Aktien Frankfurt: Dax fehlt es an frischer Kraft - Früher Euro-Effekt verfliegt

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat es am Freitag weiterhin an klarer Dynamik vermissen lassen. Der Dax stand gegen Mittag mit 0,28 Prozent im Minus bei 10'655,30 Punkten. Mangels richtungsweisender Impulse knüpfte er zu Wochenschluss an seinen Zick-Zack-Kurs der vergangenen Handelstage an. Im Vergleich zur Vorwoche hat er sich bis dato nur um wenige Punkte von der Stelle bewegt.
18.11.2016 12:08

Nach Ansicht der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) fehlt es dem Dax an Kraft, um die jüngste Rally nach dem US-Wahlsieg von Donald Trump auszubauen. "Das Momentum ist weiterhin zu schwach", schrieb Helaba-Experte Christian Schmidt am Morgen in einem Kommentar. Im Gegensatz zur Rekordjagd an den US-Börsen scheitert der deutsche Leitindex seit Monaten immer wieder an der vielbeachteten Marke von 10'800 Punkten. Vom Rekordwert bei über 12 000 Punkten ist der deutsche Leitindex noch weit entfernt.

EURO-EFFEKT SCHWINDET

Auch der schwache Euro konnte dem deutschen Aktienmarkt am Freitag nicht nachhaltig nach oben verhelfen. Nachdem die Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, am Vorabend erstmals ein klares Signal für einen Zinsschritt im Dezember gab, war die Gemeinschaftswährung am Morgen erstmals seit Dezember 2015 wieder unter die Marke von 1,06 US-Dollar gefallen, erholte sich dann aber wieder etwas. Ein schwacher Euro ist im Grunde günstig für die Exportaussichten der deutschen Unternehmen.

Auch bei den Werten aus der zweiten Reihe ergab sich am Freitag keine eindeutige Richtung. Die mittelgrossen Werte im MDax standen zuletzt knapp mit 0,14 Prozent im Minus bei 20'559,36 Zählern, während sich der Technologiewerteindex TecDax mit plus 0,11 Prozent auf 1'727,36 Punkte geringfügig besser schlug. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 dagegen lag zuletzt klar mit 0,77 Prozent im Minus bei 3'018,31 Zählern.

VW NACH ZUKUNFTSPAKT GEFRAGT - HEDGEFONDS BEI SLM AKTIV

Bei den Einzelwerten blieb die Nachrichtenlage vor dem Wochenende sehr dünn. Im Fokus standen vor allem die Volkswagen-Aktien nach der Vorstellung des sogenannten "Zukunftspaktes", mit dem sich der Autobauer fit für die Zukunft machen möchte. Gewinne von zwischenzeitlich mehr als einem Prozent bröckelten dahin, die Aktien lagen zuletzt sogar hauchdünn im Minus. Börsianer hatten sich am Morgen überrascht davon gezeigt, dass man sich mit dem Betriebsrat auf eine Streichung von über 20'000 Stellen in Deutschland einigen konnte.

SLM Solutions kletterten im TecDax um fast 2 Prozent. Sie bekamen Rückenwind von einer Stimmrechtsmitteilung, wonach der Hedgefonds Elliott die Anteilsschwelle von 10 Prozent an dem 3D-Druckerhersteller überschritten hat. Aus dieser geht hervor, dass die Investition vorrangig der Umsetzung strategischer Ziele dient. Elliott strebe eine Einflussnahme auf die Führung sowie eine wesentliche Änderung der Kapitalstruktur an.

ANALYSTENSTIMMEN BEWEGEN

Ansonsten sorgten hauptsächlich Analystenkommentare für Kursbewegungen. Abgaben im Bereich zwischen 1 und 2 Prozent bei Munich Re und Hannover Rück begründeten Börsianer mit einer weniger optimistischen Einschätzung durch die Experten von Merrill Lynch. Die defensiven Qualitäten von Rückversicherer-Aktien seien im aktuellen Marktumfeld weniger attraktiv, wurden die Experten der US-Bank von Händlern zitiert.

Südzucker dagegen kletterten nach einer Kaufempfehlung von Equinet an der MDax-Spitze um fast 3 Prozent. Vor dem Hintergrund des defensiven Geschäftsmodells sieht Christian Bruns die Papiere des Zuckerproduzenten verglichen mit den Aktien der Konkurrenz als attraktiv bewertet an. Er rechnet damit, dass die Aktie zeitnah von einem hohen Gewinnwachstum und einem starken Barmittelzufluss profitieren sollte.

BIOTECH-WERTE GEFRAGT

Im TecDax gehörten Biotech-Aktien zu den Gewinnern. Evotec knüpften mit einem Aufschlag von 2,4 Prozent an ihre jüngste Rally an und erreichten den höchsten Stand seit 2004. Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe sieht beim aktuellen Kurs von 6,11 Euro und einem neulich angehobenen Kursziel von 6,50 Euro nach wie vor etwas Kurspotenzial.

Morphosys profitierten ausserdem mit einem Aufschlag von mehr als 2 Prozent davon, dass die Privatbank Berenberg die Aktien in einer Ersteinschätzung zum Kauf empfiehlt. Analystin Klara Fernandes sieht Biotech-Unternehmen mit Fokus auf Antikörpern nach wie vor als attraktiven Teilsektor innerhalb der Gesundheitsbranche an./tih/fbr

(AWP)