Zuversicht über Entwicklung der Exporte eint Konjunkturforscher

(Meldungen von KOF und Seco zusammengefasst und mit weiteren Details ergänzt) - Von der Konjunkturforschungsstelle KOF befragte Ökonomen halten an ihrer Wachstums-Prognose von 1,5% für 2017 fest. Skeptischer blicken jedoch die Experten des Bundes auf die Wirtschaftsentwicklung: Das Seco senkt die Prognosen um 0,2 Prozentpunkte auf 1,4%.
20.06.2017 13:24

Die Erholung der Wirtschaft verlaufe weniger dynamisch als erwartet, begründete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) den Entscheid in einer Mitteilung vom Dienstag.

Die Expertengruppe des Bundes zählt damit aktuell zu den pessimistischeren unter den Konjunkturauguren. Ebenfalls ein Wirtschaftswachstum von 1,4% im laufenden Jahr prognostizieren die Konjunkturforscher der Bakbasel, des internationalen Währungsfonds (IWF) und die Ökonomen der UBS.

Deutlich höher liegen die Prognosen von Economiesuisse (+1,7%), der Westschweizer Konjunkturforscher der Créa (+1,7%) und der Zürcher Kantonalbank (+1,6%).

Die 19 Ökonomen, die von der KOF für ihren am Dienstag veröffentlichten Consensus Forecast befragt wurden, haben ihre Vorhersage für das Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) bei 1,5% belassen. Ebenfalls ein Wachstum von 1,5% erwarten die Ökonomen der Credit Suisse, der OECD und der Schweizerischen Nationalbank.

Lichtblicke sehen sowohl die Experten des Bundes als auch die von der KOF befragten Ökonomen bei der Entwicklung der Exporte. Die Schweizer Exporte dürften von der positiven weltwirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Positive Signale orten die Experten dabei in der Chemie- und Pharmabranche, in der MEM-Industrie, aber auch in der Uhrenindustrie. Laut dem KOF Consensus Forecast sieht die Lage besser aus als noch vor drei Monaten.

Auch was die Erholung auf dem Arbeitsmarkt angeht, sind sich die Konjunkturexperten einig: Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt 3,2% betragen.

UNEINIG BEI BAUINVESTITIONEN

Was den Bausektor anbelangt, sind die von der KOF befragten Ökonomen skeptisch: Sie haben ihre Wachstumsprognosen für die Bauinvestitionen nach unten korrigiert.

Laut Seco dürften die Bauinvestitionen hingegen leicht an Dynamik gewinnen. Dies vor dem Hintergrund der tiefen Zinsen und einer weiter starken Nachfrage nach Immobilien. Gleichzeitig warnen die Forscher auch vor einem "gewissen Risiko" im Immobiliensektor. In Anbetracht der steigenden Leerwohnungsziffern könnte eine stärkere Abschwächung der Baukonjunktur bevorstehen als prognostiziert.

Die Konjunkturauguren des Seco weisen in ihrer Mitteilung ausserdem auf Konjunkturrisiken im Zusammenhang mit der amerikanischen Geld-, Handels- und Fiskalpolitik sowie dem Brexit-Entscheid hin. Eine zusätzliche Unsicherheit gehe derzeit ausserdem von Italien aus. Im südlichen Nachbarland würden innerhalb des Prognosezeitraums Parlamentswahlen abgehalten und eine politische Instabilität drohe.

cp/

(AWP)