Aktien Frankfurt Eröffnung: Anleger risikoscheu - Versorger gewinnen

Bevorstehende politische wie geldpolitische Entscheidungen haben bei den Dax-Anlegern am Mittwoch weiter für Zurückhaltung gesorgt. Der deutsche Leitindex gab in der ersten Handelsstunde um 0,24 Prozent auf 12 659,06 Punkte nach. Der MDax der mittelgrossen Unternehmen sank um 0,38 Prozent auf 25 352,93 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,26 Prozent auf 2303,93 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,06 Prozent nach unten.
07.06.2017 09:54

Bereits am Vortag belastete die Katar-Krise, nachdem der Dax Ende vergangener Woche bei 12 878 Punkten noch einen Rekordstand erreicht hatte. Dieser locke bislang aber keine Anschlusskäufer an, stellten die Experten vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar fest. "Stattdessen ist sogar eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten: Es kam zu relativ dynamischen Gewinnmitnahmen." Nun drohe sogar ein weiterer Rutsch.

Veröffentlicht wurden an diesem Mittwoch bereits jüngste Zahlen zum Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands, die stärker als erwartet gesunken waren.

SUPER-DONNERSTAG BEREITS AM MITTWOCH IM BLICK

Da im Wochenverlauf noch eine Reihe potenzieller Risiken auf die Anleger zukämen, agierten sie zunächst zurückhaltend, hiess es am Markt. So stehen am Donnerstag neben den britischen Parlamentswahlen auch Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Geldpolitik im Blick. Zudem könnte die geplante Anhörung des ehemaligen FBI-Chefs James Comey in den USA für weitere politische Turbulenzen Sorgen. Anleger sprechen angesichts der Vielzahl dieser möglicherweise marktbewegenden Ereignisse von einem "Super-Donnerstag".

Die vor wenigen Minuten getroffene Entscheidung des Bundesverfassungsgericht zur Brennelementesteuer schob die Aktien von RWE und Eon kräftig an. Die von 2011 bis 2016 kassierte Abgabe ist nach Auffassung des Gerichts unvereinbar mit dem Grundgesetz und das Gesetz nichtig. Damit können die Atomkonzerne auf Rückerstattung von insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro hoffen. Die RWE-Anteile gewannen an der Dax-Spitze knapp 3,5 Prozent. Eon legten um gut 3 Prozent zu.

Angetrieben von einer Kaufempfehlung der US-Bank Merrill Lynch verteuerten sich die Linde-Aktien um ein halbes Prozent. Mit der Zustimmung des Linde-Aufsichtsrats sei eine entscheidende Hürde für die Fusion mit dem US-Industriegase-Hersteller Praxair genommen worden, hiess es. Die Bank sieht einen Zusammenschluss positiv.

COVESTRO NACH PLATZIERUNG UNTER DRUCK

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer baute seine Beteiligung an der Kunststofftochter Covestro über Nacht weiter ab. Der Anteil sank von 53,3 Prozent auf 44,8 Prozent. Durch die Einlage von Anteilen in den Pensions-Treuhandverein Bayer Pension Trust werde sich der Anteil weiter verringern. Die Covestro-Aktien sackten im MDax um rund 4 Prozent ab. Nur die Titel des Möbel- und Handelskonzerns Steinhoff waren nach Halbjahreszahlen mit minus 4,5 Prozent noch schwächer.

Ein Grossauftrag für Plug-In-Hybrid-Modelle gab den Aktien des Autozulieferers Norma Rückenwind. Sie verteuerten sich im MDax um 0,62 Prozent. Im TecDax rückten die Papiere der Compugroup um 0,8 Prozent vor. Die Analysten der Deutschen Bank hatten ihr Kursziel für die Anteile des auf Arztpraxen und Apotheken fokussierten Softwareherstellers deutlich erhöht./ajx/ag

(AWP)