Aktien Frankfurt Ausblick: Erholungsversuch nach Brexit-Einbruch

FRANKFURT (awp international) - Nach dem massiven Kurseinbruch infolge des Brexit dürfte der Dax am Dienstag einen Erholungsversuch starten. Eine Dreiviertelstunde vor dem Handelsstart signalisierte der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex ein Plus von 1,76 Prozent auf 9431 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 dürfte sich ähnlich klar erholen.
28.06.2016 08:26

An den beiden vorangegangenen Handelstagen hatte der Dax wegen des britischen Votums für einen Abschied aus der Europäischen Union fast 10 Prozent beziehungsweise 1000 Punkte eingebüsst. Angesichts der unveränderten Unsicherheit über die Folgen der britischen Brexit-Entscheidung bleiben Börsianer allerdings vorsichtig. Der qualvolle Ausstiegsprozess könnte wochen- oder gar monatelang auf den Märkten lasten, sagte Marktstratege Michael McCarthy vom Broker CMC Markets.

Die Blicke richten sich zudem auf Konjunkturdaten. In den USA stehen am Nachmittag unter anderem der Case-Shiller-Hauspreisindex sowie Daten zur Verbraucherstimmung auf der Agenda.

VW DROHT TEURE EINIGUNG IM DIESELSKANDAL

Volkswagen (VW) rückte mit möglicherweise höheren Kosten für den Dieselskandal in den USA in den Fokus. Die Gesamtsumme eines anstehenden Vergleichs mit privaten Klägern und Behörden belaufe sich mittlerweile auf mehr als 15 Milliarden US-Dollar, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das wären 5 Milliarden Dollar mehr als zuletzt erwartet.

Beim Broker Lang & Schwarz verteuerten sich die VW-Vorzugsaktien vorbörslich gleichwohl um über 2 Prozent - am Montag waren sie allerdings zum Handelsschluss mit mehr als 7 Prozent Minus einer der grössten Verlierer im Dax. Einige Investoren seien wohl schon vor der am Dienstag erwarteten Einigung mit US-Behörden und Klägeranwälten vorsichtig geworden, kommentierte ein Händler die gestrigen Verluste.

K+S STEHT VOR NEUEN UNSICHERHEITEN

Im MDax drohen dem Salz- und Düngerkonzern K+S neue Unsicherheiten. Thüringen unternimmt einen neuen Anlauf zur Beteiligung des Bundes an den immensen Kosten zur Sicherung stillgelegter Kali-Bergwerke. Ein Rechtsgutachten solle klären, ob der Bund trotz der Verträge aus den 1990er Jahren finanziell belangt werden könne, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) der Deutschen Presse-Agentur.

Das bedeute noch mehr Unsicherheit für die K+S-Papiere, sagte ein Händler. Die Aktien legten nach ihrem durch einen Gewinneinbruch bedingten Rutsch um 12 Prozent am Vortag nun vorbörslich nur unterdurchschnittlich zu. Bei der Fusion der ost- und westdeutschen Kali-Industrie hatte die Treuhand die K+S AG von den Kosten für DDR-Umweltschäden freigestellt. Gelder vom Bund dafür sind längst aufgebraucht.

Mit deutlichen 5 Prozent Plus profitierten derweil Stada-Aktien von erneuten Übernahmefantasien. Der US-Investor Guy Wyser-Pratte stieg bei dem unter Druck stehenden Arzneimittelhersteller ein. Er fordert einen Zusammenschluss mit einem internationalen Konkurrenten. Wyser-Pratte scheine auf den Übernahmezug aufgesprungen zu sein, sagte ein Händler. Stada steht bereits unter Druck, seit sich im Frühjahr der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC) mit einem grösseren Anteilspaket in das Unternehmen eingekauft hat./gl/ag

(AWP)