Aktien Frankfurt Eröffnung: Leichte Verluste

Dax und MDax haben ihrem Rekordlauf am Donnerstag etwas Tribut gezollt. Die zwei wichtigsten deutschen Aktienindizes gaben moderat nach, zumal positive Impulse von der Wall Street ausgeblieben waren. Die laut der Marktforschungesellschaft GfK beste Verbraucherstimmung in Deutschland seit Oktober 2001 konnte die Anlegerlaune ebenfalls nicht heben.
27.04.2017 09:57

Grundsätzlich gebe es zwar noch etwas Luft für einen weiteren Anstieg in nächster Zeit, doch die Vernunft rate vorerst zur Vorsicht, kommentierte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistikmagazin Index-Radar. Kurzfristig nämlich sei das Kurspotenzial zu grossen Teilen ausgeschöpft.

Der deutsche Leitindex gab im frühen Handel um 0,31 Prozent auf 12 434,51 Punkte nach, und der Index für mittelgrosse Unternehmen sank um 0,30 Prozent auf 24 564,54 Punkte. Tags zuvor hatten beide Indizes mit kleinen Schrittchen weitere Bestmarken erzielt, mit einer regelrechten Kursrally allerdings schon am Montag als Reaktion auf den ersten Wahlgang in Frankreich beeindruckt. Der Technologie-Index TecDax verlor 0,25 Prozent auf 2078,54 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gab gut ein halbes Prozent ab.

STEUERPLÄNE SORGEN IN USA FÜR VERHALTENE REAKTION

In den USA hatten die von der neuen US-Regierung vorgestellten Steuerpläne am Vorabend mangels Details für eine verhaltene Reaktion an der Börse gesorgt. Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK sprach von einer "gewissen Enttäuschung" am Markt. Laut dem Marktexperten Christian Henke vom Broker IG ist es zudem fraglich, ob die Steuerpläne überhaupt vom US-Kongress verabschiedet werden. Schon bei der Gesundheitsreform habe US-Präsident Donald Trump eine Schlappe erlitten.

Bevor am frühen Nachmittag die Europäische Zentralbank mit ihrer Zinsentscheidung in den Fokus rückt und einige US-Konjunkturdaten veröffentlcht werden, stehen Unternehmensbilanzen im Fokus. Allein aus dem Dax öffneten unter die Deutsche Bank , BASF , die Lufthansa und Bayer ihre Bücher.

DEUTSCHE BANK SCHWACH - BAYER FAVORIT NACH ZAHLEN

Die Deutsche Bank konnte zwar ihren Gewinn vor Steuern deutlicher steigern als von Analysten erwartet, bemängelt wurde am Markt aber die operative Entwicklung im ersten Quartal. Die Aktien büssten daraufhin 2,88 Prozent ein. Der Lufthansa verhalfen gute Geschäfte mit Fracht und Wartung überraschend zu schwarzen Zahlen. Unter dem Strich vergrösserte sich das Minus diesmal jedoch im Jahresvergleich deutlich. Anleger quittierten die Zahlen mit Verkäufen, die Papiere sanken um 1,75 Prozent.

Auch die Anteilsscheine von BASF zeigten sich schwach mit minus 2,31 Prozent, während die von Bayer mit plus 2,96 Prozent die Dax-Spitze eroberten. Der Chemiekonzern BASF meldete überraschend starke Quartalszahlen. Die Ziele für das laufende Jahr seien aber im Grund nur bestätigt worden, monierte ein Händler, auch wenn BASF inzwischen damit rechnet, dass der operative Gewinn vor Sondereffekten das obere Ende der angegebenen Spanne erreichen wird. Der vor allem wegen der Übernahmepläne zu Monsanto im Blick stehende Chemiekonzern Bayer hatte hingegen seine Jahresziele angehoben, nachdem im ersten Quartal alle Geschäftsbereiche besser als erwartet abgeschnitten hatten.

WACKER CHEMIE, ADVA UND SILTRONIC AUF TALFAHRT

Wacker Chemie waren nach Zahlen mit minus 5,09 Prozent Schlusslicht im MDax und die Papiere des Telekomausrüsters Adva büssten nach einem enttäuschenden Ausblick auf das zweite Jahresviertel im TecDax 7,72 Prozent ein. Siltronic litten nach schwächer als erwartet ausgefallener Jahresbilanz mit minus 5,66 Prozent unter Gewinnmitnahmen. In den Monaten zuvor hatten die Aktien des Wafer-Herstellers von einer Branchenerholung profitiert und auf Sicht von zwölf Monaten um rund 250 Prozent zugelegt.

Ein angekündigter drastischer Gewinnrückgang im laufenden Jahr belastete im SDax die Biotest-Papiere . Mit minus 2,23 Prozent auf 19,33 Euro fielen sie damit dicht an den Gebotspreis von 19,00 Euro, den der chinesische Investor Creat im Zuge seines Übernahmevorhabens den Anlegern je Vorzugsaktie bietet./ck/ag

(AWP)