Aktien Frankfurt Ausblick: Sinkendes Brexit-Risiko beschert Kurssprünge

FRANKFURT (awp international) - Die laut Umfragen wachsende Mehrheit in Grossbritannien für einen Verbleib in der EU dürfte dem Dax am Montag kräftigen Auftrieb bescheren. Die Börsengewinne in Übersee stützen ebenfalls.
20.06.2016 08:33

Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte rund eine Dreiviertelstunde vor Handelsstart ein Plus von knapp 3 Prozent auf 9916 Punkte. Bereits am Freitag hatte der Dax wieder zugelegt, nachdem es seit Anfang Juni fast durchweg bergab gegangen war. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 dürfte am Montag mit einem fulminanten Plus von 3,3 Prozent in den Tag starten.

BREXIT-GEGNER GEWINNEN AN FAHRT

Mit Blick auf die Volksabstimmung in Grossbritannien am Donnerstag machten zuletzt die Gegner eines EU-Austritts wieder Boden gut: Der Trend bei Online- und Telefonbefragungen sowie bei den Wettanbietern spreche derzeit klar für einen Verbleib, sagte ein Händler. Damit könnten Absicherungen etwas zurückgefahren werden und die Risikoscheu nehme ab.

Am Wochende hatte sich Stanley Johnson, Vater des prominentesten Brexit-Befürworters Boris Johnson, für einen Verbleib seines Landes in der EU ausgesprochen. Zudem verliess eine prominente Befürworterin das Brexit-Lager. Das britische Pfund kann sich entsprechend weiter deutlich erholen.

WAHLEN IN ITALIEN

Vor dem Hintergrund des Referendums in Grossbritannien spielten Konjunkturdaten wie etwa die Erzeugerpreise aus Deutschland vorerst kaum eine Rolle, sagte Analyst Dirk Gojny von der National-Bank in Essen. Allerdings sollte US-Notenbankern Aufmerksamkeit geschenkt werden nach den Aussagen des Fed-Chefs von St. Louis, James Bullard. Dieser hält eine Zinserhöhung in diesem Jahr für ausreichend.

"Zudem ist der Ausgang der Kommunalwahlen in Italien ein weiteres Zeichen für die Spar- und Konsolidierungsmüdigkeit der Bürger im Euroraum", so Gojny. Mit Siegen bei den Bürgermeister-Stichwahlen in Rom und Turin konnte die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung einen überraschend klaren Doppelerfolg feiern. Das dürfte auch die Sorgen mit Blick auf die Neuwahlen in Spanien schüren, nachdem im Mai die Regierungsbildung gescheitert war.

Ein ebenfalls wichtiger Termin in dieser Woche ist das am Dienstag anstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Es geht um die Ankündigung von EZB-Chef Draghi aus dem Jahr 2012, zur Beruhigung der Finanzmärkte notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenländern zu kaufen.

KREISE: TELEKOM ERWÄGT KAUF VON HEG

Unter den Einzelwerten könnten die T-Aktien im Fokus stehen: Die Deutsche Telekom erwägt den Kauf des Hostinganbieters Host Europe Group (HEG), wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eine informierte Person berichtete. Der englische Anbieter von Speicherplatz für Webseiten und Daten sowie von Internetadressen könnte demnach bis zu rund 1,7 Milliarden Euro wert sein. Ein Telekomsprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Aktie legte bei Lang & Schwarz vorbörslich zweieinhalb Prozent zu.

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement muss sich für seinen Zusammenschluss mit dem Rivalen Italcementi wie erwartet von einem Teil seines US-Geschäfts trennen. Die amerikanische Wettbewerbsbehörde FTC forderte am Freitag mit Blick auf die Wettbewerbslage in den USA nach der Übernahme von Italcementi unter anderem den Verkauf einer Zementfabrik. Die Aktie legte bei L&S unterdurchschnittliche 2 Prozent zu.

Erstmals werden an diesem Tag die Aktien des Autozulieferers Schaeffler im MDax gehandelt. Der Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf , der zu grossen Teilen vom US-Rivalen Diebold übernommen wurde, musste in den SDax wechseln. Den Tausch hatte die Deutsche Börse bereits Anfang Juni verkündet./ck/das

(AWP)