicht anziehender Zinsen noch zu früh sei, um von einer Trendwende zu sprechen. Es gebe vielerorts immer noch Strukturprobleme, die Inflation und Wachstum tief hielten.

Während damit eine Zinswende hierzulande auch für das kommende Jahr unwahrscheinlich ist, erwartet die ZKB in den USA durchaus weiter anziehende Zinsen. Zunächst dürfte die US-Notenbank jetzt im Dezember den Leitzins anheben. Und 2017 dürften die US-Währungshüter dann zweimal aktiv werden, bevor sie 2018 durchaus noch häufiger die Zinsschraube nach oben drehen könnten.

Voraussetzung hierfür sei, dass der designierte US-Präsident Donald Trump mit seinem geplanten Fiskalpaket die gewünschten Erfolge feiern könne. Dass der Markt eine gewisse Erwartungshaltung an die Programme hat, zeige sich nicht zuletzt an den weltweiten Bond-Märkten. Zwar seien die Renditen bereits ab Oktober gestiegen, hätten mit der Wahl Trumps aber nochmals einen Schub bekommen. "Die Zinsnormalisierung in den USA wird das globale Renditeniveau anheben", zeigt sich Schenk überzeugt.

EZB BLEIBT EXPANSIV

In Europa wird dagegen die EZB an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten. Gerade mit Blick auf Europa zeigen sich die versammelten ZKB-Experten ähnlich besorgt wie andere Häuser. Die politischen Risiken seien ein klarer Belastungsfaktor, das beginne bereits mit dem Referendum im Dezember in Italien und gehe weiter mit den Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland im kommenden Jahr.

Mit Blick auf die Finanzmärkte mache sich diese Unsicherheit besonders deutlich mit der Zinsdifferenz zu deutschen Staatsanleihen bemerkbar, erklärte Schenk. Hier seien die Risikoaufschläge gerade für Südeuropäer wie Italien und Spanien zuletzt deutlich gestiegen.

hr/mk

(AWP)